LKR Haßberge

Kooperation im Steigerwald

In der kommenden Saison wird es im Steigerwald eine neue Spielgemeinschaft geben. Die Fusion des SC Geusfeld und der SpVgg könnte aber auch schon Auswirkungen auf den aktuellen Abstiegskampf der Kreisklasse Schweinfurt haben.
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Spielt künftig keine Rolle mehr: Geusfelds Kapitän Stephan Körber (links) wechselt zum RSV Unterschleichach.  Foto: Ralf Naumann
Spielt künftig keine Rolle mehr: Geusfelds Kapitän Stephan Körber (links) wechselt zum RSV Unterschleichach. Foto: Ralf Naumann
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Der 18. November 2018 könnte ein historischer Tag in den Vereinsgeschichten des SC Geusfeld und der SpVgg Untersteinbach werden. Es könnte das Datum sein, an dem die beiden Herrenteams der Vereine letztmals in einem Punktspiel gegeneinander angetreten sind. Das 4:2 der Geusfelder Gastgeber wäre der Endpunkt des Gegeneinanders. Ab Sommer gibt es stattdessen ein Miteinander.

Der SC Geusfeld und die SpVgg Untersteinbach werden eine Spielgemeinschaft bilden. Das bestätigte Karl Zimmermann, Vorsitzender der Spielvereinigung Untersteinbach. Mit dem "Ja" der Mitglieder in den Hauptversammlungen ist der Weg für das Miteinander endgültig geebnet. "Im Jugendbereich arbeiten wir ja schon seit einigen Jahren zusammen", berichtet Zimmermann. Er selbst trainierte zeitweise die gemeinsame U19 und durfte später bei Derbys erleben, dass "bestimmt zwölf oder 13 Jungs, die bei mir in einem Team aufgelaufen sind, gegeneinander gespielt haben".

Mit Blick auf die Spielerdecke, die bei beiden Vereinen in absehbarer Zeit eher dünner als dicker werden dürfte und auch kaum an Qualität zulegen wird, "macht es einfach Sinn, auch bei den Herren gemeinsame Sache zu machen". Zumal sich mit einer SG auch die sportlichen Perspektiven verbessern dürften. "Ich gehe davon aus, dass wir kommende Saison eine schlagkräftige Truppe stellen, die nicht mehr nur um den Klassenerhalt spielt." "Fifty-fifty", schätzt er, wird es wohl bei der Besetzung des Kaders der "Ersten" ausgehen. In jedem der beiden Vereine sieht er "sechs, sieben oder acht Jungs, die in der Kreisklasse eine richtig gute Rolle spielen können".

Der Impuls für die Spielgemeinschaft ging vom SC Geusfeld aus, der nach dem Abschied von Dauertrainer Stephan Körber zum RSV Unterschleichach vor einem Neuanfang steht. In Untersteinbach stieß man mit dem Ansinnen auf offene Türen. "Die Gespräche sind dann sehr gut gelaufen und wir waren uns schnell einig", sagt Zimmermann. Das Konzept wurde den Mitgliedern in den Jahreshauptversammlungen vorgestellt. Dort gab es jeweils ein Ja für die neuen Zeiten. "Wir probieren das jetzt erst einmal für ein Jahr", sagt der Funktionär, ist aber guter Dinge, dass die SG Zukunft hat.

Zunächst wollte man auch noch den SC Koppenwind - den dritten Verein in der Gemeinde Rauhenebrach - mit ins Boot holen. Der A-Klassist, bei der Jugend in der Steigerwald-SG dabei, orientiert sich aber weiterhin Richtung Landkreis Bamberg, wo er mit dem TSV Burgwindheim bei den Reserven bereits als Spielgemeinschaft antritt.

Neuland waren die Verhandlungen für die Verantwortlichen aus Untersteinbach und Geusfeld ohnehin nicht. Neben der Jugend haben die Vereine in den vergangenen Jahren auch bei der Reserve schon zusammengearbeitet. In dieser Saison musste die Zweite der SG aber kurz nach dem Start vom Spielbetrieb in der B-Klasse Schweinfurt 3 abgemeldet werden.

Ab Sommer will man jetzt gemeinsam mit zwei Mannschaften an den Start gehen. Eine in der Kreisklasse 3 - gesetzt dem mehr als wahrscheinlichen Fall, dass entweder Geusfeld oder Untersteinbach den Klassenerhalt schaffen - und eine in der B-Klasse 3 mit der Option auf Vorspiele vor der SG-Ersten. "Das wäre die ideale Konstellation."

Der Vorsitzende erhofft sich vom Miteinander auch höhere Zuschauerzahlen, da künftig sowohl Fans aus Geusfeld als auch aus Untersteinbach die Mannschaft unterstützen werden. Wo die neue Spielgemeinschaft ihre Partien austragen wird, steht aktuell noch nicht fest. Am wahrscheinlichsten ist aber ein Wechselmodell zwischen den beiden Sportplätzen, um sowohl dem Sportclub als auch der Spielvereinigung Einnahmen zu sichern.

Ebenfalls noch nicht geklärt ist die Trainerfrage. "Wir befinden uns in Gesprächen mit dem einen oder anderen Kandidaten", erklärt Zimmermann. Stephan Körber, der eine aktuelle Coach, wechselt zu einem künftigen Liga-Rivalen. Der andere, Kàri Reyr Jonsson-Beck, glaubt, dass der Neuanfang mit einem neuen Trainer besser und reibungsloser gelingen kann. "Wenn ich es mache, dann besteht immer die Gefahr, dass es von draußen heißt, ich würde die Untersteinbacher Spieler bevorzugen", sagt der Isländer. Im Notfall, wenn sich keine andere Lösung findet, würde der 43-Jährige aber zur Verfügung stehen. "Dazu sind mir meine Jungs und der ganze Verein viel zu sehr ans Herz gewachsen."

Ob der neue Trainer nur von draußen agieren wird oder auch auf dem Platz steht, ist für die Verantwortlichen nur ein nebensächlicher Faktor. "Durch die Spielgemeinschaft haben wir einen breiten Kader, brauchen also nicht unbedingt einen Coach, der auch Spieler ist. Wir sind aber für alles offen", sagt Zimmermann. In zwei bis drei Wochen möchte man in dieser Personalie Klarheit haben.

Auswirkungen auf den Abstieg

Ebenfalls noch geklärt werden muss, welcher Verein die Federführung in der neuen Spielgemeinschaft übernimmt. Fest steht nur, dass weiter beide Vereine im Namen auftauchen sollen, es also keine SG Rauhenebrach geben wird. Untersteinbach oder Geusfeld - letztendlich dürfte auch der Klassenerhalt in der Kreisklasse 3 bei der Antwort auf diese Frage eine wesentliche Rolle spielen. Schafft ihn nur eines der beiden Teams, dürfte es in der neuen Konstellation wohl als erstgenanntes firmieren, um die Liga zu sichern.

Stichwort Klassenerhalt: Durch das Miteinander im Steigerwald ab der kommenden Runde werden wohl auch die Karten im aktuellen Keller der Kreisklasse 3 neu gemischt. Untersteinbach oder Geusfeld stehen als einer der beiden Direktabsteiger fest, sodass wohl nur noch der Tabellenletzte - aktuell der TSV Knetzgau II - auf direktem Weg in die A-Klasse muss. Der vorletzte Rang würde dann zum Schleuderplatz, der Zwölftplatzierte würde den Ligaerhalt direkt schaffen.

Allerdings nur gesetzt den Fall, die neue SG schafft schon vor dem letzten Spieltag Fakten und einer der beiden Vereine erklärt seinen freiwilligen Abstieg. Ähnlich geschehen in der vergangenen Runde, als Geldersheim aus der Kreisklasse 1 ausschied (Spielgemeinschaft mit Sömmersdorf/Obbach) und dadurch die Zweite des SV Euerbach/Kützberg den Klassenerhalt auf direktem Weg sicher hatte.

Würde der freiwillige Abstieg aber erst nach dem letzten Spieltag beim Kreisspielleiter gemeldet, dann würden neben Geusfeld und Untersteinbach weiter zwei Vereine als Direktabsteiger aus der Kreisklasse 3 verschwinden.

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