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Bad Kissingen

Konzert mit drei Premieren

Ein herbstliches "Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit" gab die Staatsbad Philharmonie Kissingen im Max-Littmann-Saal. Moderator Christian Schwarz führte einfühlsam in die verschiedenen Werke ein.
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Die Staatsbad Philharmonie Kissingen gastierte mit Werken deutscher Komponisten der Romantik.  Foto: Hartmut Hessel
Die Staatsbad Philharmonie Kissingen gastierte mit Werken deutscher Komponisten der Romantik. Foto: Hartmut Hessel

Kein Programm. Kein Papier an dem man sich festhalten kann. Das nicht, aber mit Christian Schwarz einen höchst kompetenten Moderator und Erzähler, der das herbstliche "Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit" mit seinen anekdotischen Bändern gekonnt, mitunter politisch überspitzt, zusammen gebunden hat.

Erstmals unter neuem Namen

Drei Premieren kündigte er zu Beginn an: Erstens das erste Konzert der "Staatsbad Philharmonie Kissingen" mit dem neuen Markenbegriff. Zweitens die neue Geige des Orchesterleiters Burghard Toelke und drittens die "weltweit, einmalige" neue Bestuhlung des Orchesters. Nun, solcherlei Superlative sind gerade den Scherz wert, viel wichtiger für die über 400 Besucher im Max-Littmann-Saal war es zu hören, wie das Orchester mit den neuen Ansprüchen umgehen würde.

Der Moderator hatte ein vielfältiges Programm angekündigt und so war es dann auch. Von B bis W wurde der Einheitstag bedient. Von Revolution über Untergang bis zum Zusammenhalt in der Wiederauferstehung wusste der Erzähler einfühlsam in die Stücke einzuführen.

Dass Ludwig van Beethoven (1770-1827) gerne heftig seine Stücke beginnt, wurde auch von den sehr gut aufgelegten "Kissinger Philharmonikern" umgesetzt. Die Coriolan-Ouvertüre von 1807 und die Ouvertüre zur Oper "Egmont" sollten ein wenig Revolutionsgefühle ausdrücken, war doch der Komponist aus dem rheinischen Bonn den Kernaussagen "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" sehr nahe.

Max Bruch (1838-1920) liebte es, Ereignisse des alten Testaments in Töne zu verwandeln. Posthum wurde er von den Nazis als vermeintlicher "jüdischer Komponist" verfemt.

Die "Staatsbad Philharmonie Kissingen" ehrte ihn mit einem orchestralen Gebet zum hohen jüdischen Feiertag Jom Kippur. Ilia Zhukovski am Violincello übernahm dabei den Solopart. Gerade bei diesem Stück konnten die Zuhörer an der Zerrissenheit, aber auch an den Sehnsüchten und Tiefgründen teilhaben, von dem auch jüdisches Leben in Europa bis heute geprägt ist. Das gilt übrigens für jedes religiöse Wirken.

Ein Blick nach Thüringen lohnt sich immer. Die Rhön ist ein Teil davon. Ein großes Waldgebiet trägt den Namen des Landes. Es bleibt viel Geheimnisvolles in dem angrenzenden Bundesland. Fest steht, dass wir an der ehemaligen innerdeutschen Grenze die ersten Kontakte mit den Menschen von dort "drüben" hatten. Nach dem 9. November 1989, mit einer Armada von Trabis wurden die Landkreise an der Grenze heimgesucht. Das Orchester hatte sich ein Stück von Ernst Sachse (1810 - 1849) ausgesucht, um die musikalische Brücke zu den Nachbarn darzustellen. Dass Roman Riedel beim Solopart brillierte, ist dem Komponisten geschuldet. Ernst Sachse war Posaunist in der Hofkapelle Weimar gewesen.

W wie Wiedervereinigung setzt unter anderem auch Tugendhaftigkeit voraus. Waren es die deutschen Tugenden, wie Fleiß, Pünktlichkeit oder gar Toleranz von denen Moderator Christian Schwarz sprach, als die friedliche Revolution 1989 Deutschland wieder Eins werden ließ? Mit Karl-Maria von Weber (1786 - 1826) hat die Philharmonie in der Ouvertüre zur Oper "Euryanthe" der Tugendhaftigkeit im positiven Sinne von "üb' immer Treu und Redlichkeit" eine besondere Note gegeben.

W wie Wagner ist nicht gleich Vereinigung. W steht hier auch für Wagnis. Die Familiengeschichte zeugt bis heute nicht unbedingt von Einigkeit und Toleranz. Gerade deshalb hat sich die Staatsbad Philharmonie mit den Stücken von Sohn Siegfried (1869 - 1930) und am Ende von Vater Richard (1813 - 1883) ein erstes Denkmal gesetzt.

Ein Zeichen, dass sich die Leitung mit Burghard Toelke neuen Herausforderungen stellen will, war einmal aus der unvollendeten Oper "Das Flüchlein, das jeder mitbekam" ein Violinkonzert von Siegfried Wagner und als Schlusspunkt eines gelungenen Konzert- und Erinnerungsabends die Ouvertüre aus dem "Tannhäuser" von Richard Wagner.

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