Herzogenaurach

Können diese Augen lügen?

Um die Antwort vorwegzunehmen: Offensichtlich. 2006 hat die Wahrsagerin und Astrologin Patricia Bahrani in Herzogenaurach in die Zukunft geschaut. Und das letztlich sehr erfolglos.
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Mit diesen Augen schaute die Wahrsagerin, die unter verschiedenen Namen auftrat ihre Kundschaft an. Und log, dass sich die Balkenbogen. Bei einem aktuellen juristischen Nachschlag, scheint ihr der Augen-Blick nicht mehr zu helfen.  Foto: Archiv/Michael Busch
Mit diesen Augen schaute die Wahrsagerin, die unter verschiedenen Namen auftrat ihre Kundschaft an. Und log, dass sich die Balkenbogen. Bei einem aktuellen juristischen Nachschlag, scheint ihr der Augen-Blick nicht mehr zu helfen. Foto: Archiv/Michael Busch

Michael Busch Manchmal hilft der Zufall. Beim Blick ins Archiv bleibt der Blick des Redakteurs an einem Bericht aus dem Jahr 2006 hängen. Februar, also fast genau vor zwölf Jahren. Da ging es um die Astrologin und Wahrsagerin Patricia Bahrani, die damals in einer Wahrsagerstunde im Herzogspark auf sich und die Zukunft aufmerksam machen wollte.

Was war denn alles wahr?

Nun, nach mehr als einem Jahrzehnt Abstand, kann man ja mal schauen, was sich aus den Vorhersagen so ergeben hat. Die Wahrsagerin sagte damals, ein Jahr vor den Kommunalwahlen: "Nein, ändern wird sich bei der Kommunalwahl im Jahr 2008 nicht wirklich etwas Entscheidendes." Weshalb auch, Herzogenaurach werde doch gut regiert, führte sie aus. Frau Bahranis Vorhersage wurde damals in einem Satz zusammen gefasst: "Lieber German Hacker, echte Chancen auf eine Wahl als Bürgermeister bestehen für einen SPD-Kandidaten da wohl nicht."

Die Wirklichkeit kennen wir heute. Der chancenlose Kandidat hat sich in einer Wiederwahl im Jahr 2014 sogar erneut bestätigen lassen. Doch bereits damals gab es einen Plan B, wenn es mit der Vorhersage nicht so hingehauen hätte: "Es sei denn, seine persönlichen Daten stimmen. Denn was für eine Stadt der Breitengrad ist, kann bei einer Person durch das Geburtstagsdatum errechnet werden." Offensichtlich haben die Zahlen gestimmt, so dass die Beliebigkeit der ursprünglichen Aussage nochmals bestätigt werden konnte. Denn: "Wenn die Zahlen denn auch stimmen, dann kann ich mit hundertprozentiger Trefferquote meine Vorhersagen treffen", sagt die "Prophetin".

Dennoch hörten die Herzogenauracher damals gerne, dass die Tochter eines Inders und einer Österreicherin, die in Roth bei Nürnberg eine Ayurveda-Praxis betrieb, einiges zur und über die Sportstadt erklärte. Friedlich werde es bleiben, das beschauliche Herzogenaurach, denn "Morde, Kindesentführungen oder Amokläufe sind nicht zu sehen." Auch keine Naturkatastrophen. Ob es dann die Hochwasserfreilegung war, die für weniger bedrohliche Hochwasser sorgte oder die Wahrsagerei dies untermauerte, schwer im Nachhinein zu beweisen.

Völlig falsch lag sie damals beim Fußball. "Deutschland streitet sich bei der Fußball-WM mit Frankreich um Platz zwei, Brasilien wird Weltmeister. Die haben nicht nur die besseren Fußballer, auch die bessere Konstellation." Kam dann doch ganz anders und ist mittlerweile auch bekannt.

Eigenes Schicksal nicht gesehen

Interessant war eine andere Vorhersage: Terroranschläge werde es ab August in Paris und im September in Madrid geben. Grundsätzlich richtig, aber erst knapp zehn Jahre später und auch die Monate stimmten nicht ganz. Aber sei es drum - die Richtung stimmte.

Was wohl gar nicht klappte, war die Hellseherei in Richtung des eigenen Lebensweges. Denn im Jahr 2011 wurde sie wegen Betrugs zur Fahndung ausgeschrieben, der Fall schaffte es bis in die Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst". Mehrere zehntausend Euro luchste sie einem Rentner ab, für ein angeblich lukratives Juwelengeschäft. Und der eigene Sohn Francesko Schwennold trat ebenfalls in die hellseherischen Fussstapfen seiner Mutter. In Annoncen schrieb er: "Astrologe und Parapsychologe Francesco S. kommt nach Berlin!". Via Skype stellte er nach Vorab-Überweisungen seine Diagnosen.

Ein Nachsatz und ganz ohne Kaffeesatzleserei: Patricia Bahrani wurde damals mit einem europäischen sowie einen deutschen Haftbefehl gesucht. Zudem lagen mehrere Aufenthaltsermittlungen verschiedener Staatsanwaltschaften vor. Von der Kriminalpolizei Kempten war aktuell zu erfahren, dass das Verfahren bei der Polizei abgeschlossen sei, jedoch noch nicht juristisch. Offensichtlich gibt es einen Unterschied zwischen Wahrsagen und der Wahrheit sagen.

Und ein zweiter Nachsatz: Der damals schreibende Redakteur Bernhard Panzer war von Anfang an skeptisch, ob die Dame helle oder Hellseherin sei. Im Grunde hat er damals vorhergesehen, dass das alles nicht gut endet.

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