Sanspareil

Königsmord im Schnelldurchgang

Die Studiobühne Bayreuth spielt den Shakespeare-Klassiker "Macbeth" - und ist damit in 100 Minuten durch.
Artikel drucken Artikel einbetten
Macbeth ist mit Blut besudelt, weil er auf seine Frau gehört hat: Sie drängte ihn zum Mord an König Duncan. Foto: Sonny Adam
Macbeth ist mit Blut besudelt, weil er auf seine Frau gehört hat: Sie drängte ihn zum Mord an König Duncan. Foto: Sonny Adam

Die Studiobühne Bayreuth hat die Shakespeare-Tragödie "Macbeth" wieder in ihr Programm aufgenommen: Und zwar in einer Kurzversion. Nur 100 Minuten benötigt Birgit Franz, um die blutige Tragödie um den ehrbaren Feldherren "Macbeth" auf die Bühne zu bringen.

Macbeth ist ein treuer Diener des Königs. Er kämpft im Krieg Schottland gegen Norwegen - so weit die Ausgangsposition. Doch dann kommt die weltberühmte Shakespeare-Prophezeiung der "Weird Sisters". Shakespeare-Kenner interpretieren die "Weird Sisters" als übernatürliche oder einfach auch als eigenwillige, selbstbewusste und vielleicht unberechenbare Schwestern. Hexen vielleicht.

Doch in der Version der Studiobühne Bayreuth mutieren die "Weird Sisters" zu blinkenden roten Lichtern unter einer schwarzen Plane. Wabernd prophezeit diese übernatürliche Erscheinung Macbeth, dass er erst "Than von Cawdor", dann "König von Schottland" werden würde.

Die erste Prophezeiung erfüllt sich, plötzlich verändert sich Lady Macbeth: Sie denkt nur noch an die Macht, an den Aufstieg. Die Lady überredet ihren Mann, den König zu ermorden - und dieser gehorcht.

Der König stirbt, die Söhne des Königs fliehen. Doch Glück bringt all das Blut Macbeth nicht. Am Ende wird Lady Macbeth verrückt, sie bringt sich um.

Und Macduff, dessen Familie durch Macbeth abgeschlachtet wurde, vernichtet den machtgierigen Helden Macbeth.

In der Hauptrolle war Sigurd Sundby zu sehen. Doch mit seinem unverkennbaren Akzent blieb er zu sympathisch für den machtgierigen Macbeth.

Claudia Iberle spielte die Lady Macbeth - ebenfalls auf harmlose Weise. Außer einigen angedeuteten sexuellen Attacken bleibt die Macht über den Kriegshelden, die ihn zum Mord antrieb, im Verborgenen.

In mehrere Rollen schlüpfte Gordian Beck. Er mimte Banquo, den Mörder und Angus. Tizian Glaser wurde auf der Bühne zum verwundeten Ritter, zum Pförtner, zum Mörder und zu Seyton. Alexandra Leschinsky übernahm die Rollen des Malcolm und von Macduffs Sohn. Tim Haensell spielte Lennox und Fleance und Sylvia Lauterbach gab Lady Macduff , den Mörder und den Boten zum Besten.

Englische Zitate

Als Stilelement mischte Birgit Franz englische Kurzpassagen ins Stück ein: eine nette Idee.

Insgesamt war die legendäre Tragödie in der Bühnenfassung für das Felsentheater so stark verkürzt, dass sie teilweise bizarr wurde. Die Handlung blieb aufs äußere Geschehen beschränkt. Ein verschenkter Effekt war die Darstellung der legendären Shakespeare-Hexen. Die roten, blinkenden Lichter wirkten zwar abstrakt, waren aber ein krasser Stilbruch zur übrigen Inszenierung.

Die musikalische Untermalung indes gelang. Die Zuschauer verlebten auf der Naturbühne des Felsentheaters einen interessanten, wenn auch diskussionswürdigen Shakespeare-Abend.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren