Königsfeld
Ausgrabungen 

Königsfeld ist über 7000 Jahre alt

Rund 100 Zuhörer lauschten im Schleupnersaal gebannt Timo Seregély von der Universität Bamberg. Der Archäologe informierte über die ersten Untersuchungen zum jungsteinzeitlichen Grabenwerk bei Königsfeld.
Artikel drucken Artikel einbetten
Archäologie-Studenten der Universität Bamberg gruben unter der Leitung von Timo Seregély auf den Neuwiesen bei Königsfeld.   Fotos: Joseph Beck
Archäologie-Studenten der Universität Bamberg gruben unter der Leitung von Timo Seregély auf den Neuwiesen bei Königsfeld. Fotos: Joseph Beck
+1 Bild
Günther Hofmann vom Colloquium Historicum Wirsbergense freute sich bei seiner Begrüßung über die große Zahl der Anwesenden. Timo Seregély berichtete bei seiner Power-Point-Präsentation zunächst über die Bandkeramik-kultur allgemein. Die Menschen seien von der Jagd zur Sesshaftigkeit übergegangen. Der Anbau von Getreide, die Zucht von Haustieren und große, sechs bis acht Meter breite und bis zu 40 Meter lange Holzbauten waren die Merkmale dieser Zeit.
Als Erstes stellte der Experte die Siedlung südlich des Hohlen Steins bei Schwabthal vor. Man fand hier, ähnlich wie in Königsfeld, keine Knochen, da sie sich über den langen Zeitraum nicht erhalten haben. Als Baumaterial für die Häuser wurden Eiche, Linde und Esche verwendet. Die Buche als Baum kam erst rund 1500 Jahre später in unsere Landschaft. Das riesige Siedlungsareal, in dem um 5200 v. Chr. die ersten Häuser errichtet wurden, dürfte mindestens 200 Jahre bewohnt gewesen sein. Ein gefundener Feuerstein, der zum Abschaben des Fleisches von Knochen diente, zeigt die weiten Verbindungen an, da er aus einer Rohmaterialstelle aus den Niederlanden stammte.
Die Ausgrabung bei Königsfeld konnten im Sommer 2015 viele Interessierte selbst besichtigen, da das Colloquium Historicum Wirsbergense eine Führung organisiert hatte. Umso neugieriger waren nun die Anwesenden auf die ersten Ergebnisse. Grabungsleiter Seregély konnte anhand der Bilder des Gebietes "Neuwiesen" gegenüber dem Fußballplatz mithilfe der Magnetometermethode zeigen, dass hier ein gebogenes Grabenwerk existierte, welches als Schutz ein Siedlungsgebiet von vermutlich 150 x 100 Meter umschloss. Durch Unterstützung der Oberfrankenstiftung, der Universität Bamberg, der Gemeinde Königsfeld, der Sparkasse Coburg-Lichtenfels, der Gesellschaft für Archäologie in Bayern sowie Hermann Niemetz aus Königsfeld konnten die Wissenschaftler und Studierenden bei der Ausgrabung belegen, dass der Graben ursprünglich mindestens zwei Meter tief war. Dazu Timo Seregély: "Solch eine Grabenanlage ist in Mitteleuropa in dieser Höhenlage bisher einmalig. Auch wenn hier keine Knochen gefunden wurden, bezeugt der Nachweis von Baustrukturen und siedlungstypischen Funden wie Steingeräten, Keramikbruchstücken und verkohlten Getreideresten die Existenz einer befestigten Siedlung der frühesten Bauernkultur Oberfrankens."
Die Getreidereste von Emmer und Einkorn, aber auch Erbsen und Linsen haben sich hier aber nur deshalb so lange erhalten, weil sie verbrannt sind. Der Beginn der Siedlung wird derzeit für etwa 5050 v. Chr. angenommen, ihr Ende rund 100 Jahre später. Die genaue Altersanalyse, welche ebenfalls an Getreidekörnern aus der Siedlung durchgeführt wird, dürfte in zwei Monaten vorliegen.


Hohes Gewaltpozenzial

Erstaunlich sei, dass die Siedlung bei Königsfeld nach Errichtung des Grabens, was für die damalige Zeit ein enormer Kraftakt war, recht schnell wieder aufgegeben wurde oder werden musste. Über die Gründe lasse sich nur spekulieren, jedoch könnten überregionale Hinweise auf ein zunehmendes Gewaltpotenzial unter der frühbäuerlichen Bevölkerung um 5000 v. Chr. und damit Angst vor Überfällen eine mögliche Deutung sein.
Bei Forschungsgrabungen vor der Jungfernhöhle bei Tiefenellern wurde der bei der Altgrabung in den 1950er-Jahren vor der Höhle deponierte Abraum nochmals fein gesiebt und untersucht. Es wurden dabei 14 000 Fundobjekte mit rund 30 Kilogramm Gewicht, darunter mehr als 12 000 Knochen gefunden. Darunter seien auch viele Zähne gewesen, die man den damals gefundenen Schädelknochen zuordnen kann. Auch diese Funde müssen in naher Zukunft noch genauer untersucht werden.
In der Nähe der ehemaligen Wüstung Hohenellern befindet sich die jungsteinzeitliche Siedlung, mit der die Toten aus der Jungfernhöhle wohl in Verbindung standen. Dort wird derzeit eine neue Windkraftanlage errichtet, wobei im Rahmen von Rettungsgrabungen erste Siedlungsbefunde mit Keramikscherben aus der Zeit um 5050 v. Chr. geborgen wurden. Auch dieser Platz wird in den nächsten Jahren noch Forschungsobjekt im Rahmen der universitären Steinzeitforschung sein.
Bürgermeisterin Gisela Hofmann (BBL) dankte Timo Seregély für seinen ausführlichen und reich bebilderten Vortrag. Sie hoffe, dass sich finanzielle Förderer für weitere Grabungen in naher Zukunft finden lassen und dadurch noch viele weitere Details über die frühe Kulturgeschichte Königsfelds ans Licht kommen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren