Laden...
Bamberg

Knastkunst über die Freiheit

In der Fastenzeit stehen die "Ebracher Tafeln" in der Oberen Pfarre. Jeder kann darauf seine Gedanken hinzufügen. Am kommenden Sonntag wird das Projekt im Gottesdienst eröffnet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die "Ebracher Tafeln" werden im Chorumgang vor dem Beichtraum stehen.  Foto: Marion Krüger-Hundrup
Die "Ebracher Tafeln" werden im Chorumgang vor dem Beichtraum stehen. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Marion Krüger-Hundrup Junge Männer in Unfreiheit haben sich ihre Last von der Seele geschrieben. Von Freiheit geträumt. Von der Sehnsucht nach einem Leben ohne Gitter und Mauern. Häftlinge der JVA Ebrach schufen somit eine Kunstinstallation, die als "Ebracher Tafeln" ab Sonntag, 8. März, in der Pfarrkirche Unsere Liebe Frau (Obere Pfarre) zum Fortschreiben steht.

"Es besteht die Chance, sich mit dem, was einengt, auseinanderzusetzen und aufzubrechen in die Freiheit", erklärt Pfarrer Matthias Bambynek zu diesem Projekt in der Fastenzeit. Viele Menschen seien "auch in ihrem Kopf" befangen und sehnen sich nach dem Mehr. Danach, gerade Kirche als einen Ort zu erleben, in der Freiheit erfahrbar sei, so Bambynek. Der Pfarrer weiß, dass das Nachdenken über Freiheit in der katholischen Kirche eher ungewöhnlich ist. "Ich wünsche mir Freiheit zum offenen Wort, zur Ermöglichung, sich einzubringen, zur Teilhabe", sagt Pfarrer Bambynek.

Als Diakon hat er vor seiner Priesterweihe ein Praktikum in der JVA Ebrach absolviert. Gefängnisseelsorger Hans Lyer war damals sein Ausbilder. Lyer war es auch, der die Projektreihe "Kunst und Knast" gründete, in deren Rahmen die "Ebracher Tafeln" entstanden. Der Künstler Andreas Feist, ehemals Stipendiat der Villa Concordia in Bamberg, entwickelte diese 2015 mit den Häftlingen. "Gefangen sein", "Sehnsucht", "Freiheit" titeln die schwarzen Schiefertafeln, auf die mit weißer Kreide Gedanken zu diesen Begriffen aufgeschrieben wurden.

Die Gedanken sind frei

Nachdem die Tafeln im Innenhof der JVA Ebrach der Witterung ausgesetzt waren, haben sie eine gewisse Patina angesetzt. So kommen diese Kunstwerke in die Obere Pfarre und werden im Chorumgang vor dem Beichtraum platziert. "Jeder ist eingeladen, seine Gedanken hinzuzufügen - mit Kreide, einen Schwamm gibt es nicht", betont Natascha Hillebrand-Kaup, die für den Gemeindeausschuss der Oberen Pfarre die Aktion organisiert.

"Worte für Worte werden übereinander geschrieben, so wie im Leben neue Gedanken über den alten stehen", fügt die Ehrenamtliche hinzu. Die sich wandelnden Tafeln würden für eine Dokumentation fotografiert. Ebenso werde das Geschriebene in den Liturgien der Kar- und Ostertage aufgegriffen - "um Ostern als Fest der Befreiung zu feiern", ergänzt Pfarrer Bambynek.

Das Projekt startet im Gottesdienst um 11 Uhr am Sonntag. Gefängnisseelsorger Lyer und Künstler Feist werden es vorstellen: "gegen ein Schwarz-Weiß-Denken, gegen die Schubladen Gut und Böse", wie Hans Lyer sagt. Die Tafeln bleiben als Leihgabe bis Sonntag, 22. März, stehen. In diesem Zeitraum wird täglich von 15.30 bis 17 Uhr ein Ansprechpartner für Fragen und Gespräch vor Ort sein.