Nordhalben

Klingender Zusammenhalt

Vier Nordhalbener Orchester und Chöre gestalteten das Konzert zum "Jahr des Ehrenamtes" in der Gemeinde. Das gemeinsame Anstimmen des Nordhalbener Heimatliedes war umjubelter Höhepunkt.
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Der Spielmannszug Nordhalben hatte unter der Stabführung von Helmut Beetz ein buntes Programm geboten.  Foto: Michael Wunder
Der Spielmannszug Nordhalben hatte unter der Stabführung von Helmut Beetz ein buntes Programm geboten. Foto: Michael Wunder

Musikalischer Höhepunkt im Nordhalbener "Jahr des Ehrenamts" war ein Herbstkonzert der heimischen Klangkörper. In der restlos gefüllten Nordwaldhalle gab es nach dem Nordhalbener Heimatlied stehende Ovationen für alle Mitwirkenden. Einen besseren Zuspruch zum Gemeinschaftskonzert mit Musik und Gesang hätte es kaum geben können.

Das 25-jährige Bestehen der Nordwaldhalle war der Anlass für das "Jahr des Ehrenamtes". Die Nordhalbener Vereine und Organisationen haben mit verschiedenen Aktionen das sehr hohe freiwillige Engagement wieder neu ins Bewusstsein gerufen. Nahezu monatlich gab es Feste, Veranstaltungen und Maßnahmen zur Ortsverschönerung. Am Samstag schließlich zeigten vier Nordhalbener Klangkörper die musikalische Vielfalt der Klöppelgemeinde.

Vor ausverkauftem Haus präsentierte sich bei freiem Eintritt als erste Gruppe der Spielmannszug des ATSV mit Bewährtem und Spektakulärem. Auf den "Rittmeistermarsch" mit dreistimmigem Fanfarensatz folgten feine Querflötensoli mit Sonja Maier und Alfred Lunk in einem Arrangement "Jäger aus Kurpfalz".

Beeindruckende Trommelkunst

Die Zuschauer bestaunten eine nicht alltägliche Trommel-Kunst: In "Funny Sticks" zeigten jugendliche Trommler eine beeindruckende Show. Innerhalb des fortwährenden Trommelwirbels wurden die "Sticks" (Trommelstöcke) getauscht, unter den Arm geklemmt, um 180 Grad gedreht und gewechselt, dass es eine Freude war. Großer Applaus für diese schwierige, aber perfekte Vorstellung. Mit der schmissigen "Fanfarensamba", die südamerikanische Klänge in die Nordwaldhalle brachte, endete der erste Teil.

Souverän führte Moderator Rudolf Ruf durchs Programm und brachte das Publikum des Öfteren zum Grübeln, Staunen und zum Lachen: Schließlich hat auch er über 40 Jahre Erfahrung als "Ehrenamtlicher" und kennt viele Anekdoten der letzten Jahrzehnte. Das Publikum konnte also nicht nur gute Musik konsumieren, sondern musste sich mit dem Ehrenamt auseinandersetzen - und mit der Fiktion, wenn mal keiner mehr ehrenamtlich tätig wäre. "Ehrenamtliche sind Bürger, die mehr tun als ihre Pflicht und ihre Freizeit für die Allgemeinheit opfern", fasste der Moderator kurz zusammen.

Etwas nachdenklich wurde das Auditorium bei der Verkündung, dass der im Programm vorgesehene Gesangverein "Cäcilia" leider nicht auftreten kann. Nach dem tragischen Tod einer Sängerin war der Chor aus verständlichen Gründen nicht in der Lage zu singen. Trotzdem wurde auf die geplanten Vorträge verwiesen, das Publikum spendete verständnisvollen Applaus.

Der Posaunenchor Heinersberg führte mit seinem Repertoire die Zuhörer in die Pause. Mit einem launigen Vergleich sorgte Rudolf Ruf für Heiterkeit: Mit einem Anteil von 19 Prozent von Posaunenbläsern an der Gesamtbevölkerung ist Heinersberg vielleicht "Weltrekordhalter in der Posaunenmusiker-Dichte". Die Musiker um Leiter Michael Franz brachten Stücke aus drei Jahrhunderten dar: Auf die "Intrade Nr. 72" (Jahr 1685) folgten zwei Strophen des Bach-Chorals "O Gott, du frommer Gott". Eine Bearbeitung des modernen Kirchenlieds "Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne" und zum Abschluss der Gospel "Just a closer walk with thee" mit gelungener, wechselnder Dynamik des elf Bläser starken Ensembles rundeten den gelungen ersten Teil ab.

Vielseitiges Vokalprogramm

Nach der Pause appellierte Moderator Rudolf Ruf nochmal eindringlich, mit kreativen Ideen die Nordwaldhalle wieder zu beleben. Der "Liederkreis GemeinSangkeit" stellte ein vielseitiges Vokalprogramm vor. Bekannt aus Auftritten in "Rhythmo-Gottesdiensten" in Kronach und für vielseitige Interpretationen der neueren Kirchenmusik ist der 30 Personen starke Chor unter der Leitung von Ilona Ruf eine feste Größe in Nordhalben.

"Kein schöner Land", eine komplette Neufassung des bekannten Volkslieds, geschrieben vom Nordhalbener Organisten und Chor-Instrumentalisten Udo Simon, bildete den Auftakt: Jede Strophe in einer anderen klanglichen Struktur (klassisch, als Chanson, Motette, Fughetta) und mit augenzwinkernd-humorvollem Text, weckte die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Vom Moderator im Tonfall der 1930er Jahre angekündigt, folgte der Klassiker der Comedian Harmonists "Mein kleiner grüner Kaktus". Stilvoll trugen die Chorsänger Zylinder.

"Etwas Süßes, Unerwartetes, Überraschendes" versprach der Moderator vor dem dritten Vortrag - und behielt recht: GemeinSangkeit" präsentierte die jüngsten Chorsängerinnen: Zwischen zehn und elf Jahre alt sind Alanna, Lena und Andrea, die sich mit großem Lampenfieber in den Chor einreihten und sofort mit großem Enthusiasmus bei der Sache waren. Nach "Alle Menschen dieser Welt" von Lorenz Maierhofer folgte dann - ein politisches Statement: Das Abschlusslied "Mein Sonntag" - in den Strophen von Einzelsängern/Duos vorgetragen, erinnert an die Sonderstellung des Sonntags als Ruhetag und die Vorzüge, die diese Ur-Ordnung in die Familien bringt. "Bitte freilassen - lasst den Sonntag frei... sonst bleibt nur einerlei" war die Botschaft.

Der Musikkapelle Nordhalben war es schließlich vorbehalten, das Konzert mit sehr gelungenen Darbietungen abzuschließen. Der Moderator erinnerte an die lange Geschichte Nordhalbener Musikkapellen in den letzten 100 Jahren. Mit der Übernahme durch Michael Wolf, später Dorothea und Heiko Dietrich, sei ein hochqualitativer Klangkörper mit seidenweich-symphonischem Sound entstanden. Die Musiker bestätigten dies letztendlich mit "Salemonia", einen Konzertmarsch von Kurt Gäble, und der Konzertpolka "Von Freund zu Freund" von Martin Scharnagl. Das Stück wurde augenfällig dargeboten von Gerhard Kotschenreuther, Heiko Dietrich und Michael Wolf. Krönender Abschluss des gelungenen Vortrags war schließlich ein "007-James Bond Medley" mit den prägnantesten Melodien aus den Filmen. Der lange Applaus zeigte den Musikern, "den richtigen Ton" getroffen zu haben.

Ein Gänsehaut-Moment

Umjubelter Höhepunkt war das Anstimmen des Nordhalbener Heimatliedes zusammen mit allen Interpreten des Abends. Ein Gänsehaut-Moment, als die Hymne des Frankenwaldortes von den meisten Zuschauern stehen mitgesungen wurde. Dorothea Dietrich vom Musikverein und Ilona Ruf von der GemeinSangkeit hatten die Veranstaltung federführend konzipiert und organisiert.

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