Ebrach

Klimawandel erreicht Steigerwald

Der Forstbetrieb Ebrach hält aktives Handeln für erforderlich, um die Leistungsfähigkeit der Wälder zu sichern.
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Abgestorbene Buchenkronen verdeutlichen die Absterbevorgänge bei dieser Baumart. Foto: Ulrich Mergner
Abgestorbene Buchenkronen verdeutlichen die Absterbevorgänge bei dieser Baumart. Foto: Ulrich Mergner

Bei einem Pressetermin hat der Forstbetrieb Ebrach umfassend über die dramatische Kronenverlichtung und die Absterbevorgänge bei der Baumart Buche informiert. Nach ersten Erhebungen seien im Staatswald auf einer Fläche von 3000 Hektar Buchenbäume in einer kritischen Situation. An manchen Waldorten seien nur noch 20 Prozent der Buchenkronen als gesund anzusehen. Der Grund dafür sei ist die letztjährige und heurige Trockenheit. Auch die Niederschläge des Winters seien zu gering gewesen, um das fehlende Bodenwasser aufzufüllen.

Zum Pressetermin waren auch Vertreter von Friday For Future vom Gymnasium Gerolzhofen gekommen. Die Schüler zeigten sich sehr betroffen über die Absterbevorgänge vor ihrer Haustür und forderten, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten.

Klimaerwärmung und Trockenheit

Der Ebracher Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner informierte über die aktuelle Situation und die Maßnahmen, die vom Forstbetrieb bereits eingeleitet wurden. Laut Mergner sind vor allem Waldorte auf den Standsteinstufen und strengen Tonböden betroffen. Der Unterschied zum Waldsterben der 1990er Jahre sei, dass nun auch die Buche unter der Trockenheit leide. Bislang habe man gehofft, die Buche sei widerstandsfähiger. Ein Unterschied zwischen Naturwaldflächen und bewirtschafteten Waldflächen sei nicht feststellbar.

Mergner erläuterte folgende Maßnahmen, die von den Bayerischen Staatsforsten bereits getroffen wurden: Zusätzlich zu den terrestrischen Erhebungen würden Satelliten-gestützte Auswertungen über den Schadensfortschritt erstellt. Bei waldbaulichen Eingriffen würden verstärkt vitale Bäume gefördert. Die Holzernte konzentriere sich auf Bedränger und gering vitale Bäumen. Abgestorbene Bäume blieben als Totholz stehen.

Die natürliche Waldverjüngung müsse verstärkt durch intensive Bejagung vor Rehwildverbiss geschützt werden. Bereits in die Wege geleitet sei die Verkehrssicherung an öffentlichen Straßen. Dabei müssten absterbende Bäume gefällt werden, damit sie nicht unkontrolliert auf die Straße fallen und Verkehrsteilnehmer gefährden.

Leistungsfähige Wälder nötig

Mittel- und langfristig müsse alles unternommen werden, um die Leistungsfähigkeit des Staatswaldes zu erhalten, erklärte Mergner. Dabei gehe es um den Schutz des Trinkwassers, des regionalen Klimas, der Filterwirkung des Waldes, der Kohlenstoffspeicherung und der Erhaltung von Nutzungsmöglichkeiten des umweltfreundlichen Rohstoffes Holz. Holzverwendung verlängere die Kohlenstoffspeicherung des Waldes und trage dazu bei, den Verbrauch von Kohle und Öl zu reduzieren.

"Damit die Wälder im Steigerwald auch künftig leistungsfähig bleiben, muss aktiv gehandelt werden", stellte Mergner fest. Wälder auf großen Flächen sich selbst zu überlassen, werde den Bedürfnissen der Gesellschaft nicht gerecht, sagte der Forstbetriebsleiter. Die neue Situation bedeute keine Abkehr vom Naturschutzkonzept des Ebracher Forstbetriebs. Ziel sei weiterhin, mit vielen kleinen Stilllegungsflächen und einer gezielten Biotopholzstrategie die Artenvielfalt im Steigerwald zu verbessern.

Aktives Handeln erforderlich

Aktives Handeln bedeute, die derzeitige Baumartenzusammensetzung aus Buche, Eiche und Tanne mit weiteren Baumarten zu ergänzen. Mergner: "Forstwissenschaftler empfehlen beispielsweise Elsbeere, Feld- oder Spitzahorn." Der Forstbetrieb habe bereits positive Erfahrungen mit gepflanzten Edelkastanien. Seit längerem liefen Versuchspflanzungen mit Tannen und Buchen aus Bulgarien.

So groß die Erfahrungen der Forstleute mit Katastrophen seien und so sehr sie einen Zukunftswald aufbauen wollten: Die Bemühungen würden nur gelingen, wenn sie die volle Unterstützung der Gesellschaft haben. Klimaerwärmung und der Ausstoß von CO2 müssten dringend gestoppt werden. Der Forstbetriebsleiter begrüßte deshalb die Initiativen von Friday For Future und speziell das Organisationsteam des Gymnasiums Gerolzhofen.

Deren Sprecherin Betty Beyer aus Donnersdorf informierte über die bisherigen und künftigen Aktivitäten sowie Forderungen der Gruppe. Das im Pariser Klimaschutzabkommen enthaltene 1,5-Grad-Ziel müsse wesentlich schneller umgesetzt werden als derzeit der Fall, forderte Betty Bayer. "Es gibt keinen Planeten B" war auf ihrem Plakat zu lesen.

Beyers Mitschülerin Jana-Maria Rößner aus Mutzenroth meinte: "Ich sehe den Staatswald vom Küchenfenster aus und bin erschüttert, wie die Bäume absterben." Die weiteren Teilnehmer von Friday For Future waren Mirjam Wehner, Adrian Sternecker und Salomon Roth. red

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