Herzogenaurach

"Kleines Häuflein" am Werk

Vor genau 70 Jahren wurde der Heimat- und Verschönerungsvereins Herzogenaurach wiedergegründet.
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Luitpold Maier (links) und Architekt Georg Ferdinand Kurr, zwei langjährige Aktive im Heimatverein  Foto: Heimatbuch Herzogenaurach 1978
Luitpold Maier (links) und Architekt Georg Ferdinand Kurr, zwei langjährige Aktive im Heimatverein Foto: Heimatbuch Herzogenaurach 1978
Vor 70 Jahren wurde in Herzogenaurach der Heimat- und Verschönerungsverein reaktiviert. In den Jahren davor hatte er eine wechselvolle Geschichte erlebt. Die Wiedergründung erfolgte am 1. Dezember 1947 durch "das unterzeichnete kleine Häuflein" im alten Lokal "Zum Walfisch".
Der neue Vorstand bat Luitpold Maier um gute Zusammenarbeit. Aber erst ab Juli 1952 veröffentlichte der im Herzogenauracher Heimatblatt wieder Berichte aus seinem reichen Wissensschatz.
Bis zur Wiedergründung 1947 hatte der Verein während der NS-Zeit einige Umstrukturierungen hinter sich gebracht. Im Herzogenauracher Tagblatt ist am 16. Oktober 1933 zu lesen: "Gleichschaltung im Heimatverein". Da der Nordbayerische Verband für Heimatforschung und Heimatpflege in Bad Windsheim die Gleichschaltung verlangt hatte, war eine außerordentliche Versammlung einberufen worden. "Die Aenderung sieht eine Anpassung der Satzungen den Zielen des neuen Staates und eine neue Führerschaft vor" ist darüber zu lesen. Als noch amtierender Vorsitzender gab Stadtpfarrer Franz Rathgeber die neuen Paragrafen für die Satzung zur Kenntnis. In ihnen kommt immer wieder das Führerprinzip zum Ausdruck. Da er sich damit nicht identifizieren konnte, gab Rathgeber seinen und den Rücktritt des ganzen Ausschusses bekannt. Denn: "Nach den Vorschriften des Verbandes muß oder soll der neue Führer längere Zeit der NSDAP angehören."


Rathgeber tritt zurück

Ein geeigneter Kandidat war schnell gefunden: Gastwirt Konrad Bitter. "Seiner Aufstellung wurde danach stattgegeben", ist im Zeitungsartikel zu lesen. Dennoch bedauerte Christof Daßler, der rührige Pfleger des Heimatmuseums, den Rücktritt von Franz Rathgeber und würdigte dessen Verdienste. Daßler trat von seinem Posten als Zweiter Vorsitzender zurück und bot ihn Pfarrer Rathgeber an, um ihn zur weiteren Mitarbeit zu bewegen. Vergebens.
Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde eine Verbindung mit dem Verkehrs- und Verschönerungsverein angedacht. Nur wenige Monate später war es so weit: Am 14. Februar 1934 wurde die Zusammenlegung beschlossen. "Der Beschluß fußt auf der klaren Erkenntnis, daß der Aktionsradius für die Interessen der bisher getrennten Vereine, durch den Zusammenschluß ein bedeutend größerer wird und dadurch für Heimatforschung, weiter für Verschönerung und Fremdenverkehrswerbung ein breiterer und wie zu erwarten ist auch positiveren Rahmen geschaffen wird", ist dem Protokoll zu entnehmen.
Zum Vorsitzenden wurde 1. Bürgermeister Karl Körner bestimmt, Zweiter Vorsitzender wurde Stadtrat und Schreinermeister Valentin Zink, Geschäftsführer der Gartenbauinspektor Hans Hüller.
Bei der Gruppe Heimatforschung war der Vorsitzende Gastwirt Konrad Bitter. Als Beisitzer fungierten Stadtpfarrer Franz Rathgeber, Lehrer Kuno Wachter und Christof Daßler.
Die Gruppe Verschönerung und Verkehr setzte sich zusammen aus dem Vorsitzenden August Wirth, Stadtrat und Tuchfabrikant, sowie den Beisitzern Verwaltungsinspektor Hans Schürr, Karl Daßler und Josef Brandenstein.
Baumeister Andreas Kurr wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt, Luitpold Maier erhielt einen Ehrensitz im Ausschuss.


Begrenzte Wirkenszeit

Aber auch dieses neue Konstrukt hatte nur eine begrenzte Wirkenszeit. Die Begründung war, dass die Stadt Herzogenaurach als anerkannte Fremdenverkehrsgemeinde nach dem Gesetz einen Verkehrsverein haben müsse. Dem Amtsblatt der Stadt vom 3. Juli 1937 ist zu entnehmen: "Mit dem 1. Juli 1937 hat der bisherige Heimatverein, der in letzter Zeit auch den Verschönerungsverein in sich verkörpert, aufgehört zu bestehen." Herzogenaurach verzeichnete damals eine erhebliche Steigerung der Fremdenverkehrszahlen. Dazu trug auch das neue Freibad bei, das am 27. Juni 1937 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. "Es gibt keinen Geschäftsmann, dem nicht eine weitere Steigerung des Fremdenverkehrs Nutzen bringen würde und es darf Keinen geben, dem die Arbeit des Verkehrsvereins gleichgültig wäre", hieß es. Daher galt es, Mitglieder zu werben. 30 Vertrauensleute sollten ausschwärmen "und die Einschreibung in den Verkehrsverein tätigen".
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges kamen die Aktivitäten des Vereins zum Erliegen. Denn die meisten Männer wurden zum Kriegsdienst eingezogen und an eine Reisetätigkeit war nicht mehr zu denken.

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