LKR Haßberge

Kleiner Helfer aus dem Kühlfach

Im Notfall muss es schnell gehen, doch oft herrscht Hektik und wenig Übersicht am Unglücksort. Wie kommen Sanitäter oder Notarzt dann zügig an wichtige Informationen über den Patienten? Indem sie im Kühlschrank nachsehen.
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So sieht die Rotkreuzdose auf. Darinnen befindet sich ein Dokument, das wichtige Angaben über den Patienten enthält und das leicht aktualisiert werden kann. Fotos: Andreas Lösch
So sieht die Rotkreuzdose auf. Darinnen befindet sich ein Dokument, das wichtige Angaben über den Patienten enthält und das leicht aktualisiert werden kann. Fotos: Andreas Lösch
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Andreas Lösch Der Sanitäter reißt die Kühlschranktür auf. "Remoulade ist alle!", ruft er dem Notarzt zu. "Ärgerlich", sagt der. "Gibt's die Rotkreuzdose?" Der Sanitäter bejaht das. "Sehr gut, her damit!"

Der Ernst der Lage verbietet den Rettungskräften womöglich diesen Dialog, aber dass einer der Helfer beim häuslichen Notfalleinsatz zügig zum Kühlschrank läuft, könnte bald häufiger der Fall sein. Denn dort befinden sich wichtige, womöglich sogar lebensrettende Informationen, sofern der Patient an einem Angebot des Roten Kreuzes teilnimmt: Die Organisation bringt derzeit die sogenannte Rotkreuzdose unters Volk und will damit einem für Notsituationen typischen Fall vorbeugen - nämlich, dass dem Arzt oder Rettungssanitäter nichts über den Patienten bekannt ist und niemand vor Ort ist, der verlässliche Angaben etwa über Blutgruppe, Vorerkrankungen, Allergien oder zuvor verabreichte Medikamente machen kann.

Notfall: eine Stresssituation

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Simone Gilley von der Servicestelle Ehrenamt des Rot-Kreuz-Kreisverbandes Haßberge erklärt, dass Notfallsituationen sowohl für die betroffenen Patienten, als auch für mögliche Angehörige oder Mitbewohner Stress bedeuten. Unter solchen Bedingungen komme es vor, dass man sich selbst an einfache Dinge nicht mehr erinnert. Etwa, welche Medikamente der Notfallpatient einnimmt oder wo der Medikamentenplan aufbewahrt wird. Oder welche Vorerkrankungen der Patient hatte, ob er irgendwelche Allergien hat: "Auf dem Dokument in der Rotkreuzdose steht das alles drauf", sagt sie. Zudem sollte neben dem Namen und der Adresse unbedingt ein aktuelles Lichtbild aufgeklebt werden, um den Helfern die Identifikation des Patienten zu ermöglichen, etwa wenn es mehrere Notfalldosen in dem Haushalt gibt.

Immer in den Kühschrank damit!

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"Wichtig ist, dass die Dose im Kühlschrank steht", sagt Ingrid Böllner, Leiterin der Servicestelle Ehrenamt. Denn zum einen ist ein Kühlschrank in der Regel in jedem Haushalt vorhanden, zum anderen findet man ihn auch recht einfach (meistens steht er in der Küche). Zusätzlich sollte der Patient den kleinen Hinweis-Aufkleber an seiner Haustür anbringen (am besten im Bereich der Klingel, wie Böllner empfiehlt) und einen weiteren Aufkleber am Kühlschrank selbst (um ihn leichter zu finden oder, falls mehrere Kühlschränke vorhanden sind, den entsprechenden zu markieren). Die Aufkleber signalisieren den Rettungskräften direkt beim Eintreffen am Einsatzort: Hier gibt es eine Rotkreuzdose. "Sie kann Leben retten und Sicherheit geben", sagt Böllner.

Benjamin Herrmann, der im Landratsamt des Kreises Haßberge das Programm "GesundheitsregionPlus" betreut, hält das Rotkreuz-Projekt für eine sinnvolle Ergänzung der Notfallvorsorge. Die Initiative unterstütze er gerne, zudem sei sie "einfach und kostengünstig" umzusetzen.



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