Altenkunstadt

Kleine Pikse mit großer Wirkung

Vier Mediziner redeten der Impfung und der Vorsorgeuntersuchung das Wort.
Artikel drucken Artikel einbetten
Geballtes Medizinerwissen: Dr. Gernot Habich, Prof. Dr. Martin Raithel, Dr. Peter Schmied und Klaus Sammler (von links) sprachen beim Gesundheitsabend über Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen.  Foto: Stephan Stöckel
Geballtes Medizinerwissen: Dr. Gernot Habich, Prof. Dr. Martin Raithel, Dr. Peter Schmied und Klaus Sammler (von links) sprachen beim Gesundheitsabend über Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen. Foto: Stephan Stöckel

Vorsorge- untersuchungen und Impfungen retten Leben und schützen vor Krankheiten. Das war die Quintessenz des Gesundheitsabends, zu dem die Akademie für Gesundheitsförderung (AGF) mit Sitz in Altenkunstadt, die Raiffeisenbank Obermain Nord und das Wirtschaftsforum Obermain Jura am Mittwochabend in die Grundschulturnhalle geladen hatten.

Vier Mediziner sprachen über Themen wie Allergien, die Darmkrebsvorsorge und über kleine Pikse mit großer Wirkung - die Impfungen. Sie wussten nicht nur allerhand Wissenswertes zu berichten, sondern räumten auch mit Vorurteilen auf. "Die Impfung gegen humane Papillomviren, die durch Gewebeveränderungen im Körper eines Menschen Gebärmutterhalskrebs auslösen können, macht keinen Krebs", betonte Klaus Sammler, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe aus Coburg. Sie bekämpfe ihn auch nicht. Sie sei vielmehr eine Impfung, um dem Virus, das das Karzinom auslösen könne, keine Chance zu geben. "Das Virus wird erkannt und beseitigt", sagte der Referent.

Anhand der Statistik verdeutlichte Sammler, dass die humanen Papillomviren (HPV) weit verbreitet seien. Rund 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen infizierten sich wenigstens einmal im Leben. Sie gehörten damit zu den häufigsten sexuell übertragenen Infektionen, die zu Warzen, Krebsvorstufen und Krebserkrankungen führten, so der Redner.

Geißel des 21. Jahrhunderts

Für Prof. Dr. Raithel, Chefarzt am Malteser Waldkrankenhaus in Erlangen, ist die Allergie die Epidemie und Geißel des 21. Jahrhunderts. Allein in Deutschland seien sechs Millionen Menschen betroffen - Tendenz steigend. "Warum nehmen Allergien immer mehr zu?", wollte ein Zuhörer wissen. Der Experte führte ein ganzes Bündel an Gründen an, angefangen vom Antibiotikagebrauch über zu fette Ernährung bis hin zur Hygienehypothese. "Sie besagt, dass Kinder, die in einer zu sauberen Umgebung aufwachsen, häufiger an Allergien erkranken als Landkinder, die auf einem Bauernhof täglich mit Keimen in Berührung kommen." Raithel ist nicht nur Allergologe, sondern beschäftigt sich als Gastroenterologe mit der Therapie, Diagnostik und Prävention von Erkrankungen des Magen-Dram-Traktes. In dieser Funktion sprach er sich für die Darmspiegelung aus. Damit könne man Polypen, die Dickdarmkrebs auslösen können, beseitigen. "Dickdarmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung", führte er den Zuhörern die Wichtigkeit einer solchen Vorsorgeuntersuchung vor Augen.

Nicht nur die humanen Papillomviren, sondern auch andere Viren sind auf dem Vormarsch. Darauf wies Dr. Peter Schmied aus Burgkunstadt, Facharzt für Innere Medizin, hin. Konkret sprach der Mediziner die Reaktivierung verbliebener Varicella-Zoster-Viren nach einer Windpockenerkrankung in der Kindheit an. Diese könnten später eine Gürtelrose auslösen, die durch gürtelförmigen Hautausschlag und starke Nervenschmerzen gekennzeichnet ist.

Auch Jüngere erkranken

"Seit 2018 gibt es eine Standardimpfung gegen das Zoster-Virus, die bei Kassenpatienten ab einem Alter von 60 Jahren bezahlt wird. Personen mit einer Grunderkrankung oder Immunschwäche erhalten die Impfung bereits ab einem Alter von 50 Jahren." Für Schmied ist die Altersbegrenzung nicht nachvollziehbar, da auch jüngere Menschen erkranken könnten. Sie müssten die Impfung aus eigener Tasche bezahlen oder einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Für Dr. Gernot Habich aus Schwürbitz, der 28 Jahre lang Chefarzt am Klinikum Kutzenberg gewesen war, ist auch der Impfzeitpunkt und das Verhalten danach für eine Impfung entscheidend. Man sollte sich nur impfen lassen, wenn man gesund sei, und hinterher seinen Körper nicht durch Sport oder schwere körperliche Arbeit belasten. "Der Körper muss sich nach einer Impfung mit einer Infektion auseinandersetzen und seine Abwehrkräfte mobilisieren", nannte Habich den Grund.

Auf die "schwere Kost" der Referenten folgte die leichte Kost in Form eines kleinen Imbisses mit regionalen Spezialitäten. Moderiert wurde der Abend vom Patientenbeauftragten der AGF, Dr. Gerhard Eggloff aus Kulmbach. Bei einer Verlosung der Raiffeisenbank Obermain Nord gab es Wertkarten für die Obermain-Therme in Bad Staffelstein zu gewinnen.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren