Ahorn

Kleider erzählen Geschichten

Die Ausstellung "Verbandelt" zeigt in der Alten Schäferei Ahorn Gewänder zur Hochzeit im Coburger Land und südlich des Rennsteigs. Eröffnung ist an diesem Sonntag.
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Museumsleiterin Chris Loos mit den wunderschönen Hochzeitsgewändern aus mehreren zurückliegenden Jahrzehnten  Foto: Gabi Bertram
Museumsleiterin Chris Loos mit den wunderschönen Hochzeitsgewändern aus mehreren zurückliegenden Jahrzehnten Foto: Gabi Bertram
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"Verbandelt" heißt die neue Sonderausstellung im Gerätemuseum Ahorn, die am Sonntag, 28. Juli, um 11 Uhr eröffnet wird. Gezeigt werden Gewänder zur Hochzeit im Coburger Land und südlich des Rennsteig s - eine Region, die auch verbandelt war und dies wieder ist.

Fast hat sich Hannelore Müller aus Neustadt ein bisschen geschämt, als sie das Hochzeitskleid ihrer Mutter Ingeborg zur Ausstellung beisteuerte. Auf dem Hochzeitsbild vom 3. Dezember 1945 hatte es noch so edel ausgesehen. Heute ist es - wahrscheinlich aus Fallschirmseide genäht - etwas verblichen, hat aber trotz alledem den Charme eines wunderschönen Tages und einer wunderschönen Braut nicht verloren. Das Kleid hat übrigens auf einer Kinderpuppe Platz nehmen müssen, weil es so schmal geschnitten ist, dass es auf einen normalen Ständer nicht passte.

In den Hochzeitsgewändern aus verschiedenen Jahrhunderten sind Geschichten verwoben von Glück und Leid, von Liebe oder Zweckbindung. Auch Gudrun Zwingelberg hat ihr Brautkleid aus zarter Spitze mitgebracht. 1960 hat sie es von ihrem ersten Lohn erstanden und nur einmal zur Hochzeit getragen.

Museumsleiterin Chris Loos erzählt, nach der Ausstellung "Oberfranken betrachtet", die Trachten aus dieser Region zeigte, sei man auch für die zweite Saisonhälfte beim Thema Trachten geblieben. Die Idee für "Verbandelt" habe sich aus dem Coburger Brautzug heraus geformt und inhaltlich auf die verbandelte Region Oberfranken und Südthüringen erweitert.

Darüber hatten Hannelore Müller, Karl-Ulrich Pachale (Neustadt bei Coburg), Ernst Kienel (Coburg), Simone Metzner und Chris Loos diskutiert und der Idee Gestalt verliehen. Dabei, meint Loos, habe es die Hochzeitstracht eigentlich nicht gegeben. "Ein Hochzeitskleid für nur einen Tag hatte sich in früheren Zeiten keiner leisten können. Da wurde das beste Gewand aus dem Schrank genommen und mit Haube, Brautkrone oder Schleier zum Hochzeitsgewand umfunktioniert."

Trotzdem begab sich das Museumsteam auf die Suche nach Brautkleidern aus der Zeit ab 1900, und inzwischen ist auch fast jedes Jahrzehnt vertreten.

Waren früher Brautkleider eher schwarz, so hat sich das weiße Brautkleid erst mit Katharina de Medici im 16. Jahrhundert durchgesetzt, wobei Katharinas Kleid elfenbeinfarbig gewesen war. Das, meint Loos, sei Ausdruck eines unfassbaren Reichtums gewesen. Stoffe aus Seide, mit Hand bestickt, Fasern mit Spindeln gesponnen und handgewebt, das sei purer Luxus gewesen. Königin Victoria hat dann bei ihrer Hochzeit mit Prinz Albert im Jahr 1840 ein weißes Kleid getragen und wurde damit modisches Vorbild für die Damen dieser Zeit. Übrigens soll es auch Victoria gewesen sein, die die schwarze Witwentracht populär gemacht hat.

Jedenfalls hat sich danach das weiße Brautkleid durchgesetzt, auch wenn es durchaus noch lange nicht die Regel war.

Das älteste Brautkleid, das in der Sonderausstellung gezeigt wird, stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist eine Leihgabe des Heimat- und Trachtenvereins Probstzella, der Heimat von Chris Loos. Es ist schwarz und so schmal geschnitten, dass nur wenige Damen der Neuzeit hineinpassen würden. Okay, Chris Loos gehört dazu, auch wenn sie, wie sie selbst erzählt, die Luft anhalten musste.

An den Brautkleidern hängen viele persönliche Erinnerungen - an den schönsten Tag im Leben!? "Das war nicht immer wirklich der schönste Tag im Leben einer Braut. Je höher die gesellschaftliche Hierarchie, desto wahrscheinlicher waren einst Zweckehen. Auch in den unteren Schichten ging es oft darum, dass eine Frau abgesichert war. Und nicht selten war es eine Schwangerschaft, die vor den Traualtar führte", erklärt Chris Loos.

Neben den Brautkleidern von Ingeborg Apfel aus Neustadt hängt ein schlichtes, aber edles Kleid, das Gerlinde Eccarius aus Coburg 1965 bei ihrer Hochzeit trugt, die im Vereinslokal des Gartenbauvereins Spittelleite groß gefeiert wurde. Da war offensichtlich so viel getanzt worden, dass der Saum des Kleides in Mitleidenschaft gezogen wurde. Gerlinde Eccarius hat ihr Schmuckstück aufbewahrt und es nach dem Aufruf beim Schaffest für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Von 1987 stammt das weiße Brautkleid nebst Hut von Sibylle Sollmann, die in der Arbeitsgruppe Gerätemuseum mitarbeitet. Sorgsam und liebevoll in einem Karton aufbewahrt ist ein anderes Brautkleid, dem Brautschmuck, Strümpfe, Handschuhe, Schuhe und Hut beigelegt sind. Da steckt auch noch jede Menge Liebe drin.

Neben den Gewändern werden auch Unterwäsche - von weißen Baumwoll- oder Leinenhosen bis zu heißen Strapsen -, Brautkronen, Hauben und andere Accessoires ausgestellt. Darunter auch eine Braut- beziehungweise Totenkrone, die in Großwalbur bei Bauarbeiten auf dem Friedhof gefunden wurde. "Wahrscheinlich", vermutet Chris Loos, "war die Tote unverheiratet gewesen und als Braut Christi mit der Brautkrone bestattet worden."

Die neue Sonderausstellung "Verbandelt" sei auch nach der Eröffnung am kommenden Sonntag noch ausbau- und erweiterungsfähig, wirbt die Museumsleiterin. Wer also noch das Brautkleid von der Mutter oder gar von der Oma im Schrank aufbewahrt, kann es als Leihgabe gern beisteuern. Vielleicht findet sich auch ein Brautkleid, das über Generationen getragen wurde oder noch wird.

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