Kronach

Klassiker im Klassenzimmer

Susanne Rösch und Tom Ohnerast statteten der Siegmund-Loewe-Schule einen Besuch ab und gaben eine Einführung in Heinrich von Kleists "Amphitryon".
Artikel drucken Artikel einbetten
Tom Ohnerast erzählt den Schülern, was es mit "Amphitryon" auf sich hat. Foto: privat
Tom Ohnerast erzählt den Schülern, was es mit "Amphitryon" auf sich hat. Foto: privat

"Was machen Sie eigentlich, wenn da oben abgebaut ist? Haben Sie einen ganz normalen Job?", will Jan aus der Klasse 9A von Tom Ohnerast und Susanne Rösch wissen, beide auch in dieser Spielzeit wieder Mitglieder im Ensemble der Rosenberg-Festspiele. "Schauspiel ist unsere ganz normale Arbeit", lautet die treffende Antwort und schon ist ein Missverständnis aus der Welt geschafft. Und genau aus diesem Grund hatte Studienrat Thomas Hauptmann, Deutschlehrkraft an der Siegmund-Loewe-Schule in den Klassen 9A, 8A und 7C, die Schauspielerin und den Schauspieler an die Realschule eingeladen.

Gemeinsam mit seinen beiden Kolleginnen, den Studienrätinnen Andrea König und Sabine König und deren Klassen 8A und 7C besuchen die Schüler die in dieser Spielzeit angebotene Vormittagsvorstellung von Heinrich von Kleists Tragikomödie "Amphitryon". Um Berührungsängste abzubauen und um Verständnisproblemen vorzubeugen, erläuterten die beiden Ensemblemitglieder des Kronacher Freilichttheaters einen Tag vor dem Theaterbesuch zunächst kurz den Inhalt, bevor sie die Figurenkonstellation mit all ihren im Laufe des Stücks auftretenden Wechselfällen beschreiben - freilich ohne zu spoilern, wie Tom Ohnerast scherzhaft anmerkte.

Dazu gehörte auch der Vermerk, dass in der antiken Mythologie der Name eines Protagonisten viel über sein Schicksal verraten würde, denn nicht umsonst bedeute "Amphi-", die Vorsilbe im titelgebenden Namen, so viel wie "doppelt". Und der Feldherr der Thebaner steht sich schließlich im Laufe des Stücks selbst gegenüber!

Um den Schülern diese vor zweihundert Jahren entstandene Geschichte näherzubringen, nutzte Tom Ohnerast die Segnungen der modernen Technik und überließ es der Google-Stimme, den jeweiligen Klassen die Biographie Heinrich von Kleists zu erläutern. Er selbst ergänzte, dass diesem viel zu früh aus dem Leben geschiedenen Autor zeitlebens die Anerkennung versagt wurde, die er erst viel später trotz und gerade wegen seiner Kleist'schen Sprache erhalten habe.

Das sprachliche "Gefälle"

Anhand dieser heute im Theater immer noch hochgeschätzten Sprache erklärten Susanne Rösch und Tom Ohnerast einen Teil ihrer Arbeit als Schauspieler, indem sie für sich die Wortwahl und den Satzbau entschlüsseln und übertragen würden, bevor sie ihn dann in eine spielbare Handlung verwandeln würden, damit das Publikum die Geschichte verstehen könne. Im Vorgriff auf die Inszenierung wiesen sie die Klassen darauf hin, während der Vorstellung einmal auf das sprachliche "Gefälle" zwischen dem Fürstenpaar und der Dienerschaft in Gestalt von Sosias (Tom Ohnerast) und Charis (Susanne Rösch) zu achten.

Diese beiden traten dann auch plötzlich im Klassenzimmer auf. Mit den vorhandenen Mitteln, wie etwa dem Tafelschwamm oder zweier Wasserflaschen, spielten Tom Ohnerast und Susanne Rösch ein Streitgespräch zwischen Sosias und Charis vor und zeigten dabei die Spielfreude, die sowohl im "König Drosselbart" als auch im "Hauptmann von Köpenick" ihre Auftritte kennzeichnet - nun eben "Amphitryon".

Der Funke sprang auf jeden Fall auf das "Publikum" im spontanen "Klassenzimmertheater" über. Gespannt war man, wie die Schüler reagieren werden, wenn sie die beiden Akteure live in ihrem Element auf der Festspielwiese unter der Schwedenlinde erleben dürfen. Vielleicht wurde ja noch mehr Begeisterung geweckt und der eine oder andere findet sich im kommenden Jahr selbst als Akteur bei den Rosenberg-Festspielen wieder - immerhin sitzen in der Klasse 9A drei Schülerinnen, die in dieser Spielzeit das Ensemble verstärken - Vorhang auf! Hpm

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren