Bad Staffelstein
Unser Thema der Woche // Auf- und Abstieg

Klasse haben und Klasse halten

Ottmar Kerner hat Bayernliga gespielt, musste aber das Fußballspielen aufgeben. Er ist Mitglied des zweitgrößten 1. FC Nürnberg-Fanclubs. Er kennt sich also mit Auf- und Abstiegen aus.
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Ottmar Kerner mit dem Ehrenkrug zum DFB-Pokalsieg 2007 vor den nürnbergroten Rosen seiner Frau. Foto: Niklas Schmitt
Ottmar Kerner mit dem Ehrenkrug zum DFB-Pokalsieg 2007 vor den nürnbergroten Rosen seiner Frau. Foto: Niklas Schmitt

Niklas Schmitt "Es ist kein Verein, der immer vorne steht", sagt Ottmar Kerner, Mitglied und viele Jahre Zweiter Vorsitzender des 1. FC Nürnberg-Fanclubs "Wiesen und Umgebung". Das stimmt so nicht ganz. Nürnberg ist durchaus ein Rekordhalter, Spitzenreiter und Tabellenführer - noch vor Arminia Bielefeld.

Keine Mannschaft in der Geschichte der Bundesliga ist nämlich häufiger aufgestiegen und abgestiegen als der 1. FC Nürnberg - neunmal ging es runter und achtmal wieder rauf. Im Fußballjargon nennt man so etwas "Fahrstuhlmannschaft".

So viele Menschen weinen sehen

"Der Abstieg jetzt war nicht so schwerwiegend wie 1999", sagt Kerner und erinnert sich an die verhängnisvolle Saison vor 20 Jahren. Am vorletzten Spieltag stand der Club noch auf dem sicheren zwölften Platz, vier Plätze über einem Abstiegsplatz - Relegation gab es damals noch nicht. Bis wenige Minuten bevor der letzte Abpfiff die Saison besiegelte dann noch das Unmögliche möglich wurde. Der Club hatte mit 1:2 in Freiburg verloren.

Das war aber nicht weiter tragisch, denn auch wenn Eintracht Frankfurt gewinnen sollte, hätten die Franken noch das bessere Torverhältnis.

"So viele Menschen habe ich noch nie auf einen Schlag weinen sehen", beschreibt Kerner die dramatischen Szenen damals im Stadion. Denn in letzter Minute hat die Eintracht noch das 5:1 gegen Kaiserslautern geschossen. Gleiche Punktzahl, gleiche Tordifferenz, nur hatte der Club weniger Tore geschossen, was dann zum Abstieg geführt hat.

Legendär wurde der Satz von Radiokommentator Günther Koch, der sich aus dem Nürnberger Stadion meldete: "Wir melden uns vom Abgrund."

Nun ist es aber auch so, dass man am Abgrund die beste Aussicht hat. "Irgendwann freut man sich dann wieder über den Aufstieg", sagt Kerner. Und der kam natürlich - und mehr noch. 2007 gewann der Club sogar den DFB-Pokal. Mit dabei im Stadion natürlich Ottmar Kerner und Fanclub-Gründer Otto Scheer. Der hatte den Fanclub 1976 ins Leben gerufen.

31 Jahre später standen die Clubberer wieder ganz oben. Oben, das heißt auch auf die Bühne in Nürnberg mit der Mannschaft. "Das war der schönste Erfolg", so Kerner. Vielleicht hat der 4:0-Sieg im Halbfinale gegen die Eintracht aus Frankfurt auch zu dieser Einschätzung beigetragen.

Mitglieder in Bukarest geworben

Als Andenken an diesen Tag haben beide einen Krug erhalten. "Da bin ich schon stolz drauf", sagt Kerner. Ein Besonderes Andenken an ein besonderes Erlebnis. Dafür ist der Club gut. Das Auf und Ab tut der Leidenschaft von Kerner und den etwa 750 Mitgliedern des mittlerweile nur noch zweitgrößten Nürnberg-Fanclubs aber keinen Abbruch.

In ihren Hochzeiten, als der legendäre Otto Scheer auch bei Europacup-Spielen in Bukarest Mitglieder geworben hat, waren es über 1000 Mitglieder.

Jetzt sind es ein paar weniger. Mitglieder sind aber nicht ganz so unwichtige Persönlichkeiten wie der Ministerpräsident Markus Söder oder der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Neben diversen lokalen Bürgermeistern und dem Landrat ist auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick Ehrenmitglied. Kerner betont, die Mitgliederzahl sei nicht so wichtig. Der Fokus liege jetzt mehr auf dem Umfeld.

Alle vier bis sechs Wochen trifft man sich im Vereinsheim in Wiesen. Gemeinsame Fahrten nach Nürnberg werden organisiert, Sommerfeste oder Dankeswallfahrten nach Vierzehnheiligen, wenn der Verein den Pokal nach Hause bringt. In diesem Jahr mussten die Fans leider darauf verzichten.

Denn: "Der Club is a Depp", sagt Kerner lakonisch und meint damit, dass es in diesem Jahr sehr einfach gewesen wäre, den Abstieg zu vermeiden. Sei's drum, ein Club-Fan ist treu: "Einmal Clubfan, immer Clubfan."

Bayernauswahl und Verletzung

Angefangen hat Kerners Begeisterung für den FCN in der Bayern-Auswahl. Sein Trainer dort als 16-Jähriger war der Amateurtrainer der Nürnberger. Ein Zimmer hat er sich mit dem späteren FCN-Profi Günther Güttler geteilt. Eines kam damals zum anderen. Kerner wechselte vom TSV Staffelstein zum - damals noch - VfB Coburg in die höchste Jugendliga. "Das war für mich ein riesiger Aufstieg." Er bestritt ein Eröffnungsspiel für die Nationalmannschaft, spielte mit der Süddeutschland-Auswahl ein Turnier gegen Österreich und Ungarn und wohnte vier Wochen nach der WM 1974 in der gleichen Sportschule wie die Profis.

Dann aber kamen Verletzungen dazwischen, die Kerners Karriere frühzeitig beendeten. Eine Erinnerung, die er noch immer mit sich trägt. "Jedes Mal, wenn ich zum Fußball gehe, denke ich, da hätte ich mitspielen können", sagt Kerner, der überzeugt ist, es in der zweiten Liga hätte schaffen können. Den Spaß am Fußball hat er aber nicht verloren.

Im Gegenteil. Ein Clubfan ist leidgeprüft, lässt sich davon aber nicht unterkriegen, denn die Beziehung zum 1. FC Nürnberg sei für ihn Liebe und Leidenschaft. Ob der Club gleich wieder aufsteigt? "Ich wage es zu bezweifeln", meint Kerner. Die Konkurrenz sei zu groß, die finanziellen Mittel zu schwach.

Aber wer weiß, vielleicht zündet der Fanclub wieder eine Kerze an. Und vielleicht geht der Fanclub Wiesen und Umgebung im nächsten Jahr nach Vierzehnheiligen, um für den Wiederaufstieg zu danken.

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