Ebelsbach

Klangwelten für 2019

Der Ebelsbacher Jahresausklang stand unter dem Zeiten von Orgel und Posaune.
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Das "Hathor-Posaunen-Quartett" und die Solisten im gemeinsamen Abschluss mit Nick Caris, Dion Kowalski, Luc Scholtes, Prof. Harry Ries, Dominique Steins und Rommert Groenhof Fotos: Günther Geiling
Das "Hathor-Posaunen-Quartett" und die Solisten im gemeinsamen Abschluss mit Nick Caris, Dion Kowalski, Luc Scholtes, Prof. Harry Ries, Dominique Steins und Rommert Groenhof Fotos: Günther Geiling
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Zwei Instrumente standen im Mittelpunkt des klassischen Jahresausklanges in der Magdalenenkirche in Ebelsbach und traten dabei manchmal gemeinsam wie in einem Zwiegespräch auf: die Orgel als die Königin der Instrumente und die Posaune, die im Zusammenspiel für eine festliche Ergänzung sorgte oder auch als Solistin ihren besonderen Klangcharakter entfaltete. Dahinter standen auch die Musiker des "Consortium Musicum" aus den Niederlanden, die "Meister ihrer Posaune" sind oder wie der Kerkrader Organist Tjeu Zeijen, der schon Orgeln in der ganzen Welt bespielte.

Der Vorsitzende der Kulturgemeinde Ebelsbach/Eltmann, Matthias Beck, begrüßte die Besucher in der Magdalenenkirche und freute sich, dass das Ensemble des "Consortium Musicum" nun schon zum neunten Male für einen festlichen und klassischen Jahresausklang sorgt. Sein Dank galt dem Leiter Professor Harry Ries, der immer wieder eine ansprechende Auswahl von Werken treffe, aber auch der Pfarrei Ebelsbach, die ihren schönen und mit einer besonderen Akustik ausgestatteten Kirchenraum zur Verfügung stelle.

Den Auftakt machte das "Hathor-Posaunen-Quartett" (mit Harry Ries, Luc Scholtes, Dion Kowalski, Dominique Steins) mit der Sonate a 4 von Daniel Speer (1636 - 1707), einem deutschen Kirchen- und Popularmusiker, der später ein großartiger Vertreter der posaunenspezifischen Musik im Frühbarock wurde. Seine Sonate für vier Posaunen ging gut ins Ohr, wobei die Tenor-, Alt- und Bassposaunen gleich ihr harmonisches Klangvolumen zum Ausdruck brachten. Das Stück stammte aus der Abhandlung "Neugebackene Tafelschnitz", die schon mit ihrem Namen die Zuhörer zum Schmunzeln bewegt, ebenso wie in Kompositionen mit dem Titel "Vierfaches musikalisches Kleeblatt".

Mit dem "Choral-Prelude: Wachet auf, ruft uns die Stimme" von Joh. Seb. Bach (1685 -1750) spielte Organist Tjeu Zeijen das Klangvolumen der Hoffmann-Orgel aus. Ries meinte, "dass sich die Kirchengemeinde Ebelsbach glücklich schätzen könnte, so eine wunderschöne Orgel zu haben. Sie bringt einen so seltenen Urklang einer Orgel hervor, wie man es von einer Orgel erwartet, aber es nicht viele davon gibt. Viele Kirchengemeinden könnten sich so eine hervorragende Orgel heute gar nicht mehr leisten und die Ebelsbacher sollten froh sein, eine solche Orgel zu besitzen." Sicherlich staunten die Zuhörer, welche Tonfülle der Organist aus 86 Registern herausholte.

Die Posaunen intonierten das "Bataglia" von Issac und den "Guten Tagesbeginn" von Morancon, bevor die Mädchen, Brecht Scheuven (Querflöte) und Baukje Scheuven (Violine) weihnachtliche Stimmung in den Kirchenraum brachten.

Bei dem Solo "Meditation" des ungarischen Komponisten Frigyes Hidas (1928 - 2007) zeigte Bassposaunist Rommert Groenhoffs seine Vielseitigkeit. Der Posaunist der "Marine Band der Royal Netherland Navy" aus Rotterdam hat zahlreiche internationale Preise gewonnen. In Ebelsbach präsentierte er das Klangvolumen der Bassposaune bis zu den tiefsten Tönen, Glissando, Portato oder Legato. Dazu kamen die Zeit- und Tempiwechsel bis hinauf in die oberen Register. Alles mit richtiger Atmung, Ansatz, Timing und Technik.

Ein Kontrast dazu war das englische Tanzstück "Hornpipe" von Henry Purcell (1659-1695), das für Dudelsack geschrieben wurde. Die Posaunen setzten es gekonnt um. Mit dem "Trombone Institute of Technology" von Michael Davis (2011) kam es zu einer ganz neuen Akzentuierung der Posaune - diesmal als "Jazz-Instrument". Solist Nick Caris zeigte, wie es geht, geschickt begleitet von Bassposaunist Rommert Groenhof. Beim Choral "von Himmel hoch" von Pachelbel (1653 -1706) entfaltete dann wieder die Orgel ihr ganzes Klangvermögen, diesmal aber mit der getragenen, langsamen Melodie der Pedaltöne, auf die Tjeu Zeijen auf dem Spieltisch die Variationen der beiden Hände mit hohen Tönen legte. Fast glaubte man dann, dass es zum bekannten "Little Drummer Boy" übergehe, aber es stellte sich als das schottische Volkslied "Highland Cathedral" heraus, das Harry Ries an der kleinen Trommel begleitete.

Es zählt inzwischen zu den bekanntesten Dudelsackmelodien. Auch wenn der Dudelsack fehlte, wurden die Zuhörer damit in das schottische Hochland entführt, und mit der Trommel, der Orgel und den Bläsern wurde ihnen eine Art Gänsehautfeeling geliefert. Dieses ging über in das gemeinsame Schlusslied "Vom Himmel hoch", das diesmal von allen Instrumenten begleitet wurde und das Gefühl für die Weihnachtszeit noch einmal unterstrich.

Natürlich gab es zum Abschluss gute Wünsche zum neuen Jahr. Das hätte nicht besser geschehen können als mit dem Volkslied nach der Melodie "Amazing Grace" und mit dem Text "Ein schöner Tag ward uns beschert, wie es nicht viele gibt", und dem Blick auf das neue Jahr "und was das Schicksal dir auch bringt, was immer kommen mag. Es bleibt dir die Erinnerung an einen schönen Tag." Sicher klang diese Melodie beim Nachhauseweg noch lange nach.

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