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Ebelsbach

Kirche erblüht als Gärtnerei

Ein ungewöhnlicher Gottesdienst mitsamt Clown und Büttenrede fand gestern in Sankt Maria Magdalena in Ebelsbach statt.
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Claudia Reinwand und Diakon Joachim Stapf führten als Clown und Kirchgärtner durch den Faschingsgottesdienst in Ebelsbach. Fotos: pr
Claudia Reinwand und Diakon Joachim Stapf führten als Clown und Kirchgärtner durch den Faschingsgottesdienst in Ebelsbach. Fotos: pr
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Fasching in der Kirche, geht das überhaupt? In Ebelsbach hat dieses Format schon Tradition. Am Faschingssonntag kamen viele der Kirchenbesucher in bunten Kostümen oder maskiert in die "Gärtnerei Sankt Magdalena". Dort erlebten sie einen außergewöhnlichen Gottesdienst inklusive eines Sketchs mit dem "Kirchgärtner und dem Clown" sowie einer Büttenpredigt.

Schon der Einzug gestaltete sich mit Marschmusik besonders: In Begleitung der Ministranten folgte das Gartenteam mit Pfarrer Mathias Rusin und Diakon Joachim Stapf als Kirchgärtner, zu denen sich noch Claudia Reinwand in der Rolle des Clowns gesellte.

Der hatte schon beim Einlaufen so manche Vogelscheuche und manches Unkraut erblickt: "Da sehe ich ganz kleine Pflänzchen. Dann sehe ich hier Blumen, die schon fast abgeblüht sind und zwischendrin ein paar komische Vögel, die sich wohl von den vielen Vogelscheuchen auch nicht abschrecken lassen. Aber junge, kräftige Pflanzen sehe ich nur ganz wenige."

Kirchgärtner Stapf betonte, dass man gerade diese Mischung wolle. "Die jungen Pflänzchen sollen umgeben von den älteren zu kräftigen Pflanzen heranwachsen können." Auch in der Kirche sei ein Klimawandel stark spürbar. "Wir versuchen, durch unsere Angebote gegenzusteuern und unsere Kirche vor Ort lebendig zu erhalten. Hier in Ebelsbach gibt es die besten Voraussetzungen, nämlich einen richtig fruchtbaren Boden."

Probleme lösen

Der Clown meinte aber, dass es nicht so danach aussehe, als würden sich hier Freiwillige stapeln. Oft sehe er hier einen Gärtner mitten unter ein paar Gartenzwergen sitzen. Dem stimmte Stapf zu. "Das ist unser größtes Problem. Unser Konzept kann nur funktionieren, wenn wir ganz viele in einer guten, gesunden Mischung hier versammeln können." Dazu stimmte der Kinderchor das "Gloria" an.

Nach dem Wortgottesdienst ergriff Diakon Stapf das Wort und hielt eine gereimte Büttenpredigt, die neben amüsanten auch ernste Hinweise enthielt und das menschliche Leben immer wieder mit dem der Pflanzen in einer Gärtnerei verglich. Dabei ließ er auch die Kommunalwahl nicht außen vor. "Die Kandidaten ganz kreativ, vertreiben vielleicht manch alten Mief. Nach Ziegler kommt bald ein neuer Bürgermeister, ob Horn, ob Hoch, ob Metzner heißt er. Wichtig ist im Leben, beim Wahlkampf und in der Politik, dass jeder die Würde des anderen nie übersieht."

Zu des Gärtners Aktivitäten zähle natürlich auch das Unkraut zum Jäten. "Menschen ohne Herz und Seele, Fanatiker ich hierzu zähle. Ja, diese Haltung wuchert stark, verletzt die anderen bis ins Mark." Natürlich lese man auch bei Matthäus von Auge um Auge, aber das sei für Jesus keine Option gewesen. "Dabei vergisst man allenthalben, im eigenen Auge den Riesenbalken, die eigenen Fehler sieht man nicht, dabei wäre das erste Christenpflicht."

Klare Ansage gegen AfD

Der Büttenprediger kam auch auf Vorgänge im eigenen Land zu sprechen. "Auch bei der AfD gibt's Menschen, die lieber andere ganz ausgrenzen. Sie schüren Ängste und verführen, weil sie schon Überfremdung spüren. Um das christliche Abendland zu retten, Asylrecht und Freiheit legen sie in Ketten. Wichtig ist hier, das Unkraut mit der Wurzel zu ziehen, sonst wuchert es weiter und bald wird nichts mehr blühen."

Aber auch der eigenen Institution Kirche hielt Diakon Stapf den Spiegel vor, "denn auch in heiligen Kirchenräumen wachsen nicht nur gute Bäume". Positiv blickte Stapf dagegen in die Zukunft: "Ich freue mich auf die Frühlingszeit, wenn es wieder blüht und keimt. Gemeinsam schaffen wir ein Paradies im Garten."

An bunten Luftballons flogen die Fürbitten anschließend der Kirchendecke und dem Himmel entgegen. Alle Kinder bekamen einen Luftballon und die Erwachsenen ein Päckchen Blumensamen mit nach Hause. Davor waren die Kirchengemeinde und die Gottesdienstgäste zu einem kleinen Faschingsfest in der Kirche eingeladen.

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