Döringstadt
Unser Thema der Woche // Kinder, Kinder

Kinder so nehmen wie sie sind

Monika Spindler ist im Kindergarten St. Martin in Döringfeld seit 25 Jahren die Leiterin. Verändert hat sich auf der einen Seite nichts und auf der anderen Seite sehr vieles. Wichtig ist es trotzdem, die Kinder einfach lieb zu haben, sagt sie.
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Die Kinder wollen Zeit: Die nehmen sich Monika Spindler und ihr Team gerne für die Kleinen. Denn in der Zeit nachdem Kindergarten sollen sie sich auch gut zurecht finden.  Foto: Theresa Schiffl
Die Kinder wollen Zeit: Die nehmen sich Monika Spindler und ihr Team gerne für die Kleinen. Denn in der Zeit nachdem Kindergarten sollen sie sich auch gut zurecht finden. Foto: Theresa Schiffl

Den Kindergarten in Döringstadt gibt es nun schon seit 25 Jahren. Leiterin Monika Spindler hat in dieser Zeit viele Kinder betreut und "mit aufgezogen".Warum sie sie sich für den Beruf entschieden hat und was sich zwischenzeitlich verändert hat, erzählt sie im Interview.

Sie sind jetzt seit 25 Jahren Leiterin im Kindergarten St. Martin in Döringstadt. Wie kam es dazu?

Monika Spindler: In der sechsten Klasse war ich auf einer Kinderkur und habe gesehen wie die Erzieherinnen arbeiten und wollte auch diesen Beruf lernen. Nach langer Zeit als Erzieherin, wurde ich schließlich in meinem vorherigen Kindergarten zur Leitung. Dann wurde hier in Döringstadt die Stelle frei und ich bin hier her gewechselt. Jetzt habe ich nur noch fünf Kilometer zum Fahren, das ist auch sehr angenehm. Ich liebe meinen Beruf wirklich und ich kann mir keinen anderen vorstellen.

Wie hat sich denn der Kindergarten in den letzten Jahren entwickelt?

Angefangen haben wir mit 40 Kindern und vier Erzieherinnen. Der Kindergarten war von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr offen. Damals gab es auch noch einen Kindergartenbus. In den folgenden Jahren hatten wir auch schon mal 58 Kinder. In anderen geburtenschwachen Jahren waren es dann nur 28. Durch die Umstrukturierung mit Krippenplätzen haben wir jetzt 25 Kindergartenplätze und 15 Krippenplätze. Wir sind jetzt zu siebt und haben flexible Arbeitszeiten: Manche arbeiten drei Tage, andere die ganze Woche.

Warum waren diese Veränderungen notwendig?

Die gesellschaftlichen und familiären Strukturen haben sich einfach geändert. Mittlerweile ist es ja so, dass Eltern die Betreuungszeiten buchen müssen. Früher war der Kindergarten den ganzen Tag offen und das auch bei voller Besetzung. Die richtet sich mittlerweile nach der Anzahl der Kinder. Die Frauen blieben länger daheim und waren "Mütter". Auch die Großeltern waren daheim und konnten auf die Kinder aufpassen. Das hat sich jetzt geändert: Die Frauen wollen arbeiten und suchen deswegen einen Ort, wo ihre Kinder gut betreut werden. Und Oma und Opa müssen heute auch noch sehr oft arbeiten.

Noch einmal kurz zu den Krippenplätzen: Mussten dafür Umbauarbeiten gemacht werden?

Unser Kindergarten sieht weitestgehend noch so aus wie vor 25 Jahren. Größere Umbauten waren bei uns nicht notwendig, nur die Spielgeräte im Garten haben wir erneuert. In den Krippenräumen mussten nur ein paar Anpassungen vorgenommen werden.

Hat sich in dem Beruf zwischenzeitlich etwas verändert?

(überlegt kurz)Nein, ich denke nicht. Das Wichtigste ist nach wie vor, dass wir die Kinder so nehmen wie sie sind und sie lieb haben. Und natürlich, dass wir sie so gut es geht in ihrer Entwicklung unterstützen, damit sie später in der Schule und im Leben gut zurecht kommen. Jedes Kind ist unterschiedlich, das eine braucht etwas mehr pädagogische Hilfe und Unterstützung, andere weniger. Das war aber schon immer so.

Spielen eigentlich Handy und Co. auch im Kindergarten schon eine Rolle?

Bei uns zumindest nicht. (lacht)Es ist aber interessant, wenn man beobachtet, dass sie die "Wischtechnik" von den Smartphones schon raus haben, wenn sie einmal eins von uns erwischen. Was wir haben ist eine Tastatur: Da stellen sich die Kinder dann ein Buch davor und "schreiben" oder sie spielen Reisebüro. Kinder spiegeln auch sehr gut diese Veränderungen in unserem Leben wieder. Wir haben auch keinen Lerncomputer. Wir haben zwar schon einmal einen Tag zum Thema "Medienbildung" gemacht, an dem wir einen Märchenfilm gedreht haben, aber ich denke wir sind da eher "Old School" unterwegs.

Gibt es an ihrem Kindergarten etwas das besonders ist?

Hmm... (überlegt) Besonders ist bei uns die Atmosphäre. Wir sind ein verhältnismäßig kleiner Kindergarten. Da kennt jedes Kind die Erzieherinnen und umgekehrt ist es genauso. Das schätzen auch die Eltern bei uns. Wir hatten einen Fall, bei dem Eltern ihr Kind wieder bei uns angemeldet haben, weil ihnen der andere Kindergarten einfach zu groß war. Bei uns findet auch viel persönlicher Austausch mit den Eltern statt. Sie können sie auch jederzeit bei uns melden, wenn es irgendwelche Probleme gibt oder sie Wünsche haben.

Gibt es mittlerweile neue Herausforderungen?

Der viel größer gewordene bürokratische Aufwand: Mittlerweile muss alles dokumentiert werden, damit wir bestimmte Förderungen bekommen. Was vielleicht eine Herausforderung oder ein Problem sein könnte ist, dass es mittlerweile sehr schwierig ist Personal zu finden. Wir hatten zum Beispiel eine Zeit lang mehrere krankheitsbedingte Ausfälle. Und da muss man einfach Ersatz finden. Der lässt sich leider nicht so einfach bekommen. Es wäre wünschenswert, wenn sich dafür Lösungen finden würden. Das Gespräch führte Theresa Schiffl.

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