Weisendorf

"Kiegli" als kulinarischer Kerwagenuss

Vier Frauen stellten die "Küchle" für die Weisendorfer her. Von dem traditionellen Gebäck gibt es - man höre und staune - eine "katholische" und eine "evangelische" Variante.
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Inge Muggenhöfer beim Vermengen der Zutaten und beim Kneten des Teigs Fotos: Manfred Welker
Inge Muggenhöfer beim Vermengen der Zutaten und beim Kneten des Teigs Fotos: Manfred Welker
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Auch kulinarisch ist Franken vielschichtig, wie es die Kerwa zeigt. Beim großen Fest dürfen die "Kiegli" oder "Küchle" als traditionelles Gebäck nicht fehlen. Damit die Liebhaber der fränkischen Kiegli auch in Weisendorf nicht darauf verzichten müssen, trafen sich drei Frauen mit Inge Muggenhöfer im Zentrum neben dem Kirchweihzelt, um sie herzustellen.

Bedingt durch den hohen Aufwand beim Backen gab und gibt es sie nur zu besonderen Anlässen. Gebacken wurde natürlich zur Kerwa. In jedem Haushalt entstanden die "Kiegli" für den zu erwartenden Verwandtenbesuch und den eigenen Kaffeetisch. Denn die Gäste bekamen nach ihrem Besuch noch ein Bündel mit "Kiegli" und Kuchen auf den Heimweg mit.

Das "Kiegli-Zammspiel'n"

Aber auch die Kerwasburschen partizipierten bei ihrer Runde durch das Dorf, bei der sie den Obolus von den Bewohnern zur Unterstützung für ihre Aktivitäten einsammelten, von den Backwerken. Denn das "Kiegli-Zammspiel'n" am Kerwasonntag war früher bei jeder Kerwa obligatorisch. Häufig wurden damit dann die Musiker bedacht, die sie nach Hause mitnahmen.

In ihrer Form unterscheiden sich die "Kiegli" sehr wohl. Üblicherweise werden die runden als die "katholischen Kiegli", die eckigen aber als die "evangelischen Kiegli" tituliert. Allerdings gibt es besonders im gemischtkonfessionellen Altlandkreis Höchstadt an der Aisch viele Überschneidungen. Die runden sind im katholischen Höchstadt und Sterpersdorf genauso wie im protestantischen Mühlhausen oder Lonnerstadt üblich, nach Süden folgen die eckigen "Kissen", die im katholischen Herzogenaurach, Niederndorf, Welkenbach und Hauptendorf, im gemischtkonfessionellen Weisendorf, aber ebenso im protestantischen Burgstall, Oberreichenbach etcetera gebacken werden.

Alle Zutaten auf Raumtemperatur

Jede Bäckerin hat ihr eigenes Rezept mit einem unterschiedlichen Quantum an Zutaten. Eines ist aber immer wichtig: Wärme. Denn die Hefe verträgt keine Temperaturschwankungen, wenn sie gehen soll. Daher müssen alle Zutaten zuvor in der Küche auf Raumtemperatur gebracht werden. Die Hefe darf nicht kalt sein, wenn sie in warmer Milch aufgelöst wird, damit sie nicht "erschrickt", wie es versierte Bäckerinnen formulieren. Frühere Generationen von Bäckerinnen rührten noch einen kleinen Vorteig an, der nach dem Gehen mit dem restlichen Mehl und den Zutaten verknetet wurde, bis der Teig schön fein war. Nunmehr wird das gesiebte Mehl mit den Ingredienzen wie Milch, Hefe, Zucker, Eiern, Butter, Salz, Arrak und/oder Zwetschgenschnaps verknetet.

Was sind die "Dotschn"?

Der Teig für die eckigen Kissen darf nicht so gehaltvoll sein, "... sonst werden sie zu schwer und gehen nicht richtig auf!", wissen versierte Bäckerinnen. Die nicht aufgegangenen werden als "Dotschn" tituliert.

Eine grundlegende Zutat ist das Mehl. Inge Muggenhöfer aus Weisendorf backt ihre eckigen "Kiegli" mit einem eigens von der Litz-Mühle in Gremsdorf bezogenen Mehl, Typ 550. Aus dem Teig werden "Bollen" abgeteilt, die auf einem Holzbrett gelagert und mit einem Tuch abdeckt werden, um die Wärme zu halten und das Gehen zu erleichtern.

Danach wird der Teig ausgerollt und die einzelnen Stücke abgeteilt. Anschließend werden sie im heißen Schmalz herausgebacken, damit sie auf beiden Seiten eine hellbraune Färbung erhalten.

Unterstützt wurde Inge Muggenhöfer beim Backen der "Kiegli" von Marianne Göbel, Marianne Kaiser und Inge Grauberger. Die vier sind inzwischen ein eingespieltes Team und sorgen dafür, dass das fränkische Festgebäck auch diesmal bei der Weisendorfer Kerwa auf den Tisch kommt.

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