Pfarrweisach

Kerwa, ja - aber wann?

Der Termin für die Kirchweih in Pfarrweisach soll vorgezogen werden. Eine Umfrage unter den Vereinen in Pfarrweisach brachte nun ein eindeutiges Ergebnis hervor.
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Heuer wird die Pfarrweisacher Kirchweih trotzdem an diesem Wochenende gefeiert.  Foto: Simon Albrecht
Heuer wird die Pfarrweisacher Kirchweih trotzdem an diesem Wochenende gefeiert. Foto: Simon Albrecht

S Weil es sich für den Schausteller finanziell offensichtlich nicht mehr lohnt, seine Fahrgeschäfte an der Kirchweih aufzustellen, soll der Termin der Pfarrweisacher Kirchweih - das Wochenende um "Martini" (11. November) - vorverlegt werden. Heuer wird sie trotzdem an diesem Wochenende gefeiert.

Über eine Verlegung in wärmere Monate hat der Gemeinderat vor einigen Monaten in einer Sitzung im nichtöffentlichen Teil beraten und wollte zuerst den Standpunkt der katholischen Kirche erfahren.

Grünes Licht von der Pfarrkirche

Die katholische Pfarrkirche St. Kilian ist das einzige Gotteshaus im Ort. Von dort bekam die Gemeinde "grünes Licht", den Termin verlegen zu können, wie Bürgermeister Ralf Nowak bei der Sitzung des Gemeinderates im Oktober verlauten ließ (wir berichteten). Nun will sich der Bürgermeister zusammen mit dem Schausteller, den Vereinen und dem Besitzer des einzigen Gasthauses im Dorf, der Familie Eisfelder, treffen, um einen neuen, früheren Termin abzustimmen.

Doch damit sind die Pfarrweisacher nicht einverstanden. Bei einer Umfrage unserer Zeitung unter den Vereinen waren die Statements eindeutig dafür, den Termin "um Martini" beizubehalten - vor allem aus der Tradition heraus. Die Befragten wohnen alle in Pfarrweisach.

Termin nicht verlegen

Rita Böhm, Gemeinderätin und Vorsitzende des 121 Mitglieder starken Musikvereins St. Kilian, sieht keinen Grund, den Termin zu verlegen. "Nach meinen Erkundigungen von Vereinsmitgliedern ist der Termin schon seit über sechzig Jahren um Martini", schreibt sie, und weiter: "Einen anderen Termin zu finden, ist aus meiner Sicht sehr schwierig; denn im Sommer gibt es so viele Feste, die der ein oder andere Verein auch zum finanziellen Überleben benötigt. Dann noch einen Termin dazwischen zu quetschen, finde ich unsinnig. Natürlich kann auch im Sommer Schlechtwetter angesagt sein, so dass der Betrieb der Schausteller unrentabel ist. Vielleicht kann man einen anderen Schausteller für unsere Martini-Kirchweih organisieren."

Erst die Bürger befragen

Die Jugend hat ihren Standpunkt und beharrt auf Tradition - und auf Demokratie. Lukas Ender vom Jugendclub gab sich gegenüber unserer Zeitung demokratisch: Erst sollten die Bürger befragt werden, ob sie mit einer Verlegung der Kirchweih einverstanden sind. Im Jugendclub sei dieses Thema schon diskutiert worden mit dem Ergebnis, den bisherigen Termin beizubehalten. "Wer garantiert denn, dass der Schausteller auch bei einer Verlegung der Kirchweih weiterhin kommt?", fragt Ender.

"Traditionsbruch"

Für Christoph Göttel, Jugendreferent im Gemeinderat, wäre ein "Traditionsbruch aufgrund eines Experiments ein schlechter Ratgeber". Er meint, die Kirchweih in Pfarrweisach blicke auf eine lange Historie zurück, und die Gastronomie, die Vereine und vor allem die Gastgeberfamilien und ihre Gäste hätten diesen Termin fest in ihrem Jahreskalender eingeplant.

So argumentiert auch Andrea Werner, die Vorsitzende des Vereins für Gartenbau und Landschaftspflege mit knapp 100 Mitgliedern. "Welcher andere Termin wäre denn machbar?", fragt sie. "Außenrum haben alle anderen Orte auch Kirchweih, da ist kein freier Termin." Bisher habe sich das gut bewährt, wie es ist. "Und was würden wir machen, wenn der Termin verlegt wird und der Schausteller nicht mehr kommt? Dann wars für die Katz." Philipp Barthelmann, Schriftführer vom mitgliederstärksten Verein in der Gemeinde, dem TSV Pfarrweisach, gibt sich gemäßigt und schreibt - stellvertretend für den Vorsitzenden: "Für den TSV Pfarrweisach ist das Kirchweihspiel einer der Höhepunkte der Saison. Seit jeher ist es etwas Besonderes, an der Kirchweih Fußball zu spielen und danach im Sportheim bei Speis und Trank die Kirchweih zu feiern."

In den vergangenen Jahren habe die Prinzengarde des TSV den Termin genutzt, um den Faschingsauftakt im Sportheim zu feiern. "Falls der Termin für die Kirchweih verlegt werden sollte, ist es dem TSV wichtig, weiterhin ein Saisonspiel an dem Wochenende zu haben", meint Barthelmann. Außerdem sei es von Vorteil, dass am aktuellen Kirchweih-Termin nicht viele Veranstaltungen im Umkreis stattfinden.

Traditionen

Auch der Kindergartenverein lehnt eine Terminverschiebung ab, gibt deren Vorsitzender und Gemeinderat Markus Oppelt zu Protokoll; denn "es kam der Vorschlag einer Verschiebung einzig und allein von der Schaustellerfamilie, welche den späten Kirchweihtermin und das damit verbundene, meist schlechte Wetter als Hauptgrund angab, dass ihre Umsätze einbrechen."

Der Kindergartenverein (65 Mitglieder) ist der Meinung, "es soll den Kindern mit auf den Weg gegeben werden, dass es auch in unserer Gemeinde Traditionen gibt, an denen man nicht rütteln sollte - schon gar nicht wegen des Profits Einzelner."

Schlechtes Wetter, so Oppelt, sei für die Kinder kein Grund, nicht auf den Rummel zu gehen. Er setzt noch eins drauf: "Wenn die Schausteller ihr Geschäft attraktiver gestalten würden, würde auch der Umsatz steigen."

Die Feuerwehr hat nach den Worten von Kommandant Sebastian Bock und Feuerwehrreferent im Gemeinderat "zwar nichts mit der Kirchweih zu tun, doch wird es schwierig werden, einen passenden Termin zu finden, mit dem alle zufrieden sind. Auch haben wir keine Garantie, dass der Schausteller trotz Verlegung des Kirchweihtermins noch viele Jahre nach Pfarrweisach kommt", bleibt er nachdenklich.

Termin verschieben wäre sinnvoll

In ein anderes Horn bläst Hermann Weidner, kommissarischer Vorsitzender des Heimatvereins Pfarrweisach mit seinen 87 Mitgliedern. Er persönlich vertrete schon seit Jahren die Meinung, dass ein Verlegen des Termins sinnvoll wäre, und schlägt dazu das Patrozinium der Pfarrkirche vor, den 8. Juli ("Kiliani").

"Bei Martini weiß man fast sicher, wie das Wetter an den Tagen sein wird: kalt, regnerisch und manchmal sogar Schnee. Die Leute bringt man zu dieser Zeit kaum aus dem Haus heraus", argumentiert er. Während er die Stellungnahme schrieb, war er verreist - deshalb sei es eine rein persönliche Meinung.



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