Höchstadt a. d. Aisch

Kerwa auf Wanderschaft: aus der Stadt auf die Aischwiesen und zurück

Vor 40 Jahren wurde die Höchstadter Kerwa zum ersten Mal auf den Aischwiesen gefeiert. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie für eine Belebung der Innenstadt gesorgt. Bis 1730 war die Kerwa in Höchstadt a...
Artikel drucken Artikel einbetten
Zur Verlegung der Kerwa in die Aischwiesen erschien 1978 eine fiktive Todesanzeige. Repro: Manfred Welker
Zur Verlegung der Kerwa in die Aischwiesen erschien 1978 eine fiktive Todesanzeige. Repro: Manfred Welker
Vor 40 Jahren wurde die Höchstadter Kerwa zum ersten Mal auf den Aischwiesen gefeiert. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie für eine Belebung der Innenstadt gesorgt. Bis 1730 war die Kerwa in Höchstadt am Dreifaltigkeitssonntag gefeiert worden. Erst danach hatten die Höchstadter die Erlaubnis, die Kerwa auf den Sonntag nach dem Fest Peter und Paul verlegen zu dürfen.
Am Samstagnachmittag flatterte die rot-weiße Kirchweihfahne vom Kirchturm. Die jungen Burschen holten aus dem Wald einen Kirchweihbaum, meist eine Fichte. Dieser wurde mit Bändern geschmückt und mit einer Fahne bekrönt. Sie stellten den Baum auf dem Schillerplatz auf, danach wurde die Kerwa ausgegraben. Die Burschen zogen mit Schaufeln und Hacken sowie einem geschmückten Wagen zur Stadt hinaus. Das Bierfass war zuvor meist unter einem Reisighaufen versteckt worden. Es wurde auf den geschmückten Wagen gehoben, angezapft, die Krüge wurden mit dem Gerstensaft gefüllt und in die Stadt hereingefahren.
Abends war Tanz, vor allem für die Jugend. Vor der Stadt waren Schaukeln, Karussells, Schießbuden, Kasperltheater, Raritätensammlungen usw. aufgestellt. Der Sonntag lockte Markt- und Tanzlustige aus den umliegenden Ortschaften ins Städtchen, denn mit der Kerwa war auch ein Markt verbunden.
Der Kirchweihmontag begann mit einem Gedächtnisgottesdienst für die gefallenen Söhne Höchstadts. Am Nachmittag fand der Tanz um den Kirchweihbaum statt, es wurde der "Bock herausgetanzt". Ein geschmückter Schaf- oder Ziegenbock wurde demjenigen zugesprochen, der gerade mit seinem Mädchen an einer bezeichneten Stelle vorübertanzte, wenn sich aus der am Baum angebrachten Waffe der Schuss entlud.


Bock und Hahn verspeist

Danach zogen die Burschen zum Kellerberg, wo der sogenannte Hahnenschlag stattfand. Burschen brachten den mit Bändern geschmückten Hahn zum Kellerberg. Dort wurde ein irdener Topf aufgestellt. Zuerst wurden einem Teilnehmer die Augen verbunden, dann wurde er dreimal im Kreis gedreht und erhielt eine Stange, mit der er drei Schläge ausführen durfte. Wer den Topf traf, gewann den Hahn. Hahn und Bock wurden dann von den Kirchweihburschen gemeinsam verspeist.
Am Dienstag gab es eine kleine Nachfeier. Mit dem Glockenschlag 12 Uhr nachts wurde unter Wehgeschrei und Geheul die Kerwa begraben. Erst nach einem Jahr konnte sie wieder geweckt und ausgegraben werden.
Diese Tradition endete vor 40 Jahren, der Kirchweihtrubel zog um auf die Aischwiesen. Allerdings war die Entscheidung nicht unumstritten. In der Presse erschien eine fiktive Todesanzeige für die "gute alte Höchstadter Kirchweih", die Aussegnungsfeier wurde für den 9. Juli 1978 auf dem Festplatz festgesetzt. Als Grund für die Verlegung wurde die Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit der Höchstadter Gastronomie ausgemacht. Bereits in der Anzeige wurde aber auch die Frage aufgeworfen, ob dieser Zustand für immer so bleiben sollte.
Es sollte allerdings einige Zeit dauern. Im Jahr 2005 organisierte der Heimatverein Höchstadt zum ersten Mal eine Kerwa um den Kuhstall mit Kesselfeischessen und Kiegli backen, ein eigener Baum wurde aufgestellt und es gab ein Kerwasliedersingen. Dadurch wurde den Höchstadtern vor Augen geführt, wie eine Kerwa in der Innenstadt durchgeführt werden kann. Inzwischen findet die Höchstadter Kerwa im Engelgarten statt. Näher dran an der Altstadt.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren