Höchstadt a. d. Aisch

"Keine Straße im Wiesengrund"

Die Gegner der geplanten Anbindung des künftigen Baugebiets Etzelskirchen Nord-Ost formieren sich. Sie wollen die Natur erhalten
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Foto: Andreas Dorsch
Foto: Andreas Dorsch

Andreas Dorsch Warum sollte es in Etzelskirchen anders sein? Egal, wo heute neue Wohn-, Gewerbegebiete oder neue Straßen gebaut werden sollen, überall regt sich Widerstand. In Etzelskirchen ruft vor allem die vorgesehene Zufahrt in das geplante Baugebiet "Nord-Ost" Gegner auf den Plan.

Bauland stark gefragt

Die Nachfrage nach Bauland in Höchstadt ist ungebrochen. Auch mit Ausweisungen im nördlichen Ortsteil Etzelskirchen versucht die Stadt, die Warteliste von Bauwilligen zu verkürzen. Jüngstes Beispiel ist das geplante Baugebiet Etzelskirchen Nord-Ost, für das der Stadtrat Ende April den Bebauungsplan beschloss. Über 40 Bauplätze sollen hier entstehen.

Um das Gebiet zu erschließen, ist auch eine neue Verbindungsstraße vorgesehen, die von der Straße An der Birkach im Süden durch den Wiesengrund direkt ins Baugebiet führen würde. Diese neue Zufahrt wäre auch eine Entlastung für das fast gesamte nördliche Etzelskirchen.

Alles durchs Nadelöhr

Bisher muss der Verkehr in dieses Gebiet durch das Nadelöhr Weidenweg. Mit der neuen Verbindungsstraße bräuchten Fahrzeuge Richtung A3/Erlangen nicht mehr durch den Ortskern von Etzelskirchen, sondern könnten über den östlichen Teil des Weidenwegs den Ort direkt Richtung A3 verlassen.

Gegen eine solche neue Zufahrt in das geplante Baugebiet regt sich allerdings heftiger Widerstand. Eine Gruppe von Gegnern hat sich bereits organisiert und sammelt Unterschriften. Die ersten Listen sind schon voll. Den Bürgern geht es um den Erhalt des Wiesengrundes in seiner jetzigen Form als "Lebensgrundlage für Mensch und Natur". Die Gegner wollen keine zusätzliche Straße. Sie könnten damit leben, dass auch die künftigen Bewohner ihre über 40 neuen Bauplätze nur durch den Ortskern und den Weidenweg erreichen.

"Wir befürchten viel mehr Verkehr im Weidenweg, weil dann viele die neue Straße als Abkürzung benutzen könnten", sagt Landschaftsplanerin Kathrin Nißlein, die selbst im Weidenweg wohnt und bei der die Fäden der Gegner zusammenlaufen.

Anreiz für weitere Bebauung

Sie sei nicht gegen das neue Baugebiet, betont Nißlein, habe aber zusammen mit einer immer größer werdenden Gruppe von Etzelskirchener Bürgern zwei große Wünsche: Auf die neue Verbindungsstraße sollte ebenso verzichtet werden wie auf die Grundstückszeile südlich des Weidenwegs. Die Gegner wollen ihre Unterschriftenliste jetzt bei der Auslegung des Bebauungsplanes einreichen. Sie argumentieren unter anderem mit einer unnötigen Versiegelung von Flächen, sehen durch die Straße einen Anreiz für weitere Bebauung. Sie befürchten die Zerstörung von Lebensräumen für Insekten, Bodenbrüter und Greifvögel. Der Wiesengrund sollte zudem als Begegnungsraum erhalten werden. Eine Straße würde durch mehr Durchgangsverkehr Kinder und Spaziergänger gefährden, meinen die Gegner.

Manche seien für die Straße, aber auch etliche dagegen, sagt Kathrin Nißlein und hofft, die geplante Anbindung noch abwenden zu können. Auf das neue Baugebiet freut sie sich aber schon, würden doch dann junge Familien mit Kindern den Ort bereichern.

Die Bürger entscheiden mit

Ziel sei es, mit der neuen Anbindung das gesamte Gebiet besser zu erschließen, sagt Bürgermeister Gerald Brehm (JL). Wenn aber 90 Prozent der Bürger die Straße nicht wollen, könnte er auch darauf verzichten. Entscheiden müsse am Ende der Stadtrat und der sollte die Meinung der Betroffenen mit einfließen lassen. In einer speziellen Bürgerversammlung will Brehm das Für und Wider mit den Etzelskirchenern diskutieren.

In einem Punkt sei man den Gegnern schon entgegen gekommen und habe auf die unterste Häuserzeile verzichtet, sagt der Bürgermeister. Ein Verzicht auf die Straße würde zudem auch Geld sparen. Als Kompromiss könnte sich Brehm vorstellen, die Straße zwar zu planen, aber vorerst nicht zu bauen und die Verkehrsentwicklung abzuwarten. Voraussichtlich ab Mitte 2020 können in dem neuen Gebiet die ersten Häuser entstehen.

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