Kronach

Keine dicke Luft vor dem Fest

Allem Anschein nach könnte dem Freischießen heuer ein juristisches Vorspiel erspart bleiben. Die Schützen haben der Stadt ihre Planung vorgelegt und stehen weiter mit dem Kläger in Kontakt. Das Gericht will nicht dazwischenfunken.
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Am 8. August startet in Kronach wieder das Freischießen. Foto: Archiv/Marian Hamacher
Am 8. August startet in Kronach wieder das Freischießen. Foto: Archiv/Marian Hamacher

Marco Meissner Am 8. August beginnt das Freischießen in Kronach. Bis zum 18. August soll die Hofwiese wieder zum Besuchermagneten werden. Die Vorfreude der Festgänger auf dieses Spektakel wird jedoch seit Jahren regelmäßig wenige Wochen vor der Bierprobe getrübt. Nicht zuletzt, seit eine Klage gegen das Fest von 2016 im Raum steht. In den vergangenen Jahren sorgte diese immer wieder für einen dicken juristischen Nebel, der den geplanten Freischießen-Ablauf im Endspurt zu ersticken drohte.

Schwebt dieses Damoklesschwert auch heuer bis zuletzt über dem Fest? Herrscht noch dicke Luft zwischen Kläger und Schützen? Die ausrichtende Schützengesellschaft Kronach hofft nicht. Und aktuell scheinen der Kläger, der sich vor allem an den nächtlichen Betriebszeiten und der damit einhergehenden Lärmbelästigung stört, und die Schützengesellschaft einen gemeinsamen Nenner finden zu können (wir berichteten).

Geplante Öffnungszeiten

"Der neue Antrag ist abgegeben. Ich habe diesbezüglich aber noch keine Rückinfo", stellt Schützenmeister Jörg Schnitzler am Freitag auf FT-Anfrage zum Planungsstand fest. Die Stadt Kronach muss sich erst noch mit diesem Antrag befassen, der heuer "etwas reduzierte Öffnungszeiten beinhaltet" - was dem Wunsch des Klägers entgegenkommen dürfte.

Bis 24 Uhr soll sich das Freischießen demnach in die Nacht erstrecken. Nur an den beiden Freitagen und Samstagen planen die Schützen einen verlängerten Betrieb bis 1 Uhr. Wie seitens der Stadtverwaltung zu erfahren war, wird der Antrag zurzeit noch geprüft.

Doch verkürzte Öffnungszeiten sind nicht der einzige Punkt, der den Kläger milde stimmen dürfte. Er hatte auch eine andere Entscheidung mit seiner Haltung verknüpft - obwohl es sich dabei eigentlich um zwei Paar Stiefel handelt. In diesem Fall geht es um eine bauliche Frage auf seinem Grundstück. Der Bauausschuss der Kreisstadt hat hierzu am Donnerstag das gemeindliche Einvernehmen erteilt. "Jetzt geht die Sache ans Landratsamt und wird dort ganz normal geprüft", erklärt der Sprecher des Landrats, Markus Wich. Wenn alles normal laufe, könne in etwa vier Wochen eine Entscheidung fallen. Aber alleine schon das Einvernehmen der Stadt wertet er als "ein gutes Zeichen", dass auch dieses Problem am Ende zu einer vernünftigen Lösung geführt werden kann.

Angesichts der aktuellen Entwicklung droht momentan auch keine neue Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth, die Festvorbereitungen zu blockieren. "Es gibt nichts Neues. Es ist auch keine neue Sitzung angesetzt", stellt Pressesprecher Dietmar Lang fest. Die Richter möchten - nach Rücksprache mit allen Beteiligten - kein Störfeuer legen, solange die beiden Parteien aussichtsreiche Bemühungen um eine außergerichtliche Lösung zeigen. Und diese Bestrebungen scheinen nach drei Jahren endlich Früchte zu tragen und zu einer Einigung zu führen.

Hand nicht zurückgezogen

"Er hat mir immer gesagt, dass es so bleibt, wie wir es besprochen haben", freut sich Schützenmeister Schnitzler, dass sich beide Seiten vor einigen Wochen nicht nur die Hand gereicht haben, sondern dieser Handschlag auch weiterhin fest ist. Der Kläger wollte sich auf Anfrage des Fränkischen Tags dazu nicht äußern, und auch sein Anwalt konnte keine nähere Auskunft über den Stand der Gespräche geben.

Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner kennt jedoch die Situation, weil sich der Kläger in der Baufrage an ihn gewendet habe. "Ich war ihm behilflich, durch den Paragrafendschungel zu reiten. Jetzt ist das Problem weitestgehend gelöst." Auch dadurch, dass der Kläger seinerseits Entgegenkommen gezeigt und bauliche Veränderungen für eine Genehmigung seines Anliegens vorgenommen hat.

Auf diesem Weg kam Baumgärtner einmal mehr auf Tuchfühlung mit der Freischießen-Problematik, in die er sich nun zusammen mit Landrat Klaus Löffler weiter einbringen will. Denn selbst wenn die Klage fallengelassen werden sollte, sieht der Abgeordnete noch Handlungsbedarf. Einerseits gebe es weitere Interessen von Anliegern, die berücksichtigt werden müssten. "Andererseits wollen wir das Schützenfest weitestgehend unverändert in die Zukunft führen." Erneut müssen also viele Gesichtspunkte unter einen Hut gebracht werden.

Alle Themen auf dem Tisch

Aus diesem Grund ist für Montag eine Besprechung angesetzt, an der neben dem Landrat und dem Abgeordneten auch alle betroffenen Behörden teilnehmen. Dabei stehen verschiedenste Aspekte des Festes zur Diskussion. Als Beispiele nennt Baumgärtner Versicherungsfragen oder ausreichenden Parkraum für Festbesucher mit einem Handicap. Aber es gehe eben auch darum, wie mehr für die Anwohner getan werden kann.

Alle Seiten sind jetzt also offenbar um eine zukunftsfähige Lösung für das Freischießen und einen konstruktiven Umgang miteinander bemüht. So verdirbt heuer hoffentlich kein juristischer Nebel die Sicht auf die Hofwiese.

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