Bamberg

"Kein Klosterseminar"

Die Berufsanfänger bei der Bundespolizei leben in einer Gemeinschaftsunterkunft im Bamberger Osten. Weil sich Anwohner über laute Partys beschweren, gibt es immer wieder Ärger. Dazu äußert sich die Polizeigewerkschaft.
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Nachbarn stören sich immer wieder an lauten Feiern auf dem Gelände der Bundespolizei in Bamberg. Auf diesem Symbolbild sind Polizisten nach einem Einsatz am Frankfurter Flughafen zu sehen. Foto: Boris Roessler, dpa/Archiv
Nachbarn stören sich immer wieder an lauten Feiern auf dem Gelände der Bundespolizei in Bamberg. Auf diesem Symbolbild sind Polizisten nach einem Einsatz am Frankfurter Flughafen zu sehen. Foto: Boris Roessler, dpa/Archiv
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Das Bayrische Landesamt für Statistik errechnete noch vor zwei Jahren für die Stadt Bamberg bis 2036 einen kräftigen Schwund von zwölf Prozent bei den 18- bis unter 40-Jährigen. Die Bundespolizei hat den Trend mit ihrer Entscheidung, in der Stadt eine Ausbildungsstätte zu etablieren, gestoppt: Im September werden dann 2800 junge Leute in Bamberg den Polizeiberuf erlernen.

Feiern normal

Der Polizeiberuf ist hart, seinen Ansprüchen trägt die Ausbildung Rechnung. Wer bei der Polizei eine Prüfung bestanden hat, freut sich und feiert. Und zwar richtig. Das ist das Normalste auf der Welt, wir sind stolz auf den Erfolg unseres Nachwuchses. Daraus einen Skandal zu basteln und die seinerzeit gegen die Berliner Polizeischule verbreiteten, schon damals unwahren Verdächtigungen nun auf die Bamberger Bundespolizei münzen zu wollen, ist ehrenrührig und inakzeptabel. Prüfungspartylärm macht aus einem Polizeischüler keinen Ganoven!

Gemeinschaftsunterkunft

Die Berufsanfänger bei der Bundespolizei sind zum Wohnen in einer Gemeinschaftsunterkunft, also der Kaserne, verpflichtet. Sie sind aber keine Soldaten, sondern sie leben dort auch privat. Und eine Polizeischule ist kein Klosterseminar!

Rücksichtnahme und Verständnis darf jeder für sich einfordern. Vielleicht wäre die nächste Abschlussparty auch mit einer vorherigen Ankündigung, einem nachbarschaftlichen Bier und einer freundlichen Gegenfrage, was es zu feiern gibt, zu entkrampfen. Wir sind als Gewerkschaft auch die Interessenvertreter der jungen Leute und werben für eine stärkere Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse junger Menschen.

Wir haben kein Verständnis dafür, dass es für die Freizeitgestaltung auf einem großen umzäunten Fleck nur eines gibt: ein großes Nichts.

Kein Freizeitangebot

Während die Amerikaner noch Burger King, Supermarkt und Golfplatz auf dem Gelände hatten, haben die Polizeischüler keine Kantine, kaum Sozialräume, keinen Ort, wo man ein Instrument spielen könnte. Kein Freizeitangebot. Auch Fitnessräume oder Sportgeräte gibt es nicht. Selbst die von den Amerikanern hinterlassenen großen Barbecue-Inseln dürfen nicht zum Grillen genutzt werden, weil der Bund sie bei sich selbst nicht mit angemietet hat. Geld für Betreuungsmittel wurde erst gar nicht im Bundeshaushalt eingestellt, obwohl man sich als attraktiver Arbeitgeber, der den Wohnplatz anweist, auch um adäquate und nachbarschaftsschonende Freizeitmöglichkeiten kümmern muss. Wer sich von einer Party nach Prüfungsabschluss gestört fühlt, muss wissen, worin die Ursache für diesen Lärm liegt.

Es ist ein Lärm um ein "Nichts" - um nicht vorhandene Freizeitmöglichkeiten auf dem riesigen Areal, das doch Platz genug böte für nachbarschaftsverträgliche Lösungen.

Ändert sich daran nichts, kann sich auch nichts für die Anwohner ändern. Kritik am Verhalten zu üben ist einfach. Die Auslöser dafür stehen nicht am Zaun in Bamberg. Wer Wohlverhalten von Probebeamten einfordert, sollte ihnen indes auch mit Toleranz begegnen und mit uns gemeinsam für Abhilfe sorgen. Jörg Radek ist Vorsitzender des Bezirks Bundespolizei der Gewerkschaft der Polizei.

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