Dörfles

Kapelle "wanderte" zu den Biegenwiesen

Wegen des starken Verkehrs konnte das "Kapella" nicht an seinem Standort an der Staatsstraße 2200 zwischen Kronach und Dörfles bleiben.
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Stein für Stein musste das "Kapella" abgetragen werden, während unmittelbar daneben der Verkehr vorbeirollte. Fotos: Roland Graf
Stein für Stein musste das "Kapella" abgetragen werden, während unmittelbar daneben der Verkehr vorbeirollte. Fotos: Roland Graf
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Das "Kapella", ein kleiner Sandsteinquaderbau mit einem sehr ansprechenden Kruzifix im Innenraum, befand sich bis zu seiner Versetzung im Jahr 1982 sehr dicht an der Staatsstraße 2200 zwischen Kronach und Dörfles. Das Flurstück, auf dem es stand, war wegen seiner beilähnlichen Form als "Beilacker" (Flurnummer 123) des Peter Diller von Dörfles bekannt.

In den Türstein der Kapelle eingemeißelt ist die Jahreszahl 1777, was bislang zu der Annahme führte, dass es das Erbauungsjahr der Kapelle ist. Ein Eintrag im "Operat des Messungsbezirkes Kronach" von 1884 lautet jedoch: "Neubau einer Kapelle" auf Plannummer 123/2". Der kleine Bau hatte somit zu dieser Zeit eine eigene Plannummer erhalten. Da auf dem Urkatasterblatt von 1854 südlich von Dörfles keine Kapelle eingezeichnet ist, dürfte der Kapellenbau in dieser Form erst 1884 erfolgt sein. Deshalb ist anzunehmen, dass der Türstein mit der Jahreszahl 1777 von einem abgebrochenen Haus in Dörfles stammt und hier wieder Verwendung fand.

Ein gefährlicher Platz

Das starke Verkehrsaufkommen und der rasende Verkehr machten es mit der Zeit schier unmöglich, hier ungefährdet und in Ruhe verweilen zu können. Mehrmals schon waren Autos mit großer Wucht gegen den Bau gefahren und hatten die Sandsteinquader verschoben. Es war deshalb eine glückliche Fügung, dass es im Jahr 1982 zum Ausbau der Staatsstraße kam. Die Kapelle musste abgebaut werden und einen neuen Standort erhalten.

Die Bürgerschaft war sich einig, dass der Kapellenbau ihrer Vorfahren erhalten werden muss. Jedoch sollte der neue Standort fernab vom pulsierenden Verkehr liegen, um den Vorübergehenden einen Ort des Verweilens zu bieten. Erst nachdem Bürgermeister Georg Schmidt und Kreisheimatpfleger Roland Graf das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege davon überzeugt hatten, dass der neue Standort der Wunsch der Bevölkerung ist, konnte die Maßnahme in Angriff genommen werden.

Originalgetreu wieder aufgebaut

Kurzentschlossen fanden sich am 25. September 1982 etliche Dörfleser Bürger zusammen, um das kleine Bauwerk Stein für Stein abzutragen und für den Wiederaufbau zu lagern. Als neuen Standort hatte man den Fußweg in den Biegenwiesen bestimmt, um die Kapelle wieder originalgetreu am Fuße des Kreuzbergs aufzubauen. Mit dem Aufbau 1983 beauftragte man die Baufirma Heinrich Geiger, Friesen, die unter der tatkräftigen Mithilfe von Georg Meusel ("Meusels-Schorsch") und Christoph Schmidt ("Schmieda-Christoph") das Bauwerk vollendete.

Am 27. Mai 1984 zog eine lange Prozession von Dörfles aus zur Kapelle. Die Feuerwehr salutierte vor Ort mit einem Ehrenzug, während die Musikkapelle "Flotte Franken" die musikalische Umrahmung der Feierlichkeiten übernommen hatte. Stadtpfarrer Theo Herold ließ es sich nicht nehmen, den kleinen Sakralbau selbst zu segnen. Für die müden Wanderer stiftete die Schneidermeisterin Adelheid Wagner zwei Ruhebänke, die in den Sommermonaten häufig besetzt sind. Die Kapellenpflege hat der Heimatverein Dörfles übernommen. Besonders waren es Betty Welscher und Hans Richter, die sich bis zum Tode von Betty Welscher liebevoll der Pflege annahmen. Dankenswerterweise haben sich Hilde und Harald Wagner seit dieser Zeit dazu bereiterklärt, die Pflege der Kapelle bis heute fortzuführen.

Ort der inneren Einkehr

Wer heute den Wiesenweg am Fuße des Kreuzberges zwischen Dörfles und Kronach nutzt, verweilt gerne an diesem idyllischen Ort und schaut in das Innere der Kapelle. So fand die kleine Kapelle wieder jene Nutzung und Verwendung, zu der man sie einstmals gestiftet hatte: einen Ort zu schaffen, an dem man über sich, über Gott und die Welt nachdenken kann.

Mancher Wanderer rastet hier, um im Schatten des sakralen Denkmals in Ruhe und Abgeschiedenheit vom Verkehr die Landschaft zu genießen und innere Einkehr zu halten. Und es ist zu einem schönen Brauch geworden, dass sich alljährlich die Bürger von Dörfles im Mai an der Kapelle versammeln, um gemeinsam Maiandacht zu feiern und Gemeinschaft zu pflegen.

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