Herzogenaurach

Kampf um jeden Arbeitsplatz

Die 31-jährige Hanna Köhler ist die neue Betriebsratsvorsitzende bei Schaeffler in Herzogenaurach.
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Hanna Köhler (Mitte) geht für ihre Kollegen bei Schaeffler auch auf die Straße.  Foto: privat (Archiv)
Hanna Köhler (Mitte) geht für ihre Kollegen bei Schaeffler auch auf die Straße. Foto: privat (Archiv)

Andreas Dorsch Mit einer Ausbildung zur technischen Zeichnerin begann Hanna Köhler im Herbst 2004 ihre Berufslaufbahn bei Schaeffler in Herzogenaurach. Heute ist Köhler 31 Jahre alt und seit drei Wochen Betriebsratsvorsitzende am Schaeffler-Stammsitz in Herzogenaurach.

Engagement sei der Schlüsselbegriff für ihr Tun, verrät sie dem FT. Ihr Vater habe schon früh bei ihr das Interesse an der Politik geweckt und sie ermuntert, den Mund aufzumachen, wenn ihr etwas nicht gefällt. Diesen Rat hat sie befolgt, wurde Klassensprecherin und nach ihrem Eintritt bei Schaeffler auch relativ schnell Jugend- und Auszubildendenvertreterin.

2014 wurde sie in den Betriebsrat gewählt, 2017 rückte sie als freigestelltes Betriebsratsmitglied nach. Als jetzt ihr Vorgänger Erwin Taber aus persönlichen Gründen sein Amt abgab, wählte sie der 37-köpfige Betriebsrat zur neuen Vorsitzenden. Köhler vertritt mit ihren Kollegen die Interessen der knapp 11 000 Mitarbeiter am Schaeffler-Standort Herzogenaurach.

Dem FT stellte sich die 31-jährige Betriebsratsvorsitzende zum Interview.

Fränkischer Tag: Was hat Sie dazu bewogen, im Betriebsrat aktiv zu werden?

Hanna Köhler: Schon in der Schulzeit war ich als Klassensprecherin aktiv und so bot sich während meiner Ausbildung das Amt der Jugendvertreterin bei Schaeffler für mich an. Fast 10 Jahre vertrat ich die Interessen der Auszubildenden und Studenten am Schaeffler-Standort in Herzogenaurach, bis ich dann 2014 als Betriebsrätin auf der Liste der IG Metall kandidierte.

Ich habe früh erkannt, wie wichtig es ist, eine starke Inte-ressensvertretung im Unternehmen zu haben. Für mich ist es ein Traumberuf, da man tiefe Einblicke in das Unternehmen bekommt und sehr viele unterschiedliche Aufgaben bewältigen muss. Es liegt in meiner Natur, mich für Menschen einzusetzen. Deshalb habe ich mich zur Betriebsrätin aufstellen lassen.

Was sind die Hauptaufgaben der Betriebsratsvorsitzenden von Schaeffler? Was sind im Moment die brennendsten Themen am Standort Herzogenaurach?

Meine Aufgabe als Betriebsratsvorsitzende ist, das 37-köpfige Gremium am Standort zu leiten. Ich gebe die Informationen vom Arbeitgeber, zusammen mit meinen Stellvertretern Grigore Beutura und Andrea Grimm, an das Betriebsratsgremium weiter und vermittle auch ein Stück weit zwischen den Parteien. Natürlich gehören auch Verhandlungen von Betriebsvereinbarungen zu den unterschiedlichsten Themen zu unseren täglichen Aufgaben. Im Vordergrund stehen aber immer unsere Kolleginnen und Kollegen, denen wir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Das brennendste Thema ist natürlich gerade die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung und die Auswirkungen auf unser Unternehmen und die Belegschaft.

Sie sind mit 31 Jahren noch relativ jung. Sehen Sie da Probleme, sich durchzusetzen?

Nein. Einen Unterschied bezüglich des Durchsetzungsvermögens zu einigen meiner deutlich älteren Betriebsratskollegen sehen ich persönlich nicht.

Wie ist bei Schaeffler das Verhältnis der Betriebsräte zu den Arbeitgeber-Vertretern? Werden Ton und Umgang mit Blick auf die Herausforderungen, vor denen Schaeffler derzeit steht, rauer?

Wir arbeiten täglich mit dem Arbeitgeber zu unterschiedlichen Themen zusammen. Es ist natürlich, dass es hier auch mal intensivere Diskussionen gibt. Im Hinblick auf die anstehenden Herausforderungen muss die Marschrichtung für beide Seiten aber klar sein: die Vermeidung von betriebsbedingten Kündigungen.

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