Coburg

Kabinen-Geheimnisse: "Maulwurf" packt aus

Handballer sind oft auch Witzbolde - beim Zweitligisten HSC Coburg verrät ein Spieler Interna aus der "Unterwelt der HUK-Arena". Dort spielen sich nämlich seltsame Dinge ab. Erst landet ein Apfel nach einer Fön-Attacke in der "Mehl-Wolke", dann flippen während des Sommer-Hits "Copacabana" alle aus, ehe beim Sieger-Selfie plötzlich die Latten brechen, weil der Druck zu groß ist...
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Youngster Jakob Knauer (links) und Max Jaeger waschen fleißig "schmutzige Wäsche" beim HSC. Physiotherapeutin Laura Kramp (im Hintergrund), Marcel Timm und Patrick Weber (r.) kümmern sich um ihre eigenen Sachen. Fotos: Hagen Lehmann
Youngster Jakob Knauer (links) und Max Jaeger waschen fleißig "schmutzige Wäsche" beim HSC. Physiotherapeutin Laura Kramp (im Hintergrund), Marcel Timm und Patrick Weber (r.) kümmern sich um ihre eigenen Sachen. Fotos: Hagen Lehmann
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Christoph Böger Was in der Kabine passiert, ist für die Öffentlichkeit tabu. Sportler vereinbaren Stillschweigen. Doch jetzt bricht einer das Schweigen. Zumindest bei den Coburger Zweitliga-Handballern. Wir haben nämlich einen "Maulwurf" ausfindig gemacht!

Und der liefert interessante Interna aus den Katakomben der HUK-Arena: Einer, der die meisten "Kriege" anzettelt, ist ausgerechnet ein Youngster. Jakob Knauer, aufstrebender Rückraum-Kanonier und U23-Nationalspieler. Der Spaßvogel schürt gerne Zwist: "Der war's! Der hat's getan", weiß unser Geschichtenerzähler.

Schuhe im Mülleimer verstecken oder Schnürsenkel verknoten gehört in der schmucken HSC-Kabine fast schon zum Trainingsalltag. Doch die "Mehl-Wolke-Attacke" war etwas ganz Besonderes, wie unser Informant verrät: "Es war der Fön von Felix, und Jakob hatte jede Menge Mehl dabei." Wie einst Max und Moritz freuten sich die beiden Witzbolde diebisch, als sich Jung-Torwart Fabian Apfel mit dem gut gefüllten Fön die Haare trocknen wollte: "Mehl-Alarm" in der HSC-Kabine. Großes Gelächter - gelb-schwarze Schadenfreude!

Und plötzlich brechen die Latten

Üblich ist bei den Handballern aus der Vestestadt nach jedem erfolgreichen Spiel das Kabinen-Sieger-Selfie. Da rutschen alle eng zusammen und auf der schmalen Holzbank wird freudig gepostet. Doch letztens ging das "Casting" in die Hosen: "Die Latten brachen. Die Jungs waren zu schwer. Der Druck zu groß."

Noch ehe der strenge Hausmeister Wind von der Sache bekam, "haben wir das Ding selbst in die Hand genommen und unsere Kabinenbank wieder repariert", verrät der handwerklich geschickte "Maulwurf".

Wasch- und Bällewart, Musikwart

Bei den Vestestädtern - als Tabellenzweiter immerhin einer der ganz heißen Kandidaten auf den Erstliga-Aufstieg - sind die Rollen klar verteilt: Es gibt einen Wäschewart, einen Bällewart, einen Musikwart. Knauer und Max Jaeger sind für die Trikots zuständig. Jeder Spieler hat drei Shirts mit seiner Nummer. Da gibt es viel zu tragen. Drei schwere Taschen hin, drei noch schwerere Taschen retour. Alles muss in die Wäscherei. Ohne Schweiß kein Preis!

Jaegers "Drecks-Job"

20 Bälle müssen mindestens einmal pro Woche von Harz befreit werden. Jaeger, sonst für die Tore von Linksaußen zuständig, ist dafür der Experte. Mit Hilfe einer kleinen Harzkugel streift er den Dreck von den Bällen ab. Er ist dabei sehr schnell. Kein Wunder, den "Drecks-Job" hatte er schon bei seinem Ex-Verein. Seine Kollegen brauchen deutlich länger.

Copacabana in der Kabine

Heikel ist dagegen der Job des pfeilschnellen Linksaußens Felix Sproß. Er sorgt für die Musik in der Kabine. Legt er deutschen Rap auf, maulen die älteren Spieler. Jedem kann er es eh nicht recht machen. Im Sommer war das noch anders: Wenn "Copacabana" von Leon Machere ertönte, flippten Spieler und Betreuer gleichermaßen in der HSC-Kabine aus. Das war der Hit in der schweißtreibenden Vorbereitung - bis keiner den Song mehr hören konnte. Außer Flo Billek. Copacabana ist schließlich der Lieblingssong des "Chefs".

Billek ist der Chef

Billek, der schon in der deutschen Nationalmannschaft spielte, hat bei den Coburgern viel zu sagen, sein Wort hat Gewicht. Erst recht im Mannschaftskreis, wenn es in der Kabine unter den laut tönenden Klängen zu ACDCs "Thunderstruck" den letzten Motivationskick gibt.

Das ist nicht das einzige HSC-Ritual: Einmal im Monat feiern Varvne, Weber & Co. eine Kabinenparty. Finanziert durch Strafen und Verfehlungen. Wer in der Umkleide etwas liegen lässt, muss pro Teil zwei Euro zahlen. Für ein Paar Adiletten kassiert der strenge Kassenwart Billek stolze vier Euro ein. Es sei denn, es passiert an Spieltagen. Dann verdoppelt sich die Strafe automatisch.

Timm ist "Mister Tollpatsch"

Einer zahlt besonders viel in die Kasse: Marcel Timm. Der kräftige Kreisläufer ist Mister "Tollpatsch" schlechthin. Er vergisst regelmäßig irgendetwas und avanciert deshalb jeden Monat zum Spitzenreiter unter den "Zahlemännern" - mit eindeutigem Vorsprung.

Es gibt noch eine prima Einnahmequelle: Zum Aufwärmen spielen die Handballer immer Fußball, Jung gegen Alt. Auch da ist Billek knallhart. Jede strittige Entscheidung wird zugunsten der Alten ausgelegt. Bei Fouls bekommen die "alten Hasen" Recht - das sei ein ungeschriebenes Gesetz beim HSC. Wenn sich einer ungerecht behandelt fühlt, könne er ja einen Antrag beim Mannschaftsrat stellen. Doch weil ein solcher zehn Euro kostet - egal ob von Erfolg gekrönt oder nicht - stellt erst gar kein Spieler einen.

Knallt ein Handballer beim Kicken den Ball an die Hallendecke oder bleibt die Kugel auf der Tribüne liegen, muss er auch in die Tasche greifen. Die beiden Kühlschränke im Nebenraum sind also immer prall gefüllt.

Kabinenpartys schweißen zusammen

"Unsere feuchtfröhlichen Kabinenpartys schweißen natürlich zusammen", weiß der "Maulwurf", der sich übrigens vollkommen sicher ist, dass ihm keiner seiner Kameraden böse sein wird, wenn doch herauskommen sollte, wer all diese Geheimnisse aus der Unterwelt der HUK-Arena verraten hat. "Schließlich sitzt uns Handballern doch allen ein wenig der Schalk im Nacken."

Kapuzenpulli statt Lammfell-Jacke

Recht hat der "Maulwurf", denn bei seinem HSC gibt's statt großem Luxus jede Menge Spaß. Lieber "Rot, Weiß, Leber" statt Blattgold-Steaks. Lieber gelb-schwarzer Kapuzenpulli statt weißer Lammfell-Jacke...

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