LKR Haßberge

K(l)eine gelbe Tonne als Lösung?

Möglicherweise soll noch in diesem Jahr die Entscheidung fallen, wie künftig die Abfallbeseitigung im Landkreis Haßberge aussehen soll. Angedacht ist auch eine "individuelle" gelbe Tonne für Bürger - sofern sie eine wünschen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gelbe Tonne als zusätzliche Option im Kreis Haßberge oder lieber komplett umstellen von Bring- auf Holsystem bei Leichtverpackungen? Diese Fragen versucht der Landkreis Haßberge derzeit für sich zu beantworten. Foto: Andreas Lösch/Archiv
Gelbe Tonne als zusätzliche Option im Kreis Haßberge oder lieber komplett umstellen von Bring- auf Holsystem bei Leichtverpackungen? Diese Fragen versucht der Landkreis Haßberge derzeit für sich zu beantworten. Foto: Andreas Lösch/Archiv
und Andreas Lösch

Gelbe Tonne ja oder nein? Auf diese Frage sucht die Kreispolitik eine Antwort. Gefunden hat sie bereits die Bürgerinitiative "Gelbe Tonne für den Landkreis Haßberge", deren Unterstützer in Kürze mit der Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren beginnen wollen.
Zunächst aber zurück zur Kreispolitik: In einer mehrstündigen Sitzung und Diskussion befasste sich der Umweltausschuss des Kreistages am Dienstagnachmittag mit einem neutralen Gutachten, informierte sich aber auch über eine andernorts gelungene Kombination von Hol- und Bringsystem: Dieses Konzept hat der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises Böblingen umgesetzt.
Unter den Mitgliedern des Umweltausschusses des Kreistags Haßberge zeichnete sich während der Diskussion ab, dass die Mehrheit das "gut funktionierende System" der Wertstoffhöfe in den Gemeinden beibehalten möchte. Ob es alternativ dazu aber ein Holsystem oder gar eine "Kombi-Lösung" für die Leichtverpackungen geben wird, darüber werden Umweltausschuss und Kreistag im Herbst noch einmal ausgiebig beraten müssen.
Denkbar wäre eine komplette Umstellung auf die Gelbe Tonne insbesondere dann, wenn die Bürgerinitiative (BI) erfolgreich Unterschriften sammelt: Um über ein Bürgerbegehren einen Bürgerentscheid herbeizuführen, benötigen die Gelbe-Tonne-Befürworter rund 4150 Unterschriften der Wahlberechtigten im Landkreis Haßberge. Sollte dies gelingen, könnten die Kreisräte auch direkt entscheiden, dass das bestehende Bringsystem für Leichtverpackungen (LVP) durch ein Holsystem ersetzt wird, ohne den Bürgerentscheid abzuwarten.


Kommt die Bürgerinitiative voran?

Wie Alexander Ambros, Kreisrat (Junge Liste) und zudem Mitinitiator der BI, dem Fränkischen Tag sagte, würden die Unterschriftenlisten bald auf der BI-Homepage www.bi-pro-gelbe-tonne-hassberge.de zur Verfügung stehen. "Ich denke, dass es in den nächsten Tagen soweit ist", erklärte der Knetzgauer. Die Listen seien bereits erstellt, die BI habe sie "vom Landratsamt juristisch prüfen lassen". Derzeit werden sie laut Ambros noch einmal inhaltlich geprüft, um sicher zu gehen, dass im Falle einer erfolgreichen Unterschriftensammlung der Zulässigkeit eines Bürgerbegehrens nichts im Wege steht.
Denn für die BI gilt es, keine Zeit zu verlieren: die Entscheidung soll bis Ende dieses Jahres erfolgen, da im kommenden Jahr durch den Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises Haßberge die Aufträge für die Entsorgung der LVP über das Duale System neu vergeben werden müssen.
Das Duale System Deutschland nutzt die Wertstoffhöfe des Landkreises mit und zahlt dafür dem Landkreis und seinen Kommunen eine Gebühr in Höhe von rund 330 000 Euro. Die entsprechenden Verträge laufen immer für drei Jahre, somit wäre nach der Auftragsvergabe für den Zeitraum 2020 bis 2022 erst wieder eine Systemumstellung im Jahr 2023 möglich.
Eine wichtige Rolle für die Beurteilung der Situation spielt auf der politischen Ebene auch das Ergebnis eines Gutachtens, das der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Haßberge (Awhas) in Auftrag gegeben hat und dessen Ergebnisse nun dem Umweltausschuss präsentiert wurden. Landrat Wilhelm Schneider (CSU) ging am Dienstag zunächst auf die Bedeutung von Gutachten ein: "Wenn man Gutachten in der Presse schon von vorneherein als nicht glaubwürdig herausstellt, wo kommen wir denn dann hin? Wir bemühen uns um Objektivität und wenn man im Vorfeld schon kritisiert, ist das eigentlich schade." Diese Aussage zielte in Richtung "Junge Liste".
Der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes Wilfried Neubauer meinte, dass es darum gehe, wie künftig die Leichtverpackungen (LVP) abgerechnet werden sollen, ob die Wertstoffhöfe und das System, das es seit 1992 gebe, bleiben sollen, oder ob ein Holsystem eingeführt wird. Wunsch der Jungen Liste (JL) sei es gewesen, das jetzige System mit einem neutralen Gutachten zu bewerten. Dies sei durch das bifa-Umweltinstitut nun geschehen. Dessen Mitarbeiter Sarah Tschachtli, Thorsten Pitschke und Markus Hertel präsentierten dem Umweltausschuss die Ergebnisse.


Böblingen mit ähnlichem System

Außerdem wurde von Wolfgang Hörmann vom Abfallwirtschaftsbetrieb Böblingen das Abfallwirtschaftskonzept des Landkreises Böblingen vorgestellt, der ein ähnliches System wie der Landkreis Haßberge hat. Der Kreis Böblingen hat 26 Gemeinden (wie der Kreis Haßberge), allerdings mit 386 000 Einwohnern (Kreis Haßberge: rund 84 000 Einwohner). Wie Wilfried Neubauer betonte, zeige es, dass selbst in einem so großen Landkreis ein Wertstoffhofsystem möglich ist und von den Bürgern gelebt werde.


Kombisystem?

Der Böblinger Wolfgang Hörmann stellte dann die seiner Meinung nach "gelungene Kombination von Hol- und Bringsystem" in seinem Landkreis vor. Man sei seit 26 Jahren von diesem System überzeugt und es gebe auch keine Bestrebungen, dieses in Frage zu stellen. Die Philosophie des Landkreises Böblingen sei es, alles in Eigenregie zu betreiben, und die Gebührenstabilität sei immer der Punkt gewesen. In Zusammenhang mit dem Verpackungsgesetz habe man eine Analyse auch wegen der Wertstofftonne in Auftrag gegeben. Im Vergleich habe es keinen Grund dafür gegeben, das Wertstoffhofsystem mit 32 Wertstoffhöfen aufzugeben.
Beim ökologischen Aspekt sehe man natürlich nach einer Umstellung auf Holsystem einen leichten Rückgang bei den CO2 -Emissionen (die Bürger müssen nicht mehr so häufig zum Wertstoffhof fahren). Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass im Gegenzug die nahezu sortenreine Erfassung der verschiedenen Wertstoffe in den Wertstoffhöfen auf der Strecke bleibe.
Man habe sich in Böblingen trotzdem für eine "Wertstofftonne" ausgesprochen, für die sich die Bürger individuell entscheiden können und die zusätzlich 3,50 Euro pro Monat koste, bei einer Leerung im Rhythmus von vier Wochen. Allerdings hätten sich nicht einmal acht Prozent der Haushalte dafür entschieden.
Umweltingenieurin Sarah Tschachtli vom bifa-Umweltinstitut befand das derzeitige Bringsystem im Landkreis Haßberge als sehr gut und mit dem jährlichen Restmüllaufkommen von knapp 75 Kilogramm je Einwohner liege man deutlich am unteren Ende. Dies liege auch an der "ausgeprägten Trennmentalität der Bürger". Positiv sei auch die Reinheit, mit welcher die Stoffe anfallen beziehungsweise am Wertstoffhof erfasst würden. Über die Kontrolle durch Wertstoffhof-Personal würden auch Fehlwürfe weitestgehend unterbunden.
Bürgern mit eingeschränkter Mobilität sei allerdings die Partizipation am Bringsystem erschwert und sie brachte den Aspekt der "Benutzerfreundlichkeit" beim Holsystem zur Sprache. Ebenso werde hier die LVP-Wertstoffmenge gesteigert. Man gehe hier von einer Mehrung um fast sieben Kilogramm von 15 Kilogramm je Einwohner auf eine Sammelmenge von 21,7 Kilogramm aus.


Ökologischer Aspekt

Den viel diskutierten ökologischen Aspekt betrachtet Thorsten Pitschke als sehr überschaubar, denn eine Entlastung von 448 Tonnen CO2 entspreche dem jährlichen Pro-Kopf- CO2 -Ausstoß von etwa 49 Personen. Dies nahmen auch die Ausschussmitglieder mit Verwunderung auf. Landrat Wilhelm Schneider ergänzte: "Ich hatte gedacht, das wäre ein sehr viel höherer Wert".


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren