Weilersbach

Junge Frau erfrischt die Politik

Mit 18 gehörte Kerstin Nestrojil zu jenen Kräften, die die Junge Union "wiederbelebt" haben. Als Gemeinde- und Kreisrätin ist will sie junge Leute für die Politik begeistern. Dabei geht sie mit gutem Beispiel voran.
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Kerstin Glaser, geborene Nestrojil, tankt bei langen Spaziergängen mit ihrem Hund Sally Kraft. Besonders zeichnet sie ihr soziales Engagement aus. Foto: Michèle Trost
Kerstin Glaser, geborene Nestrojil, tankt bei langen Spaziergängen mit ihrem Hund Sally Kraft. Besonders zeichnet sie ihr soziales Engagement aus. Foto: Michèle Trost

Josef Hofb auer Kerstin Glaser (31), die viele besser unter ihrem Mädchennamen Kerstin Nestrojil kennen, vertritt die Interessen der Bürger im Gemeinderat Kirchehrenbach und im Forchheimer Kreistag, wo sie sich im Ausschuss für Soziales, Kultur und Bildung, sowie im Jugendhilfeausschuss engagiert. Die Volljuristin ist als Sachbearbeiterin in der Zentralen Ausländerbehörde bei der Regierung von Oberfranken angestellt.

Erfolg als Teenager

Zur Politik kam Kerstin, die am Fuße des Walberla ihre Kindheit erlebt hat, als die CSU in Kirchehrenbach die Jugendgruppe wiederbelebte. "Da die Treffen mein Interesse geweckt hatten, besuchte ich auch die weiteren Veranstaltungen", erinnert sich die junge Kommunalpolitikerin. Wie sich das politische Engagement weiter entwickelt hat, kann sie chronologisch gar nicht mehr so genau aufzählen. "Aber an meinen ersten politischen Erfolg kann ich mich sehr gut erinnern", erzählt die Juristin.

Der damals 18-Jährigen ist es zu verdanken, dass in Kirchehrenbach eine Beratungsstelle der Caritas eingerichtet wurde. Es ging um Hilfen für pflegende Angehörige von Langzeit-Patienten. In der eigenen Familie hatte Kerstin Glaser (damals Nestrojil) erfahren, wie schwierig die Pflege der an Demenz erkrankten Oma geworden war. Da wurde der jungen Gemeinderätin, die seit 2014 im Gemeinderat ist, klar, dass viele Menschen in dieser Situation waren. "Da musste ich handeln", findet Kerstin Glaser.

Nicht nur wählen gehen, sondern selbst Themen einbringen, Schwerpunkte setzen, etwas gestalten zu können, fasziniert die junge Frau, die 2012 in die CSU eingetreten ist. Dafür ist sie bereit, einen großen Teil ihrer Freizeit zu opfern. Deswegen versucht sie, andere junge Leute anzusprechen und für die Kommunalpolitik zu interessieren.

Es müssen nicht immer große Themen sein. Ideen, die schnell umsetzbar seien, wirkten oft nachhaltiger. Als Beispiel nennt sie die Nikolaus-Aktion, die von der Kirchehrenbacher JU ins Leben gerufen wurde. Die sozial engagierten Jungen Leute schlüpften in die Kostüme des Nikolaus und des Krampus und beschenkten am 6. Dezember die Kinder. Nach Rücksprache mit den Eltern, versteht sich.

Gegen soziale Kälte

"Ich habe ein soziales Gen", räumt Kerstin Glaser ein. Deshalb auch ihr Engagement in diesem Bereich. Die Unterstützung berufstätiger Mütter oder Erziehungshilfen für junge Familien sind ihr ebenso ein Anliegen wie das Thema Inklusion. Es gelte, der um sich greifenden sozialen Kälte entgegenzutreten, findet Kerstin Glaser.

Führerschein abgeben?

Ein Anliegen, das die logisch, analytisch und strukturiert veranlagte Juristin schon lange umtreibt, zielt auf ältere Mitbürger ab. "Bei der Lektüre der Zeitung habe ich festgestellt, dass immer mehr Menschen in höherem Alter Autounfälle verursachen", schildert die junge Kommunalpolitikerin.

Würden der Landkreis oder die Stadt Forchheim Senioren ein vergünstigtes oder sogar kostenfreies Bus- oder Bahn-Ticket anbieten, seien diese Personen leichter dazu zu bewegen, freiwillig ihren Führerschein abzugeben. Und der öffentliche Personennahverkehr muss sowieso aufgebaut werden, ist Kerstin Glaser überzeugt. Sie findet: "Andere Landkreise sind uns da ein paar Schritte voraus."

Auf Gemeindeebene, wo gerade unter jüngeren Mandatsträgern die Parteizugehörigkeit so gut wie keine Rolle spiele, gelte es, das ehrenamtliche Engagement in den Vereinen zu unterstützen. In Weilersbach befürwortet Kerstin Glaser den Bau der Vereinsheime für den Schützen- und den Musikverein. Allerdings dürften die anderen Vereine deshalb nicht zu kurz kommen. Im Sinne von Synergie-Effekten gelte es zu überlegen, ob nicht ein Gebäude von mehreren Vereinen genutzt werden könnte.

Schwerpunkt soziale Medien

Die junge natur- und heimatverbundene Kommunalpolitikerin, die besonders die Spaziergänge mit ihrem Hund Sally genießt, liebäugelt mit dem Gedanken, im Wahlkampf diesmal ganz auf Einzel-Flugblätter und Werbegeschenke zu verzichten. Nur auf Gemeinschaftsplakaten strahlt sie ihre Wähler an. Zum einen seien jüngere Wähler viel mehr in den sozialen Medien unterwegs, zum anderen würden Ressourcen geschont.

"Ich bin auf Facebook und Instagram ganz gut unterwegs", gesteht die gebürtige Kirchehrenbacherin, die regelmäßig Kurznachrichten von den besuchten Veranstaltungen veröffentlicht. Selbst zu Kreistagssitzungen oder Themen, die in Kreisausschüssen behandelt werden, nimmt die 31-Jährige in Kurzform Stellung. Wohl überlegt.

"Bevor ich mir eine Meinung bilde und die öffentlich kund tue, betrachte ich den Sachverhalt von verschiedenen Seiten", bekennt Kerstin, die nach eigenem Bekunden "kein Freund von Schnellschüssen" ist.

"Erst denken, dann reden", verdeutlicht die junge Frau, die sich zu "kreativen Lösungen" bekennt. "Ich muss mir etwas einfallen lassen", unterstreicht Kerstin Glaser.

Das gelte sowohl für den Beruf, als auch für ihr ehrenamtliches Engagement in der Kommunalpolitik. Zu Hause stellt sie ihre kreativen Fähigkeiten mit Vorliebe beim Backen unter Beweis.

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