Scheßlitz

Jugend beeindruckt

Die Jugendlichen in Scheßlitz machen sich konkrete Gedanken zur zukünftigen Entwicklung ihrer Stadt und überzeugen die Räte.
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Da soll noch einer behaupten, "die Jugend von heute daddelt nur auf ihrem Smartphone rum". Die Jugendlichen in Scheßlitz jedenfalls nicht. Unter dem Motto "Jugend denkt Schäätz", im Rahmen des Integrierten Städteentwicklungskonzepts (Isek), waren die jungen Mitbürger dazu eingeladen, sich aus ihrer Sicht Gedanken zur Stadtentwicklung zu machen. Und davon machten sie regen Gebrauch.

Unter Federführung der beiden beteiligten Planungsbüros fanden sich bereits Ende April rund 30 Kinder und Jugendliche zu dem Thema zusammen. Zwei Pinnwände wurden mit Vorschlägen und Wünschen gefüllt. Aus den vielen Vorschlägen wählten dann die Jugendlichen im Abstimmungsverfahren die beiden aus ihrer Sicht vordringlichsten Projekte, die sie jetzt selbst im Stadtrat präsentierten.

Im Gegensatz zu den sonst üblichen Sitzungen, in denen die Zuschauerreihen spärlich besetzt sind, waren diesmal fast alle Plätze belegt. Und das nicht von Erwachsenen, sondern es waren fast ausnahmslos junge Gesichter zu sehen, die die Reihen füllten. Von wegen Politikverdrossenheit der Jugend. Da staunte so mancher Stadtrat nicht schlecht.

Die Jugendlichen hatten eigens eine Präsentation vorbereitet, die von Leonie Moncken, Jule Gläser und Johannes Kraus vorgetragen wurde. Wie die Referenten aufzeigten, fehlt den jungen Bewohnern von Scheßlitz am meisten eine Begegnungsstätte. Ein Jugendplatz und ein Jugendraum, in dem sie sich treffen und ihre Freizeit verbringen können, ohne zu stören.

Aber die Jugendlichen ließen es nicht einfach damit bewenden, dem Stadtrat ihre Wünsche zu äußern, sondern sie unterbreiteten gleichfalls Vorschläge, welche Lokalitäten in Scheßlitz sich aus ihrer Sicht für diese Zwecke eignen würden. Dabei nahmen sie auch Rücksicht auf mögliche Sachzwänge der Stadt. Genannt wurden unter anderem der TSV-Ascheplatz und Bolzplatz, die Pfarrwiese, der Bolzplatz Richtung Demmelsdorf und bei den infrage kommenden bestehenden Gebäuden zum beispiel ein Jugendraum im Bahnhof oder in der Real- und Mittelschule.

Auch über die Ausstattung machten sich die jungen Leute Gedanken. Mag so mancher der Räte eingangs noch gedacht haben, "auweia, das wird jetzt teuer", wurde er schnell eines Besseren belehrt. Wie sich zeigte, haben die Jugendlichen auch hier den Bogen nicht überspannt. Alle Wünsche bewegen sich im Rahmen und sind finanzierbar. Es versteht sich heutzutage (fast) von selbst, dass Räumlichkeiten für die Jugend über einen kostenlosen WLAN-Zugang verfügen sollten, einen Computer, Spielekonsolen sowie eine Musikanlage enthalten, Brettspiele und Steckdosen. Dazu eine Kochmöglichkeit, einen Getränkeautomaten, Couch und/oder Sitzecke sowie eine Chill-Ecke. Selbst neu müssen die Möbel nicht sein. Die Scheßlitzer Jugend gibt sich auch schon mit gebrauchtem Mobiliar zufrieden. Bei der Ausstattung des Platzes stellt man sich eine Tischtennisplatte vor, ein Trampolin, einen Basketballkorb, einen geteerten Skaterplatz mit Halfpipe, Rampe, Hindernissen und Sitzgruppen. Auch dafür dürften sich die Ausgaben im Rahmen bewegen.

Lob von allen Seiten

Was die Terminierung dieser Projekte betrifft, wurde dem Stadtrat an diesem Abend seitens der Jugend ebenfalls nicht die Pistole auf die Brust gesetzt. Nachdem die Vorschläge im Rahmen der Isek-Planungen aufgegriffen und umgesetzt werden sollen, die spätestens in einem Jahr vorliegen werden, ist "mit einem klaren Ergebnis in ein bis eineinhalb Jahren zu rechnen", so Erster Bürgermeister Roland Kauper (CSU).

Angesichts der überaus regen Beteiligung der Jugend und der hervorragenden Präsentation ernteten sie von allen Seiten viel Lob. Die Scheßlitzer Stadträte konnten sich an dem Abend selbst davon überzeugen, dass Jugendliche sich keineswegs nur digital und fast ausschließlich in virtuellen Welten bewegen, sondern sich auch in der realen Welt einbringen und mitarbeiten, gibt man ihnen nur die Chance dazu. So war denn auch eine Schlussfolgerung der Räte und des Bürgermeisters aus diesem Abend die, dass die Jugendlichen von "Schäätz" künftig mehr mitreden können und in die Entwicklung ihrer Stadt eingebunden werden sollen. In welcher Form das geschehen wird, ob in einer Art "Jugendparlament" oder einer "Jugendsprechstunde mit dem Bürgermeister", darüber will man sich noch Gedanken machen.



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