Heiligenstadt

Jüdisches Gemeindeleben bleibt in Heiligenstadt unvergessen

von unserem Mitarbeiter Karl-Heinz Frank Heiligenstadt — Im Rathaussaal von Heiligenstadt stellte jetzt der pensionierte Lehrer Harro Preiss zusammen mit Bürgermeister Helmut Kräme...
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Harro Preiss
Harro Preiss
von unserem Mitarbeiter Karl-Heinz Frank

Heiligenstadt — Im Rathaussaal von Heiligenstadt stellte jetzt der pensionierte Lehrer Harro Preiss zusammen mit Bürgermeister Helmut Krämer seine Broschüre "Jüdisches Leben in Heiligenstadt" vor, die sich in einer Auflage von 1000 Exemplaren auf 20 Seiten mit der 300 Jahre währenden Geschichte des Landjudentums in der Marktgemeinde befasst.
Der Verfasser, dessen Vater Lehrer ebenfalls in Heiligenstadt war, konnte sich bei der Aufarbeitung des Themas vor allem auf die Mitarbeit des ortsansässigen Allgemeinmediziners Peter Landendörfer (Jüdisches Leben in der Fränkischen Schweiz), Dieter Zöbelein (Autor der Gemeindechronik von 1995) und von Hans Dorsch stützen. Dorsch verfügt über eine Sammlung alter Hausansichten. Das dürfte für den Betrachter umso wichtiger sein, da im Ort keine ehemaligen Judenhäuser im Originalzustand vorhanden sind.
Beim Durchblättern stößt der Betrachter zunächst auf eine Planskizze des Ortskerns von Heiligenstadt, die die Lage der einstigen Judenhäuser zeigt. Die Heiligenstadter Juden lebten seit Anfang des 17. Jahrhunderts - 1609 wurden die ersten jüdischen Familien namentlich genannt - bis 1902 inmitten der Gemeinde.
Unter anderem wird 1512 das frühere Haus der Braugaststätte "Drei Kronen" (Nr. 1, Aichinger) mit seiner Lage gegenüber des Marktplatzes mit seinem Brunnen am Ufer der Leinleiter genannt als freieigenes Gut des Gabriel von Streitberg. Es gehörte bereits 1617 zur Hälfte dem Juden Hirsch, während das rechts davon liegende ab 1674 dem Juden Salomon gehörte, der es aber bald wieder verkaufte.
Da ist aber auch die Rede von dem Haus Nr. 8, das 1744 von Joseph Schlamm erworben wurde, um darin 1751 im Obergeschoss eine Synagoge einzuweihen; im Keller befand sich eine Mikwe. Das ist ein Bad mit fließendem Wasser, in dem man nackt untertauchte, um nach dem Gebet gereinigt vor Gott zu stehen, wie der Autor Harro Preiss in seiner Broschüre akribisch beschrieb. Aber auch die Synagoge mit ihrer Einrichtung als Gebets- und Gemeindezentrum wird erklärt wie ferner die Laubhütte (Sukka), in die die jüdische Familie während des sieben Tage währenden Fests einzieht.
Heute noch zu besichtigen ist aber der alte, 2280 Quadratmeter große, jüdische Friedhof mit seinen 91 Grabstätten. Er wurde erstmals 1806 urkundlich erwähnt. Das Gräberfeld liegt idyllisch auf den Hügeln über Heiligenstadt. Aufgelöst wurde die jüdische Gemeinde 1902, Jahre vor der Nazizeit, nachdem durch eine schlimme Hungersnot 1847 und die damit einhergehende Auswanderungswelle nach Amerika sowie die 1861 eingeführte freie Ortswahl für Juden begünstigt, die Anzahl der Religionsmündigen unter die Grenze von zehn Männern sank: Damit konnte kein jüdischer Gottesdienst in Heiligenstadt mehr stattfinden.
Infos über die Stellen, an denen die neue Broschüre erhältlich sein wird, sind unter anderem unter www.markt-heiligenstadt.de oder auch www.seminar-r.de erhältlich.

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