Bamberg
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Josef und Maria 2.0

Marion Krüger-Hundrup Gestern erreichte Bamberg ein Brandbrief aus dem Vatikan. Päpstin Franziska beklagte in dem Schreiben an Erzbischöfin Ludwiga den Ungehorsam der Männer im Erzbistum Bamberg. Dies...
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Marion Krüger-Hundrup Gestern erreichte Bamberg ein Brandbrief aus dem Vatikan. Päpstin Franziska beklagte in dem Schreiben an Erzbischöfin Ludwiga den Ungehorsam der Männer im Erzbistum Bamberg. Diese hätten gefälligst weiterhin dienend und aufopfernd zu sein und den Mund zu halten, forderte die weltweite Oberhäuptin der Katholiken. Es sei nicht hinzunehmen, dass die Männer in einen Kirchenstreik eingetreten seien, in dem sie so unerhörte Dinge verlangten wie den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern, eine konsequente Aufklärung der Missbrauchsfälle durch Klerikerinnen und eine Sexualmoral, die an die Lebenswelt von Menschen angepasst ist. "Ich will nicht, dass Männer den heiligen Josef instrumentalisieren, um eigene Interessen durchzusetzen!", wetterte die Päpstin gegen die Initiative "Josef 2.0", die ehrenamtlich in der Kirche engagierte Männer gestartet haben.

Die Säulen des Pfarrlebens

Eine Woche lang wollen die Männer nicht mehr die Kirchen putzen, als Lektoren, Kommunionhelfer, Gruppenleiter, Pfarrgemeinderäte, Erstkommunionvorbereiter und so weiter aktiv sein. Ja, sie wollen sogar ganz den Kirchen fern bleiben und Gottesdienste nur außerhalb feiern. Da Männer ja das Pfarrleben tragen, so gab die Päpstin zu, dürfte es damit bald düster ausschauen.

Erzbischöfin Ludwiga hält sich derzeit bedeckt, reagiert nicht auf "Josef 2.0". Schließlich sagt sie bei jedem Heinrichstag, dem traditionellen Männertag des Erzbistums, dass Männer gefördert werden und mehr in Führungspositionen kommen müssten. Gern führt die Erzbischöfin an, dass es schließlich unter all den Domkapitularinnen und Ordinariats-Hauptabteilungsleiterinnen einen (!) Ordinariatsrat gibt, der gleichberechtigt an den Konferenzen der Bistumsleiterinnen teilnimmt.

Ideelle Unterstützung

Nun, so einen römischen Brief, der die Situation auf den Kopf stellen würde, gibt es natürlich nicht. Aber es gibt tatsächlich einen bundesweiten Kirchenstreik in dieser Woche. Nicht von Männern, sondern von Frauen. Die Initiative "Maria 2.0" hat all die Ziele, die hier "Josef 2.0" zugeschrieben werden. Im Erzbistum Bamberg streiken nur Frauen in Heroldsbach. Aber der Diözesanverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) unterstützt "Maria 2.0" zumindest ideell: "Wir teilen die Anliegen, der Kirchenstreik der Frauen legt den Finger in Wunden - mehr als theologische Statements, Referate und Predigten", sagt Pastoralreferentin Andrea Friedrich als Geistliche Beirätin des Frauenbundes. Über die Methode des Streiks könne man allerdings geteilter Meinung sein.

Ob die Kirchenmänner dieses Zeichen der Frauen auch verstehen? Gar Konsequenzen daraus ziehen?

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