Coburg

Jobbegleiter helfen beim Neustart

Für die Integration Geflüchteter in die Arbeitswelt wurden Kontakte und Netzwerke mit Kammern, Institutionen, Unternehmen, Fachkräften der Agentur für Arbeit und den Jobcentern geknüpft.
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Ahmad Munzir Jeha (links) hat schon Fuß gefasst in der Coburger Berufswelt. Darüber freuen sich (von links) Oliver Carl, Serviceleiter bei der Hommert Auto Zentrum GmbH, Ramona Jande von der VHS Coburg und Stephanie Herrmann vom Jobcenter Coburg Stadt.  Foto: Oliver Heß
Ahmad Munzir Jeha (links) hat schon Fuß gefasst in der Coburger Berufswelt. Darüber freuen sich (von links) Oliver Carl, Serviceleiter bei der Hommert Auto Zentrum GmbH, Ramona Jande von der VHS Coburg und Stephanie Herrmann vom Jobcenter Coburg Stadt. Foto: Oliver Heß
Mit der Ankunft der vielen Flüchtlinge 2015 wurde Deutschland vor eine große Aufgabe gestellt. Im ersten Schritt ging es darum, die Grundversorgung der geflüchteten Menschen zu sichern. Für eine Integration sowohl im alltäglichen Leben als auch im Beruf gibt es, neben dem Erlernen der Sprache, eine Vielfalt an Aufgaben.
Um diese bewältigen zu können, wurde 2016 das Projekt "Jobbegleiter" vom bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration ins Leben gerufen. Dieses wendet sich an Menschen, die älter als 25 Jahre sind und eine Aufenthaltserlaubnis, Duldung oder Aufenthaltsgestattung mit guter Bleibeperspektive haben. Sie müssen bereits einer Beschäftigung nachgehen oder einen Zugang zum Arbeitsmarkt besitzen, der gute Deutschkenntnisse voraussetzt.
Ebenso können Unternehmen, die Arbeitnehmer aus oben genanntem Personenkreis beschäftigen oder beschäftigen wollen, Beratung und Unterstützung erhalten. Hier werden sie bei der Bewältigung alltäglicher sowie bürokratischer Herausforderungen unterstützt.
Für die Stadt und den Landkreis Coburg übernahm die Aufgabe des Jobbegleiters die Volkshochschule Coburg. Ramona Jande kümmert sich seit 2016 um diese Aufgabe, die allerdings im Alleingang nicht zu bewältigen ist. Deshalb wurden zunächst einmal Kontakte und Netzwerke mit Kammern, Institutionen, Unternehmen, Fachkräften der Agentur für Arbeit und der Jobcenter geknüpft.


Eine Rundumbetreuung

Ein erfolgreiches Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit ist die Geschichte von Ahmad Munzir Jeha, einem Flüchtling aus Syrien. Er sprach erstmalig im Juli 2016 im Jobcenter Coburg Stadt vor und strebte bereits damals eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker an. Da seine Deutschkenntnisse hierfür jedoch nicht ausreichend waren, absolvierte er zunächst einen Integrationskurs. Mit der Verbesserung der Sprachkenntnisse konnte Jeha dann in den Bereichen Lagerwirtschaft, Gerüstbau und Kfz-Werkstatt Einblicke erhalten und somit auch seine handwerklichen Fähigkeiten in Form von Praktika erproben. Er selbst teilte mit, dass er bisher in seinem Heimatland Syrien Erfahrungen auf dem Bau, im Lager, als Fahrzeugpfleger und als Getränkeverkäufer (Verkaufsfahrer) sammeln konnte. Im Rahmen von Beratungsgesprächen mit seiner Arbeitsvermittlerin des Jobcenter Coburg Stadt wurde gemeinsam an seiner beruflichen Integration gearbeitet. Durch die Unterstützung seiner Jobbegleiterin Ramona Jande wurde Jeha nicht nur in Bezug auf den Arbeitsmarkt beraten und betreut, sondern konnte auch während seiner Integration persönlich begleitet werden.
Um zu erkennen, welche beruflichen Erfahrungen und Potenziale geflüchtete Menschen wie Ahmad Munzir Jeha besitzen, führte Ramona Jande einen umfassenden anderthalbstündigen Kompetenzfeststellungstest "check work" in Jehas Muttersprache durch. Dieser Test wurde von der Bayerischen Industrie- und Handelskammer zur Verfügung gestellt. "Die daraus gewonnenen Ergebnisse dienten dem weiterführenden Integrationsprozess dahingehend, dass wir besser einschätzen konnten, welche beruflichen und fachlichen Kompetenzen vorhanden sind. Ebenso erhielten wir Aufschlüsse über etwaige Einsatzmöglichkeiten für ihn", sagt Stephanie Herrmann vom Jobcenter Coburg Stadt.
Ahmad Munzir Jeha entschied sich, seinen Traum einer Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker vorerst zurückzustellen und zunächst eine Arbeit aufzunehmen. "Mir ist es erst einmal wichtiger, selbst Geld für meine Familie zu verdienen", so Jeha. Und so startete das Jobcenter zusammen mit der Jobbegleiterin die Stellenrecherche. Er erhielt Hilfe beim Verfassen von Bewerbungen und wurde bei Vorstellungsgesprächen begleitet.
Zur großen Freude aller Beteiligten erhielt Ahmad Munzir Jeha die Möglichkeit, bei einem Coburger Autohaus auf Probe zu arbeiten. Nachdem er als Fahrzeugpfleger sein Können unter Beweis stellen konnte, war die Entscheidung für Markus Joppich, Geschäftsführer der Hommert Auto Zentrum GmbH, klar: "Wir stellen ihn ein. Er hat eine Chance verdient, da er auch bei der Probearbeit einen guten und zuverlässigen Eindruck hinterlassen hat."
Die weitere Unterstützung bezüglich der Arbeitsaufnahme wurde durch das Jobcenter übernommen. Bei Formalitäten und Behördengängen sowie beim Zusammentragen notwendiger Informationen und Unterlagen wurde Jeha weiterhin durch seine Jobbegleiterin unterstützt.


"Gelungene Zusammenarbeit"

Es ist im Übrigen zu erwähnen, dass sich gerade mit der Arbeitsaufnahme bei vielen Leistungsbeziehern zahlreiche Fragen für die Zukunft ergeben. Beispielsweise in Bezug auf ein Leben ohne finanzielle Unterstützung durch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter. Im Rahmen der Nachbetreuung kann sich Jeha weiterhin auf die Unterstützung beider Institutionen verlassen. "Für diese gelungene Zusammenarbeit von Firmen, Behörden und Partnern steht das Projekt Jobbegleiter. Herr Jeha ist nur eines von vielen Beispielen dafür", sagt Ramona Jande. red


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