Haßfurt

"Job machte unheimlich Spaß"

Ein "Urgestein" verlässt das Landratsamt Haßberge: Abteilungsleiterin Adelinde Friedrich geht in den Ruhestand. Landrat Wilhelm Schneider dankte ihr für "die treue, verantwortungsvolle und zuverlässige Arbeit".
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Adelinde Friedrich, langjährige Leiterin des Jugendamtes und zuletzt Leiterin der Abteilung Bau und Umwelt, geht nach 48 Jahren Tätigkeit im öffentlichen Dienst in den Ruhestand. Foto: Moni Göhr/Landratsamt Haßberge
Adelinde Friedrich, langjährige Leiterin des Jugendamtes und zuletzt Leiterin der Abteilung Bau und Umwelt, geht nach 48 Jahren Tätigkeit im öffentlichen Dienst in den Ruhestand. Foto: Moni Göhr/Landratsamt Haßberge
Am Landratsamt geht eine Ära zu Ende: Zum 1. Mai verabschiedet sich Oberregierungsrätin Adelinde Friedrich in den Ruhestand. Die Leiterin der Abteilung III Bau und Umwelt kann dann auf fast ein halbes Jahrhundert im öffentlichen Dienst zurückblicken und viel erzählen. Fünf Chefs erlebte die 65-Jährige in dieser Zeit: Walter Keller, Rudolf Handwerker, Wilhelm Schneider sowie Georg Burkhard und Karl Beck in Schweinfurt.
Die gebürtige Zeilerin begann ihre berufliche Karriere 1970 im damaligen Landratsamt Haßfurt mit einem zweijährigen Praktikum, bevor sie die Ausbildung zur Regierungsinspektoranwärterin für den gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst absolvierte. Nach einem Zwischenspiel im Landratsamt Schweinfurt war sie seit 1979 wieder am Landratsamt Haßberge tätig. Im Bauamt konnte sie ihre Führungskompetenzen bereits als stellvertretende Sachgebietsleiterin beweisen, bevor sie im Jahr 1988 die Leitung des Bauamtes übernahm.
Fast zur gleichen Zeit war Landrat Walter Keller auf der Suche nach einer geeigneten Mitarbeiterin, die die Funktion einer Frauenbeauftragten übernimmt. Seine Wahl fiel auf Adelinde Friedrich. "Mein Chef hat mir diese Aufgabe zugetraut. Er meinte, ich hätte den Mut und das richtige Fingerspitzengefühl dafür, mich für die Gleichberechtigung starkzumachen, ohne übertriebene Forderungen zu stellen", erinnert sie sich. Und so wurde die Chefin der Bauverwaltung zusätzlich Frauenbeauftragte. Eine Tätigkeit, die sich im "Nebenjob" als nicht ganz einfach herausstellte.
"Kommunalpolitik und Frauen", das war ein Thema, das der Zeilerin sehr am Herzen lag: "Ich habe mich dafür eingesetzt, dass mehr Frauen in der Kommunalpolitik mitmischen." Aus diesem Grund hielt sie Vorträge im ganzen Landkreis, die den gewünschten Erfolg brachten: Bei den Kommunalwahlen im Jahr 1990 konnte der Frauenanteil von vier auf immerhin 20 Prozent gesteigert werden. In dieser Zeit wuchs auch ihr eigenes Interesse an der Politik. Nun redet sie seit 28 Jahren für die CSU am Zeiler Ratstisch mit.
Auch im Bauamt durchbrach Adelinde Friedrich als erste weibliche Sachgebietsleiterin eine Männerdomäne. "Ich kann mich noch zu gut an meine erste Baueinstellung erinnern. Da rief mich völlig erbost der Bauherr an und wollte unbedingt den Herrn Friedrich sprechen", erzählt die Oberregierungsrätin. "Nachdem ich ihn aufgeklärt hatte, dass ich sozusagen der Herr Friedrich bin, war der Anrufer völlig verdutzt und fragte ungläubig: Machen das jetzt auch schon Frauen?"


Im Kreisjugendamt vieles bewegt

Eine weitere wichtige Station ihrer Karriere war das Kreisjugendamt, das sie 18 Jahre, von 1996 bis 2014, leitete und mit viel Idealismus, Überzeugungskraft und neuen Ideen zu einer modernen Dienstleistungsbehörde entwickelte. In der Zeit, als die Kosten für die Jugendhilfe aus dem Ruder gelaufen sind, hat Adelinde Friedrich erfolgreich Gegenstrategien entwickelt, indem sie Pflegefamilien angeworben und intensiv betreut hat. "Dies war auf alle Fälle für die Kinder eine sozial bessere Lösung, und dadurch wurde auch die Kreiskasse entlastet."
In ihre Amtszeit fällt der flächendeckende Aufbau der niederschwelligen Unterstützungs- und Beratungsangebote für Familien. Dadurch ist das Jugendamt in der Lage, möglichst frühzeitig Hilfe zu leisten, und kann bei Problemen rechtzeitig gegensteuern. Unter ihrer Federführung wurde das Familienbüro eingerichtet, die koordinierende Kinderschutzstelle als nachhaltiges Kinderschutzsystem eingeführt, das Spektrum "Hilfe zur Erziehung" durch die Einführung der ambulanten Hilfen nach dem SGB VII ausgebaut, das Bildungs- und Teilhabepaket umgesetzt, ein Netz von Jugendsozialarbeit an Schulen aufgebaut und der Rechtsanspruch an Krippenplätzen für unter Dreijährige übererfüllt.
Im Februar 2014 übernahm Adelinde Friedrich am Landratsamt die Leitung der Abteilung Bau und Umwelt, ein Amt, das jede Menge spannende Themen hatte, angefangen beim Genehmigungsverfahren Bürger-Windpark Sailershausen über Betriebserweiterungen        und
-neuansiedlungen bis hin zum Wasserrecht, Naturschutz und Immissionsschutz. Ein herausragendes Thema war der viel diskutierte Nationalpark Steigerwald. "Da hatte ich an meinem Geburtstag einmal die Ehre, mit Landrat Wilhelm Schneider bei Ministerpräsident Horst Seehofer mit am Kabinettstisch zu sitzen", erzählt Friedrich. "Statt einer Feier wurde diskutiert, aber das war es wert."
Natürlich gab es auch negative Erlebnisse. Die Vorfälle in der Seniorenresidenz Gleusdorf haben nicht nur die Heimaufsicht in besonderem Maße gefordert, sondern auch Adelinde Friedrich, die vertretungsweise die Leitung der Abteilung Soziales und Gesundheit übernahm. "Die im Raum stehenden Vorwürfe und der Druck durch die Öffentlichkeit waren für alle Beteiligten sehr belastend."


"Dienst war immer spannend"

Ihre Berufswahl hat Adelinde Friedrich nie bereut. Ihre 48-jährige Tätigkeit im öffentlichen Dienst war immer spannend, voller Herausforderungen und Verantwortung, gerade auch weil die Arbeit in der Verwaltung in den vergangenen Jahren einen unglaublichen Wandel und Umbruch erlebte. "Die Vielfalt des Jobs ist beeindruckend. Ich habe immer gern gearbeitet. Gefallen hat mir besonders, dass ich mit vielen Menschen zu tun hatte. Das bringt einen auch persönlich weiter."


Ein bisschen Wehmut

Auch wenn sich die Zeilerin nun auf ihren Ruhestand freut; Ein bisschen Wehmut ist auch dabei. "Die Arbeit mit meinem Super-Team hat bis zum Schluss Riesenspaß gemacht."
Das Mehr an Zeit will Adelinde Friedrich für Familie, ihren Enkel, Haus, Garten und zum Verreisen nutzen. Und ein paar Jahre wird sie noch Kommunalpolitik machen und sich einmischen - zumindest bis zur nächsten Kommunalwahl 2020.
Landrat Schneider lobte bei ihrer Verabschiedung vor allem die hohe Fachkenntnis, die - gepaart mit einer ausgesprochen menschlichen Art - Abteilungsleiterin Adelinde Friedrich "zu einer vielseitig geachteten und gefragten Persönlichkeit im Landkreis werden ließ". red
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