Ebern

Jetzt wird verhandelt

"Betriebsändernde Maßnahmen" macht der Betriebsrat bei Valeo in Ebern nicht ohne Forderungen mit. Er fordert Standortzusagen und lehnt betriebsbedingte Kündigungen strikt ab.
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Die Betriebsversammlung wurde unterbrochen und in den Herbst vertagt: Bei Valeo in Ebern besteht Gesprächsbedarf.  Fotos: Eckehard Kiesewetter
Die Betriebsversammlung wurde unterbrochen und in den Herbst vertagt: Bei Valeo in Ebern besteht Gesprächsbedarf. Fotos: Eckehard Kiesewetter
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Eckehard Kiesewetter Ebern — Der Weg an die Öffentlichkeit ist ein Schritt, noch ganz unten auf der Eskalationsskala, weit weg von Arbeitsniederlegungen oder Kampfmaßnahmen. Aber der Betriebsrat der Firma Valeo in Ebern und die Gewerkschaft IG Metall setzen damit ein Zeichen: Sie schalten die Medien ein. Die geplante Auslagerung von Maschinen des Automobilteil-Zulieferers in das Zweigwerk im thüringischen Mühlhausen und damit den Verlust von 15 bis 20 Arbeitsplätzen in Ebern (die Angaben schwanken) soll abgewendet werden. Die Valeo-Geschäftsführung hatte diesen Schritt bei einer Betriebsversammlung angekündigt (der FT hat berichtet). Das Vorhaben wird mit Auslastungsproblemen in Mühlhausen begründet. Man müsse das Werk stabilisieren. "Das ist keine Lösung", sagt der Betriebsrat.

Eine Grundsatzfrage

"Es kann doch nicht sein, dass man in Ebern ein Loch aufreißt, um ein anderes zu schließen", empört sich Matthias Gebhardt, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Bamberg bei einem Pressegespräch am Donnerstag. Nicht die Zahl der möglicherweise Betroffenen alarmiere, aber es gehe um eine Grundsatzfrage. Gebhardt: "Wenn Verlagerungen, dann durchdacht und mit Zusagen verbunden."

So fordern er und die Vorsitzende des Valeo-Betriebsrats, Sonja Meister, Alternativprodukte für Ebern, eine Standort- und Beschäftigungszusage. Gewerkschaft, Aufsichtsrat und Betriebsrat sähen dabei die Werke in Ebern, Fischbach und Mühlhausen "im Verbund".

Teile, die heute in Podborany (Tschechien) produziert oder an externe Dienstleister vergeben wurden, solle man wieder nach Ebern zurückholen, schlägt Sonja Meister vor. Verlagerungen, das habe die Vergangenheit bewiesen, funktionierten nicht immer, wirtschaftlich nicht und auch nicht, was die Qualität der Ergebnisse anbelangt.

Valeo sei gefordert, den Standort Ebern zu modernisieren, die Kernkompetenz in der Gummifertigung zu stärken und den anstehenden Umbau ohne Arbeitsplatzverluste zu meistern. Betriebsbedingte Kündigungen jedenfalls, werde man nicht akzeptieren. Da greift die Mitbestimmung.

Die Angst geht um

Der Arbeitgeber, dessen deutsche Zentrale in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart sitzt, betreibe eine "Salamitaktik", sagt Sonja Meister, da in den vergangenen Jahren immer wieder kleinere Einheiten wegfielen. "Mal waren es drei, vier Leute, dann wieder fünf". So ist die Eberner Belegschaft in den vergangenen beiden Jahren um 170 Personen auf aktuell 1436 Beschäftigte gesunken. Die Produktion im Stammwerk ist rückläufig und die Angst wachse, dass auch "das Know-how abwandert". Meister und Gebhardt, beide auch im Aufsichtsrat vertreten, fordern sinnvolle Konzepte für die Zukunft. Der Gewerkschafts-Funktionär: "Flickschusterei bringt da nichts".

Für alle drei Werke sehe der französische Großkonzern Valeo drei Jahre nach dem Kauf von FTE seine Gewinnerwartungen nicht erfüllt, wenn auch die Erträge, laut Gebhardt, "noch ganz ordentlich im positiven Bereich liegen".

Mehrfach stellt der Metaller im Gespräch klar, dass es an anderen Produktionsstandorten im Geschäftsbereich der IG Metall Bamberg ganz anders brenne. Er weiß aber, dass viele Menschen in der Region - nicht zuletzt aufgrund fehlender Öffentlichkeitsarbeit - das traditionsreiche Unternehmen (einst Kugelfischer, später FTE automotive) im Niedergang sehen und um ihren Arbeitsplatz fürchten.

Keine Gefahr in Sicht

"Grundsätzliche Gefahr für das Werk sehen wir momentan nicht", beruhigt Gebhardt. Die Beschäftigten müssten aber für Veränderungen an ihrem Arbeitsplatz offen sein. Gebhardt baut auf Kompromisse: "Verhandlungs- und Gesprächsbereitschaft ist absolut gegeben." Er weiß die Gewerkschaft im Werk Ebern gut aufgestellt. Zudem verweist Sonja Meister auf die Verzahnung im Konzern-Betriebsrat. Seit vergangenem Jahr ist auch Mühlhausen dabei. Das stärkt.

Eine tragfähige Vereinbarung müsse den Menschen Sicherheit geben. "Wir wollen, dass die Mannschaft in Ebern wieder mit ruhigem Gewissen zur Arbeit gehen kann," sagt Meister.

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