LKR Haßberge

Jetzt wird's eng im Tonnenpark

Die gelben Tonnen für die Entsorgung von Verpackungen sind in den Kommunen des Landkreises Haßberge angerollt. Allein die Auslieferung sorgt für ungeahnte Probleme.
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Die Waschbeton-Boxen waren für Aschentonnen aus Metall ausgerichtet - zu klein für die Nachfolger aus Kunststoff. Jetzt parken pro Haushalt bis zu vier verschiedene Tonnen davor. In der ehemaligen Bundeswehrsiedlung in Ebern entsteht so ein Heer von Müllbehältern. Foto: Eckehard Kiesewetter
Die Waschbeton-Boxen waren für Aschentonnen aus Metall ausgerichtet - zu klein für die Nachfolger aus Kunststoff. Jetzt parken pro Haushalt bis zu vier verschiedene Tonnen davor. In der ehemaligen Bundeswehrsiedlung in Ebern entsteht so ein Heer von Müllbehältern. Foto: Eckehard Kiesewetter
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Eckehard Kiesewetter Ebern — Nun also auch noch die Gelben! Die Kunststoffflotte vor den Anwesen im Landkreis Haßberge ist dieser Tage sprunghaft angewachsen. Die Entsorgungs-Firma Eichhorn hat die neuen Gelben Tonnen ausgeliefert, in denen künftig Verkaufsverpackungen entsorgt werden können. Kaum hat der Lkw seine graue Polyethylenfracht mit den gelben Deckeln vor den Haustüren verteilt, stehen die Telefone bei der Entsorgungsfirma in Eltmann, beim Kreisabfallbetrieb und bei den Kommunen nicht mehr still.

Bürger, die vor Wochen bereits angemeldet hatten, die Gelbe Tonne nicht nutzen zu wollen, wurden trotzdem beliefert und beschweren sich jetzt; andere wiederum wollen weitere Gefäße ordern oder - beispielsweise für Mietshäuser - größere Behälter haben.

"Jetzt steht das sperrige Ding in der Gasse rum und keiner kümmert sich drum", ärgert sich ein Rentner aus Ebern. Von der Firma Eichhorn - sie ist, wie er erfahren hat, allein zuständig - ist im telefonisch versichert worden, die Sache werde zügig erledigt. Von seinem Fenster aus sieht er, wie sich die Autos im Begegnungsverkehr tagelang an dem Hindernis vorbeizwängen. Doch wohin mit dem Teil, das offenbar niemandem gehört?

Ähnliche Anliegen bringen weitere Leser vor, die sich mit der Neuerung spontan nicht anfreunden können. Für die zusätzliche Tonne, mit 240 Litern Fassungsvermögen so groß wie die blauen Altpapiertonnen, finde sich einfach kein Platz im oder vor dem Haus, klagt eine Frau. Die Antwort, ein überflüssiger Behälter werde "bestimmt noch vor Weihnachten abgeholt", hat die Empörung einer Mietshausbesitzerin nicht unbedingt gedämpft: "Das ist doch wohl ein Schildbürgerstreich", schimpft sie am Telefon.

"Dass manche Leute ungehalten sind, kann ich ja nachempfinden," sagt Lina Reitz, die sich am Servicetelefon der Eltmanner Firma Eichhorn meldet. Sie notiert die Anliegen der Anrufer und gibt sie an die zuständigen Sachbearbeiter weiter. Bei der Ausgabe der Tonnen ist erst mal ein bisschen Geduld gefragt.

"Ein logistisches Problem", befindet Wilfried Neubauer vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises. Durch die Umstellung vom Bring- (Wertstoffhof) zum Holsystem (Gelbe Tonne) ist er persönlich außen vor. Der Abfallwirtschaftsbetrieb ist nicht mehr zuständig für die Sammlung und Verwertung der Verkaufspackungen in den Gelben Tonnen. Verantwortlich ist das Duale System Deutschland , das wiederum den Entsorgungsbetrieb aus Eltmann beauftragt hat.

Verteilte Rollen

Auch bei Neubauer gingen in den letzten Tagen etliche Anrufe ein. Amüsiert vermerkt er, wie sich die Gewichte verlagert haben. Als es um die Einführung der Tonne ging, hätten nur die Befürworter das Wort ergriffen. Jetzt, wo die Sache entschieden ist, stehen plötzlich die auf der Matte, die gegen die Tonne sind.

Die Unstimmigkeiten bei der Auslieferung könne der Abfallwirtschaftsbetrieb nicht beeinflussen. "Wir können und dürfen da aber nichts tun", sagt er, "die Gelben Tonnen gehören uns nicht." Er geht davon aus, , dass der Dienstleister wohl erst mal genug damit zu tun hat, die 35 000 bis 40 000 Behälter in den Kommunen zu verteilen. Der Landkreis habe zwar die Listen mit Abbestellern weitergeleitet, die Umsetzung klappe aber offenbar nicht reibungslos.

"Anlaufprobleme", sagt Isabell Zimmer von der Jungen Liste, die für den Kreis Haßberge die Einführung der Grünen Tonne letztlich per Bürgerentscheid durchgeboxt hatte. Vertreter der Jungen Liste hatten kürzlich bei einem besuch der Firma Eichhornerfahren, dass es eine zweite Tour durch den Landkreis geben werde, bei der die unerwünschten Tonnen wieder eingesammelt und Umbestellungen berücksichtigt werden: "Da braucht's halt ein bisschen Geduld."

"Ich hab mich noch nie so über eine Tonne gefreut, wie die jetzt", sagt Zimmer. Sie räumt jedoch ein, dass die Umstellung manche, vor allem ältere Menschen, zunächst überfordern kann: "Aber die werden auch bald sehen, dass es viele Vorteile gibt." Zu den "Lagerkapazitäten" in den Häusern merkt die Eberner Stadträtin an, dass die Leute ihre Verpackungsmaterialien bislang ja auch irgendwo unterbringen mussten.

Manch einer, der sich neben das Carport ein Müllhäuschen gebaut hat, muss jetzt umplanen. Eine vierte Tonne hatte noch vor Monaten wohl kaum jemand im Kalkül.

Platzprobleme sind noch das kleinere Problem, findet Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann, den ebenfalls schon Bürger wegen der herrenlos herumstehenden Tonnen angesprochen haben. Tonnen mit leichtem Verpackungsmaterial sagt er, seien immerhin noch einfacher in einen Hausflur zu bugsieren als beispielsweise die schweren Altpapiertonnen.

Hennemann bewertet die Einführung der Gelben Tonne generell als Verschlechterung, weil der Landkreis die Verantwortung für die sortenreine Trennung aus der Hand gebe und in der Konsequenz niemand mehr die Entsorgungswege nachvollziehen könne. Landet Verpackungsmaterial aus dem Kreis Haßberge langfristig also nicht mehr in Recyclinganlagen, sondern über unbekannte Exportwege womöglich im Meer? "Vom Umweltgedanken her äußerst fragwürdig", sagt der Bürgermeister und Kreisrat, "aber das war ja politisch so gewollt."

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