LKR Bamberg

"Jetzt bewegt sich was"

Tobias Sieling tritt für die ÖDP an. Er will dem Programm seiner Partei ein Gesicht geben.
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Foto: Hans Kurz
Foto: Hans Kurz

Seit 24 Jahren ist die ÖDP eine kleine aber feste Größe im Bamberger Kreistag. "Regional sind wir aber lange Zeit nicht sehr bekannt gewesen", räumt Tobias Sieling ein. In der Partei sei daher der Wunsch entstanden, dem Programm auch ein Gesicht zu geben.

Bei der vergangenen Landratswahl tat dies Richard Kaiser, bis dahin ÖDP-Einzelkämpfer im Kreistag. Er kandidierte für das Amt des Landrats und erzielte respektable 4,6 Prozent der Stimmen. Und mit 3,1 Prozent für die Liste zog die ÖDP erstmals mit zwei Mandaten in den Kreistag ein. Nach dem Rückzug von Kaiser rückte Tobias Sieling 2017 auf dessen Position vor. Und nun ist der 48 Jahre alte Förderschullehrer aus Scheßlitz das Gesicht der ÖDP im Landratswahlkampf 2020.

"Wir haben den Wählern ein gutes programmatisches Angebot zu machen", gibt er im Gespräch mit dem Fränkischen Tag die Linie vor. Es geht um Inhalte und erst in zweiter Linie um Personalien. Denn dass er im Landratsrennen krasser Außenseiter ist, ist Sieling bewusst. "Ich bleibe Lehrer, und wenn ich doch gewählt werde, dann ist es die große Umstellung", blickt er in die Zukunft nach dem 15. bzw. 29. März.

Volksbegehren ein Aufbruchsignal

Verspürt er nicht großen Rückenwind durch das aus Reihen seiner Partei angestoßene, erfolgreiche Rettet-die-Bienen-Volksbegehren? Den verspüre nicht nur die ÖDP, auch die Grünen profitierten. "Hier geht es um die Sache", stellt Sieling fest. Er freut sich, dass da einiges in Bewegung gekommen ist, dass sich viele Initiativen und Gruppen bilden. "Das war der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Ein Aufbruchsignal. Wir haben lange geredet. Jetzt bewegt sich was." Und mit den Fridays for Future sei zusätzlicher Schub dazugekommen, sagt der Vater von drei Kindern.

Doch wie lässt sich das auf der Ebene der Landkreispolitik umsetzen? Seit 2014 sitzt er im Kreistag und hat nach eigenem Bekunden viel gelernt, was möglich ist, und wo es Grenzen gibt. Es gehe vor allem darum Impulse zu geben. "Jeder muss in seinem Bereich aktiv sein." Das gelte fürs Privatleben ebenso wie für die Kommunalpolitik. Nachhaltigkeit, ökologische Landwirtschaft, ein Stopp des Flächenverbrauchs - das "lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen anordnen".

So schön und lebenswert der Landkreis Bamberg sei - Sieling vergleicht ihn mit dem Eichsfeld im Dreiländereck Niedersachen-Thüringen-Hessen, wo er aufgewachsen ist -, so sieht er doch auch Probleme. "Der Wohlstand beruht auf manchen Punkten, die so nicht weiterlaufen können. Da gehöre auch das große Problemfeld der Autoindustrie und der "riesige Flächenverbrauch" für Gewerbegebiete dazu. "Der Flächenfraß geht fast ungehindert weiter. Wir müssen es schaffen, die wirtschaftliche Entwicklung vom Flächenverbrauch zu entkoppeln." Interkommunale Gewerbegebiete, statt eines Wettlaufs der Gemeinden, wären ein möglicher Ansatzpunkt. Dabei könnte der Landkreis eine Scharnierfunktion erfüllen.

Gelöst werden müsse auch der scheinbare Widerspruch zwischen Artenschutz und Landwirtschaft. Die Bauern trügen eine "riesige Verantwortung", betont Sieling. Deshalb gelte es Politiker, Umweltverbände und Landwirte zusammenzubringen. Beispielsweise in einem, dem Klimabeirat ähnlichen, Arbeitskreis. Dort könne man schauen, wie und wo die neue Gesetzgebung den Landkreis betreffe, und wie sie am besten umgesetzt werden könne.

Mobilität noch nicht ausdiskutiert

Als Beispiele, wie auf kommunalpolitischer Ebene regionale Kreisläufe gestärkt werden können, nennt er Kantinen und Küchen von Einrichtungen wie den Schulen und den Krankenhäusern. Hier sei es möglich auf regionale und ökologisch nachhaltige Produkte zu setzen und so die heimische Landwirtschaft zu fördern. "Wir müssen mehr in regionalen Kreisläufen denken", fordert Sieling.

Ein wichtiges Landkreisthema ist für Sieling die Mobilität, die auch vor dem Hintergrund der Automobilkrise und des Klimawandels zu sehen sei. Das Mobilitätskonzept des Landkreises sei in vielen Bereichen zukunftsweisend. Doch für die Bürger sei die Situation unbefriedigend, dass wesentliche Änderungen erst 2024 in Angriff genommen würden und ein regionaler Omnibusbahnhof gar auf 2031 vertagt werde. "Das ist zu weit weg", sagt Sieling, der jedoch im Arbeitskreis mit den Busunternehmen gelernt hat, dass vieles "einen riesigen Vorlauf braucht". Die Mobilität sei ein "komplexes Gebilde", und das Ende der Diskussion sei im Landkreis noch nicht erreicht.

Ein anderes wichtiges regionales Thema in Zeiten des Klimawandels bleibe der Schutz des Steigerwalds. Die Entscheidung über ein großes Schutzgebiet oder gar einen Nationalpark liege nicht beim Landkreis, aber er könne Anstöße geben und Anreize schaffen. Ebenso wie in vielen anderen Bereichen. Zum Beispiel bei der Energienutzung und -gewinnung, oder beim Bauen.

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