Ebern

Jetzt bekennt der Stadtrat Farbe

In der Diskussion um einen Waldfriedhof fällt das Gremium in Ebern eine Grundsatzentscheidung.
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Seit mehr als zwei Jahren wird in Ebern über einen Begräbniswald debattiert. Bei der Stadtratssitzung am 23. Mai soll nun eine grundsätzliche Entscheidung fallen. Foto: Eckehard Kiesewetter
Seit mehr als zwei Jahren wird in Ebern über einen Begräbniswald debattiert. Bei der Stadtratssitzung am 23. Mai soll nun eine grundsätzliche Entscheidung fallen. Foto: Eckehard Kiesewetter
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Eckehard Kiesewetter Am Donnerstag, 23. Mai, könnte es zu spät sein, denn dann soll Eberns Stadtrat einen Grundsatzbeschluss über das Thema Begräbniswald fällen. Also meldet sich die Bürgerinitiative "Pro Begräbniswald", die sich um den Eyrichshöfer Baron Hermann von Rotenhan geschart hat, vorher nochmals zu Wort. Sie sieht die Chancen auf eine demokratische Entscheidung schwinden. Erst recht, weil ihr in den zurückliegenden Monaten nicht die Möglichkeit eingeräumt worden sei, ein neues Konzept für einen Begräbniswald bei Eyrichshof im eigens vom Stadtrat gegründeten "Begräbniswald-Ausschuss" vorzustellen.

Der Wunsch nach einer alternativen Bestattungsform war vor einigen Jahren aus der Bevölkerung laut geworden und Waldbesitzer Rotenhan hatte sich der Sache angenommen. Unterstützt weiß er sich durch viele Fürsprecher und eine Bürgerinitiative, der derzeit rund ein Dutzend Bürger angehört.

Gereifter Standort-Vorschlag

Der Adelige will als Betreiber der Anlage auftreten und hatte bereits zwei mögliche Areale ins Gespräch gebracht, die jedoch der öffentlichen Diskussion nicht standhielten. Seine aktuellen Vorstellungen für einen neu ins Auge gefassten Standort am Kurzewinder Berg konnte er dem Stadtrat nun aber nicht mehr präsentieren und dies, obwohl der Bürgermeister im August in Aussicht gestellt hatte, der Ausschuss werde Rotenhan nochmals einladen.

"Diese Ankündigung war sicher unglücklich seitens der Verwaltung", meint dazu Stadtrat Thomas Limpert (Freie Wähler), der davon ausgeht, dass das Konzept des Barons inzwischen "eine ganz andere Qualität und andere Inhalte hätte", als die früheren Vorschläge. Nun ist es dafür als Impuls für die Stadtratsentscheidung am Donnerstag zu spät.

Der Stadtrat hatte im März 2018 entschieden, das Thema alternative Bestattungskultur/Begräbniswald auf die Agenda zu setzen und einen "Begräbniswald-Ausschuss" einzurichten, der mögliche Konzepte, Betreiber und Standorte eruieren und den Stadtratsbeschluss vorbereiten sollte. Während es im Gremium etliche Befürworter des Bürger-Anliegens nach modernen Alternativen zu herkömmlichen Gräbern auf städtischen Friedhöfen gab, hatte der Bürgermeister vehement dagegen plädiert.

Juristische Einwände

Er macht vor allem rechtliche Bedenken gegen einen privaten Betreiber geltend, was er auch im Mitteilungsblatt der Stadt ausführlich darlegte. Die Regeln für einen Waldfriedhof, so er denn kommen würde, sind für ihn klar: Die Stadt entscheide, sie müsse Träger sein und den eventuellen weiteren Friedhof auch selbst betreiben, um der Rechtsnorm zu genügen. Ob dies auf eigenem oder fremdem Grund geschehe, sei offen, aber die Kalkulation und die Festlegung einer Grabplatzgebühr müssten jedenfalls Sache der Stadt bleiben: "Ein Geschäftsmann kann allenfalls Erfüllungsgehilfe der Stadt sein und nicht anders herum". Zudem macht er deutlich, dass die Einrichtung eines Waldfriedhofs wegen des massiven Einbruchs der städtischen Steuereinnahmen frühestens in ein paar Jahren in Frage komme.

Laut Hennemann geht es der Bevölkerung "um möglichst pflegefreie Urnengrabanlagen, die den Angehörigen und Nachkommen keine Last hinterlassen". Solche Anlagen könnten in ausgewiesenen Waldfriedhöfen, genauso aber auch in einigen der bestehenden 15 Friedhöfe der Stadt entstehen. Urnengräber unter Bäumen bieten sich laut Hennemann "beispielsweise in Ebern, Bramberg und Brünn an, unter Obstbäumen in Unterpreppach, auf Wiesenflächen in Eyrichshof, Jesserndorf und weiteren Friedhöfen". Zudem stünden der Stadt als großem Waldbesitzer eigene Flächen für den Betrieb eines Waldfriedhofs zur Verfügung.

Während sich der Bürgermeister und die Verwaltung in ihrer Ablehnung früh auf ein Kontra festgelegt haben, zeigten sich zahlreiche Ratsmitglieder durchaus offen für das "Projekt Begräbniswald". Laut FT-Informationen fanden drei Zusammenkünfte des Ausschusses statt, bei denen unter anderem Rechtsexperten und die Ortsgeistlichen gehört wurden.

Aus Sicht der Pfarrer gab es demnach grundsätzlich nichts gegen einen Waldfriedhof einzuwenden. Beerdigungen seien auch ohne Priester möglich, beispielsweise durch sogenannte Bestattungshelfer". Allerdings besteht die katholische Kirche darauf, dass die Grabplätze nicht anonym bleiben dürfen.

In Trappstadt besuchte der Ausschuss, begleitet von weiteren Stadtratsmitgliedern, den von Ehrenamtlichen betriebenen Naturfriedhof St. Ursula - ein Modell, das offenbar vielen zusagte.

Hier allerdings hakt Hermann von Rotenhan ein, der von einem "parkartigen Friedhof" spricht, einem "Mittelding zwischen einem Begräbniswald und einem normalen städtischen Friedhof". "Begräbniswald-Light", sagt Rotenhan. Betrieben werde die Anlage von Freiwilligen und einem tüchtigen Vorstand, wobei unklar sei, ob dies auch in 20 oder 50 Jahren noch so funktioniert. Der Eyrichshöfer Schlossbesitzer stellt in Frage, "ob dies Modell von vorgestern zukunftsträchtig ist und in den kommenden 90 Jahren genug Interessenten anziehen wird."

Transparenz gefordert

Zudem verweist er darauf, dass die Stadt nur dann mit Kosten zu rechnen habe, wenn der Friedhof ein städtischer Betrieb werde. Bei einem privaten Betreiber sei das nicht der Fall. Von einem "Ort für stimmungsvolle Beisetzungen und für angemessene Trauerkultur" werde die Kommune jedenfalls profitieren. Der Bürgerinitiativen-Sprecher vermisst Transparenz nach außen und ausreichende Information des Stadtrates als Grundlage für eine überlegte Entscheidung.

Mitglieder des Gremiums berichten von einer offenen, konstruktiven und durchaus kontroversen Diskussion. Wenn jetzt eine Grundsatzentscheidung ansteht, dann geht es letztlich nicht mehr darum, ob es überhaupt einen Begräbniswald geben soll, sondern darum, ob er städtisch oder privatwirtschaftlich betrieben werden soll.

Ein eindeutiges Stimmungsbild für die Abstimmung zeichnet sich laut FT-Recherchen nicht ab, da teils auch in den Fraktionen unterschiedliche Ansichten herrschen. "Am Ende ist auch der Bürgermeister nur eine Stimme von 21" und die Mehrheit im Gremium wird entscheiden, sagt Thomas Limpert. Er erwartet eine knappe Entscheidung.

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