Igensdorf
Unser Thema der Woche // Wahrheit

Jesus allein ist die Wahrheit

Jeder hat seine Sicht der Dinge und betrachtet sie als wahr. Gibt es dann überhaupt Lügen? Und dem entsprechend Sünden? Oder sind das alles nur Fehler, weil es keine alleinige Wahrheit gibt? Theologen geben Antworten.
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Die Dorfratschen nehmen es mit der Wahrheit nicht immer ganz genau.  Foto: Petra Malbrich
Die Dorfratschen nehmen es mit der Wahrheit nicht immer ganz genau. Foto: Petra Malbrich

Die Dorfratschen sind bei jeder Faschingsveranstaltung ein Brüller. Wenn sie sich über die Neuigkeiten aus der Zeitung oder dem Mitteilungsblatt der Gemeinde unterhalten, nehmen sie es mit der Wahrheit nicht immer so genau. Zum Gaudium des Publikums.

Doch wie sieht es im Alltag mit der Wahrheit aus? Gibt es sie überhaupt? "Ja", sagen die befragten Pfarrer Joachim Cibura und David Vogt auf Anhieb. Zumindest aus theologischer Sicht besteht da kein Zweifel: "Jesus ist die Wahrheit".

Das belegen die geistlichen mit einem Zitat aus dem Johannes-Evangelium. Dort erklärt Jesus seinem Jünger: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Kirchlich betrachtet gibt es somit keine Fragen. Gott ist die Wahrheit.

Verschiedene Wahrheiten?

Menschlich betrachtet spricht Pfarrer Cibura von verschiedenen Sichtweisen. Würde der evangelische Kollege David Vogt Dinge predigen, hinter denen er nicht stehe oder die er selbst nicht lebe, würde das schnell als unstimmig, als unwahr erkannt. "Wahrheit hat viel mit Erleben zu tun", sagt Vogt. Zudem: "Es kommt immer darauf an, was man unter Wahrheit versteht. Der Begriff der Wahrheit sei zutiefst philosophisch zu sehen und damit ein Werkzeug der Unterscheidung.

Es gibt Bereiche, die klar Wahrheit sind. Die Sonne wärmt. Nebel ist Wasserdampf", erläutert Diakon Christian Wohlfahrt aus Forchheim. Aber es gebe auch Wahrheiten, die nur vom Betrachter ausgehend Wahrheiten seien. Ein Leben in Frieden sei für die meisten Menschen Wahrheit und werde auch angestrebt. Doch gebe es ein paar wenige, die am Krieg verdienten. Für sie sei der Krieg die Wahrheit.

"Wahrheit benötigt die Verifizierung durch einen Versuch, eine Erfahrung oder einen Zeugen", sagt Wohlfahrt. Oft zeige sich, dass der erste Eindruck nicht gestimmt habe, dass die Information falsch war.

Diakon Wohlfahrt fällt dazu sein Patenkind ein, mit dem er einen Schwarz-weiß Film angeschaut hat. Das Kind fragte, ob es bei den Menschen im Film immer nur Nacht sei. "Dieser Eindruck des schwarz-weiß-Filmes war für das Kind Wahrheit", so Wohlfahrt. Inzwischen hat er den Film mit seinem Patenkind in Farbe angesehen. Der erste Eindruck sei dadurch revidiert worden.

Ist jemand, der seinen objektiv unzutreffenden Eindruck als "Wahrheit" weiter gibt, ein Lügner? Dazu Joachim Cibura. "Es ist notwendig, zwischen Sünde und Fehler zu unterscheiden" urteilt der Priester. Sünde sei es, die eigene Sicht der Dinge als einzig wahr zu definieren. Für David Vogt ist Sünde, so sein zu wollen wie Gott."

Wer am Irrtum festhält, sündigt

Ein bisschen Sünde trägt jeder Mensch in sich, weil wir nun mal nicht die wirkliche Wahrheit besitzen und trotzdem urteilen wollen und müssen", erklärt Pfarrer Vogt. Einen Schritt weiter geht Christian Wohlfahrt. Wer Ansichten ungeprüft als wahr annimmt, macht einen Fehler. "Wenn er aber an dieser Lüge festhält und daraus Handlungen entstehen, die auf Schaden und auf Unheilder Mitmenschen aus sind, dann ist es Sünde", verdeutlicht Wohlfahrt.

"Wer von Erkenntnissen, ohne stichhaltige Beweise, als Wahrheit spricht, nur weil er sie selbst als solche anerkennt, der belügt sowohl andere, als auch sicht selbst", betont der Forchheimer Diakon. Zu beglückwünschen sei, wer einen Fehler oder eine Schuld bei sich erkenne. Dann habe er schon viel über Wahrheit gelernt. "Es gehe darum, wie ein Mensch mit einem Fehler umgeht."

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