Ebern

Jeder war mal "der Böse"

Schüler der dritten Jahrgangsstufen der Grundschule Ebern erfuhren bei einem interaktiven Theaterstück, wie man mit Gewalt umgeht und welche Lösungsmöglichkeiten es gibt.
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Spielerisch vermittelte Dirk Bayer (hinten) den Schülern den Umgang mit Gewalt und zeigte Lösungen von Konflikten auf. Das wurde teilweise auch szenisch und spielerisch umgesetzt. Foto: Helmut Will
Spielerisch vermittelte Dirk Bayer (hinten) den Schülern den Umgang mit Gewalt und zeigte Lösungen von Konflikten auf. Das wurde teilweise auch szenisch und spielerisch umgesetzt. Foto: Helmut Will

Unterrichtsstunden ganz anderer Art erlebten am Donnerstag und Freitag Schüler der dritten Jahrgangsstufen an der Grundschule Ebern in der neuen Mensa. Dirk Bayer, Diplomsozialpädagoge (FH), Theater- und Präventionspädagoge, arbeitete mit einem interaktiven Theaterstück verschiedene Aspekte von Gewalt im schulischen Kontext auf, um neue Möglichkeiten des Handelns zu schaffen.

Die Schüler der Grundschule waren bei dem Theaterstück nicht nur Statisten, nein, sie wurden von "Regisseur" Dirk Bayer als Akteure mit in das Spielgeschehen eingebunden. Und es war erstaunlich, welche schauspielerischen Qualitäten die Kinder nach den Vorgaben von Dirk Bayer boten.

Alle Gewaltarten dargestellt

Jeder durfte mal "den Guten" oder "den Bösen" spielen und konnte so das Empfinden seines Gegenübers direkt miterleben. Das Thema "Mobbing" stand auf der Bühne der Mensa auf dem Spielplan, mit einem Inhalt, der dieses Problem - auf den Schulalltag bezogen - umfassend beleuchtete. Szenisch dargestellt und diskutiert wurden alle Gewaltarten wie Vandalismus, Gewalt der Sprache und die Gewaltspirale, Mutproben, Mobbing und Fremdenfeindlichkeit oder Erpressung und Gewalt gegen Schwächere.

Ziel der Arbeit, bei der auch die Klassenleitungen und Diplom-Sozialpädagogin Monika Fuchs, tätig in der Jugendsozialarbeit der Grundschule Ebern, mit eingebunden waren, sollte sein, dass Schüler Alternativen und Lösungen für Gewaltanwendungen finden.

Bei dem Projekt handelt es sich um ein Kooperationsprojekt der Jugendsozialarbeit, der Schule und der Präventionsstelle des Landratsamtes. Zum Projekt sagte Monika Fuchs: "Das Angebot richtet sich an die Kinder der dritten Jahrgangsstufen, da die Leistungsanforderungen in dritten und vierten Jahrgängen im Hinblick auf den Übertritt steigen und mit dem vermehrten Druck sich auch das soziale Miteinander verändert. Präventive Maßnahmen können hier für das Miteinander sensibilisieren und eine positive Klassenatmosphäre fördern."

Dirk Bayer bietet neben dem Thema "Mobbing" noch eine ganze Reihe von interaktiven Theaterstücken zur Gewaltprävention und Workshops an. Er arbeitet schon mehr als 20 Jahre mit interaktiven Stücken an Kindergärten und Schulen. "Ziel ist es, den Kindern die Möglichkeit zu geben auszuprobieren, wie sie sich in Konfliktsituationen verhalten und solche Situationen lösen können", sagte Dirk Bayer.

Die Reaktionen der Mitschüler

Dies demonstrierte er auf einer spielerischen Ebene übers Theater, wobei deutlich wurde, dass die Kinder ganz unterschiedlich Konfliktlösungen suchten. Sie konnten so direkt und unmittelbar erleben, welchen Effekt ihre Lösungsmöglichkeiten hatten, was an den Reaktionen ihrer Mitschüler abzulesen war. Dirk Bayer weiß auch, dass man nicht erwarten kann, dass nach einigen Stunden Arbeit mit den Kindern alles anders und gut ist, dass Mobbing und Gewalt verpönt sind: "Nein, es geht darum, Bewusstseinsprozesse anzustoßen, die im Alltag und im Unterricht immer wieder von den Lehrern aufgegriffen werden können, wenn es zu Konflikten in der Klasse oder Schule kommt."

Viele fühlen sich gemobbt

Auffällig viele Hände gingen nach oben, als Bayer fragte, wer schon einmal gemobbt wurde, wobei abschwächend zu sagen ist, dass die Kinder manches als Mobbing empfinden, was nicht in diese Kategorie gehört. So sehen sie häufiges Ärgern durch Mitschüler mitunter als Mobbing. "Schlimm wird es dann, wenn es so weit kommt, dass Schüler nicht mehr in die Schule wollen, um sich den Nachstellungen und Repressalien ihrer Mitschüler zu entziehen", sind sich die Schulleiterin Gudrun Schnitzer und die Sozialarbeiterin Fuchs einig. In solchen Fällen sei sofortiges Handeln nötig.

Gibt es Gewalt an der Grundschule in Ebern? "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, alles ist im grünen Bereich", erklärte dazu die Schulleiterin Schnitzer. "Wir haben im ländlichen Raum sicher nicht die großen Probleme, wie das oft aus Ballungszentren zu hören ist. Aber natürlich ist auch bei uns an der Schule verbale Gewalt vorhanden, und mitunter gibt es auch Raufereien."

Was Dirk Bayer dazu feststellte ist, dass die Hemmschwelle zur Gewalt sinkt. "Vor allem Beleidigungen werden heftiger."

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