Thurnau

"Jeder ist musikalisch"

Ingo Dannhorn, der Organisator des Wilhelm-Kempff-Festivals in Thurnau, will den Menschen die Angst vor klassischer Musik nehmen.
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Ingo Dannhorn mit seiner Frau Eva-Maria an seinem Lieblingsflügel, der in Kulmbach steht. Foto: K. Müller-Sanke
Ingo Dannhorn mit seiner Frau Eva-Maria an seinem Lieblingsflügel, der in Kulmbach steht. Foto: K. Müller-Sanke

Katharina Müller-Sanke "Mit klassischer Musik ist es ein bisschen wie mit dem Schlittschuhlaufen. Am Anfang versteht man es nicht so richtig - aber dann macht es einen Heidenspaß!" Ingo Dannhorn, der auch im Landkreis Kulmbach kein Unbekannter ist, liebt und lebt klassische Musik. Und er kommt ins Schwärmen, wenn er davon erzählt, Menschen mit seiner Begeisterung anzustecken, das ist seine große Gabe. Und natürlich das Klavierspielen.

Ingo Dannhorn gehört weltweit zur Elite am Flügel. Er reist um den Globus und hält Meisterkurse. Seine Hauptwirkungsstätte ist in Korea - genauer gesagt an der Universität von Seoul. Dort unterrichtet er die Profimusiker von Morgen.

Dass er beides in Perfektion vereint - die Musik und die Lehre - davon zeugt die Auszeichnung, die Dannhorn unlängst erhalten hat. Er ist mit dem Preis des Präsidenten seiner Hochschule ausgezeichnet worden. Das ist eine große Ehre. Studenten und Kollegen haben sich gleichermaßen für ihn als Preisträger ausgesprochen.

Dannhorn selbst gibt sich bescheiden. "Die koreanische Art zu unterrichten, ist sehr auf Disziplin, Zuverlässigkeit und Wettbewerbsstärke ausgerichtet. Ich selbst verfolge einen eher europäischen Ansatz," sagt er. "Europäisch", das bedeutet für ihn in diesem Fall, der Musik nachzuspüren, den Mut zu haben, die Gefühle in der Musik wahrzunehmen und sich ihnen hinzugeben.

In der ganzen Welt zu Hause

"Interessant ist eigentlich, dass sich die Koreaner sehr an der europäischen Musiktradition orientieren. Die Disziplin, aber auch die Musiktradition, das alles ist ursprünglich übernommen aus Europa," betont er. Dannhorn selbst vereint beide Traditionen in sich: Er hat koreanische und europäische Wurzeln. Seine Ausbildung fand in großen Teil in Wien statt, ansonsten lebte er als Kind in Bayern. Seit einigen Jahren unterrichtet er in Seoul und gibt Meisterkurse auf allen Kontinenten. Die Welt ist sein Zuhause.

Ein bisschen mehr als irgendwo sonst ist er dennoch auch im Landkreis Kulmbach daheim. Das liegt an seiner Familie, aber auch an einem Flügel. Der Flügel, auf dem er am liebsten spielt, steht nämlich weder an der Hochschule noch am Konservatorium, sondern in seinem Übungsraum in Kulmbach.

Doch auch auf viele andere Flügel kann sich der Pianist in diesem Jahr noch freuen: Es geht noch quer durch Südamerika, nach Italien, Glasgow, ins Konservatorium von Sidney und natürlich immer wieder nach Korea. Im Herbst wird er sein jährliches Konzert in Thurnau geben. Denn Ingo Dannhorn und seine Ehefrau Eva-Maria sind die Organisatoren und Ausrichter des Wilhelm-Kempff-Festivals. Dieses ist für nur ein Mosaikstein, um seine große Mission zu erreichen. Er will Menschen die Angst vor klassischer Musik nehmen.

"Ich höre so oft von Leuten, dass sie da nicht verstehen, weil sie nicht musikalisch sind, aber das stimmt gar nicht", betont der Pianist, denn "Jeder ist musikalisch". Man müsse es nur zulassen.

Musik sollte nichts Elitäres sein, sondern ganz natürlich. Um das zu erkennen, brauche es einen Türöffner, jemanden, der einen mit der Begeisterung anstecken kann, erklärt der Profi. Und wer es einmal erlebt hat, der weiß: Wer ein Konzert mit Ingo Dannhorn besucht oder mit ihm ins Gespräch kommt, hat diesen Türöffner gefunden.

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