Reitsch

"Ja, es ist in trockenen Tüchern"

Die Fußball-Kreisklassisten SV Reitsch und TSV Gundelsdorf wollen ab der nächsten Saison gemeinsame Sache machen. Davon würde der FC Burggrub profitieren, der nicht direkt absteigen müsste. Auch in Gehülz wird fusioniert.
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Bei der Vorrunden-"Nullnummer" nahmen sich die Spieler des SV Reitsch und des TSV Gundelsdorf noch gegenseitig die Kreisklassen-Punkte ab. Das Derby soll es ab der nächsten Saison nicht mehr geben, denn die beiden Lokalrivalen planen eine Spielgemeinschaft. - In dieser Szene wird Michael Dellert (gelbes Trikot) vom TSV Gundelsdorf vom Reitscher Andre Welscher durch ein Foul gestoppt. Foto: Archiv/Heinrich Weiß
Bei der Vorrunden-"Nullnummer" nahmen sich die Spieler des SV Reitsch und des TSV Gundelsdorf noch gegenseitig die Kreisklassen-Punkte ab. Das Derby soll es ab der nächsten Saison nicht mehr geben, denn die beiden Lokalrivalen planen eine Spielgemeinschaft. - In dieser Szene wird Michael Dellert (gelbes Trikot) vom TSV Gundelsdorf vom Reitscher Andre Welscher durch ein Foul gestoppt. Foto: Archiv/Heinrich Weiß
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Christoph Böger Die Gerüchteküche brodelt schon lange, aber jetzt gibt es Offizielles: "Ja, es ist richtig. Der SV Reitsch wird mit dem TSV Gundelsdorf ab der Spielzeit 2019/2020 gemeinsame Sache machen." Philipp Baumann, Spielleiter bei den Reitscher Fußballern, bestätigte auf Nachfrage des Fränkischen Tags die ehrgeizigen Zukunftsplanungen der beiden Kreisklassen-Vereine.

Eine Spielgemeinschaft sei beschlossene Sache, viele Details sind bereits geklärt, einige Kleinigkeiten müssen noch besprochen werden: "Aber unsere Zusammenarbeit ist in trockenen Tüchern", sagt Baumann stolz.

Grünbeck bereits informiert

Bereits am 20. April, also an dem Sonntag, als der SV Reitsch beim Nachbarklub TSV Gundelsdorf das letzte Mal um Punkte kickte, sei Kreisspielleiter Egon Grünbeck mündlich informiert worden. Die entsprechende schriftliche Bestätigung folgt nach den Worten Baumanns in den nächsten Tagen.

FC Burggrub in der Relegation?

Darin wird der SV Reitsch, der derzeit den Relegationsplatz in der KK 4 einnimmt, seinen Verzicht an der Kreisklasse und damit auch an möglichen Relegationsspielen um den Klassenerhalt erklären. Das hätte natürlich auch Folgen für andere Vereine. Egon Grünbeck bestätigt, dass der SV Reitsch in einem solchen Fall satzungsgemäß nach der Punktrunde an das Tabellenende der Kreisklasse 4 Kronach gesetzt werden würde.

Die erzielten Punkte gegen Reitsch würden für alle Kreisklassisten zwar Gültigkeit behalten, doch die beiden davor platzierten Teams - der FC Burggrub und der FC Seibelsdorf - rutschen dann jeweils um eine Tabellenposition nach oben.

In diesem Fall würden die Burggruber in den Genuss von Relegationsspielen kommen und könnten die Klasse also doch noch halten. Seibelsdorf würde als Vorletzter trotzdem absteigen und der TSV Windheim wäre automatisch gesichert.

Allerdings betont der Kreisspielleiter in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass er bislang nur mündlich von dieser Absicht Kenntnis habe, schriftlich - "und das ist entscheidend"/O-Ton Grünbeck - lag ihm bis gestern noch keine Verzichtserklärung vor. Deshalb ist dieses Szenario auch noch nicht offiziell.

Zu wenig Spieler in Reitsch

Spielgemeinschaften sind längst keine Besonderheit mehr. Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu Zusammenschlüssen zweier oder mehrerer Vereine. Die Ursache ist meistens dieselbe: Spielermangel! Wie Baumann vom SVR erklärt, bestehe der aktuelle Kader derzeit aus 19 Mann. Fünf Spieler würden den Verein am Saisonende verlassen. "Dann haben wir noch 14 Kicker, darunter sind drei Polizisten und ein Bundeswehrler. Diese vier Spieler sind maximal bei einem Drittel der Punktspiele anwesend", rechnet der Spielleiter die personelle Situation vor.

"Win-Win-Situation"

Natürlich sei der Verlust einer eigenständigen ersten Mannschaft erst einmal hart für alle Betroffenen, jedoch glaubt nicht nur Baumann an eine "Win-Win-Situation" für beide Vereine. Er spricht sogar von einer gewissen "Euphorie", die am Anfang in Gundelsdorf und in Reitsch seiner Überzeugung nach entstehen könne und die man dann pflegen und mit Leben erfüllen müsse. Die Heimspiele sollen künftig im Wechsel, also einmal in Reitsch und dann in Gundelsdorf, stattfinden.

Baumann ist auch davon überzeugt, dass der Zusammenschluss dieser beiden Klubs nicht der letzte dieser Art im Landkreis sein wird: "Warten wir mal noch fünf Jahre ab und schauen uns dann die Ligen an."

Zusammenschluss auch in Gehülz

So lange muss aber gar nicht mehr gewartet werden, denn ein paar Kilometer weiter ist die nächste Fusion bereits intern beschlossene Sache. In Gehülz wird sich zur Saison 2019/20 nämlich ebenfalls eine neue Spielgemeinschaft gründen. Der bereits feststehende Absteiger aus der Kreisklasse 2, ATSV Gehülz, spielt künftig mit dem Ortsrivalen FC Gehülz zusammen, der derzeit auf Platz 13 der A-Klasse 4 rangiert. "Ich denke, es ist der richtige Weg, da wir aktuell schon sehr wenig Personal zur Verfügung haben", begründet ATSV-Trainer Patrick Weber diesen Schritt. Wer in Gehülz dann Trainer wird, steht noch nicht fest. Weber wird es jedenfalls nach eigenen Angaben nicht sein.

Bulat als Trainer im Gespräch

Offen ist übrigens auch noch die Trainerfrage bei der "SG TSV Gundelsdorf/SV Reitsch". Ein möglicher Kandidat war der ehemalige Frohnlacher Regionalligaspieler Sinan Bulat, der derzeit den Neustadter Kreisklassisten SV Türkgücü Neustadt coacht und am Saisonende dort aufhört. Doch der stürmende Spielertrainer hat abgesagt. Unwahrscheinlich ist auch ein Engagement von Jochen Riedel, der derzeit noch für den SV Reitsch an der Seitenlinie steht. Philipp Kestel, Trainer in Gundelsdorf, ist dagegen schon eher ein möglicher Kandidat.

Porzelt will noch abwarten

Stephan Porzelt, Vorsitzender des TSV Gundelsdorf, wollte noch keine Angaben zu den Plänen machen.

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