Höchstadt a. d. Aisch

Islam ist Teil des Unterrichts

Das Thema Islamunterricht wird in Deutschland viel diskutiert. In Höchstadt an den Schulen gibt es zwar noch keinen, aber die Glaubensrichtung ist ein Bestandteil im Religions- und Ethikunterricht.
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Wohin denn nun mit "dem" Islam? An den Schulen ist die Religion ein Bestandteil in den Lehrplänen und in der siebten Klasse wird der Islam intensiver im Religionsunterricht behandelt. Bis zur Mittleren Reife lernen Schüler alle "Fremdreligionen" kennen.  Foto: Theresa Schiffl
Wohin denn nun mit "dem" Islam? An den Schulen ist die Religion ein Bestandteil in den Lehrplänen und in der siebten Klasse wird der Islam intensiver im Religionsunterricht behandelt. Bis zur Mittleren Reife lernen Schüler alle "Fremdreligionen" kennen. Foto: Theresa Schiffl

theresa schiffl Christian Wulff sagte 2010, dass der Islam zu Deutschland gehört. Und 2018 sagte Horst Seehofer, dass er nicht zu Deutschland gehört. Wohin gehört die Religion denn nun? Und warum soll sie an Schulen unterrichtet werden? Wir haben Schulleiter und Religionslehrer Roland Deinzer vom Gymnasium Höchstadt gefragt, welche Rolle der Islam im Unterricht spielt.

In Höchstadt kein Islamunterricht

Deinzer erklärte, dass es an seinem Gymnasium noch keinen Islamunterricht gebe. Das bestätigten auch die Ritter-von-Spix-Schule und die Realschule. Jedoch wird die Glaubensrichtung an allen Schulen im Religions- und Ethikunterricht behandelt.

"Es wird nicht nur die eigene Religion im Unterricht behandelt. Pro Schuljahr ist jeweils auch eine andere Thema. In der siebten Klasse ist das der Islam", erklärt Schulleiter Deinzer. Neben ihrer eigenen, christlichen Religion oder Ethik-Unterricht lernen die Schüler bis zur mittleren Reife weitere Religionen kennen. Im katholischen Religionsunterricht ist das in der siebten Klasse zum Beispiel der Punkt "Der Islam - Begegnung mit Muslimen in unserer Gesellschaft".

Projekt wurde verlängert

An der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen wurden 2003 die ersten Lehrkräfte für den Schulversuch "Islamunterricht" ausgebildet. Der Versuch, der auch "Erlanger Modell" genannt wird, ist ein Vorläufermodell für einen künftigen islamischen Religionsunterricht. Mittlerweile nehmen an diesem Schulversuch über 360 Schulen in Bayern teil.Das seit 2009 laufende Projekt "Islamischer Unterricht", wurde nun auch in der Kabinettssitzung letzte Woche um zwei weitere Jahre verlängert. Das teilte der Bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus, Michael Piazolo (Freie Wähler) mit.

Ein Grund hierfür sei, dass die Zwischenbewertung des Projektes sehr positiv ausgefallen sei. Der Schlussbericht über das Versuchsmodell wird nun mit Spannung erwartet.

Geplant ist nun, dass es in den folgenden zwei Jahren für das Wahlpflichtfach parallel ein Gesetzgebungsverfahren mit einer"maßvolle Erweiterung" des Islamischen Unterrichts geben soll. Hier werde nach regionalem Bedarf entschieden, wo dies nötig und sinnvoll sei. Bayernweit unterrichteten bisher 93 Islamlehrer.

Konfrontation in den Medien

Auch Schulleiter Deinzer würde es begrüßen, wenn sich der Islamunterricht etablieren würde. "Viele unserer Schüler haben muslimische Freunde oder sie werden in den Medien damit konfrontiert", sagt er. Sie sollen während des Unterrichts wesentliche Elemente des islamischen Lebens verstehen lernen und islamische Einflüsse auf die eigene Kultur entdecken.

Im Lehrplan für das Gymnasium steht hierzu beispielsweise: "Die Heranwachsenden erfahren, dass aus christlicher Sicht trotz unterschiedlicher religiöser Weltdeutung und bestehender Probleme ein friedliches Zusammenleben der Religionen in wechselseitiger Toleranz möglich ist."

Islam in Schulen unterrichten

Die Lehrpläne müssen sowohl von kirchlicher, als auch staatlicher Seite genehmigt werden, erklärt Deinzer. Im Islam sei das etwas schwieriger, weshalb es auch noch keinen konkreten Ansprechpartner hierfür gibt, sagt er. Und weiter: "Ich finde, es ist besser, wenn bei uns im Unterricht jemand etwas über eine Religion lernt, als womöglich in irgendeiner Gruppe, die vielleicht radikale Ansichten hat."

Weiterer Aspekt: Globalisierung

Außerdem sei dieses Wissen für das Verständnis für andere Glaubensrichtungen, als auch die Dialogfähigkeit von großer Wichtigkeit. "Durch die Globalisierung sind solche Themen auch noch wichtiger geworden. Wenn ein Schüler zum Beispiel in ein anderes Land reist oder im Berufsleben geschäftlich nach Marokko muss, dann sollte er zumindest etwas über die Gepflogenheit und die Religion dort wissen", erklärt Schulleiter Deinzer.

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