Himmelkron

Investor macht Rückzieher

"Jetzt soll die Gemeinde den Hut auf haben", sagt die Firma aus Hannover, die das Gewerbegebiet in Himmelkron "Nördlich der B 303" entwickeln wollte. Der Gemeinderäte hält jedenfalls an den Überlegungen fest.
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Die Gemeinde Himmelkron hält am Gewerbegebiet "Nördlich der B 303" fest - auch wenn der bisherige Investor sich dort aktuell nicht aktiv einbringen will.  Foto: Archiv/Alexander Hartmann
Die Gemeinde Himmelkron hält am Gewerbegebiet "Nördlich der B 303" fest - auch wenn der bisherige Investor sich dort aktuell nicht aktiv einbringen will. Foto: Archiv/Alexander Hartmann

Auch nach dem knappen Ausgang des Bürgerentscheids zugunsten der Planungen für das Gewerbegebiet "Nördlich der B 303" Ende Mai kommt das Projekt nicht recht voran. Nun hat der Investor, die bauwo Grundstücksgesellschaft mbH aus Hannover, signalisiert, dass man der Gemeinde erst einmal freie Hand geben wolle.

Das sei kein Rückzug, sagt Geschäftsführer Bernhard Rückert. Er könne sich durchaus vorstellen, dass er später bei der Erschließung der Flächen wieder Partner der Gemeinde sein könne, gegebenenfalls auch Käufer.

Zusagen ohne Absprache

Rückert bedauerte im Gespräch mit der BR, dass "die Gemeinde die Parameter nie klar gezogen hat". Sie habe im Vorfeld des Bürgerentscheids "Zusagen gemacht, die nicht mit uns abgesprochen waren". Darüber hinaus sei man sich nach wie vor über die gesamte Erschließung "weiter im Unklaren".

Daher habe er in einem Gespräch mit dem Bürgermeister und Teilen des Gemeinderats klar signalisiert, dass er erst im nächsten Schritt wieder dazukommen wolle - wenn alles klarer sei.

Die Gemeinde Himmelkron müsse sich auch vor Augen führen, dass sie im Wettbewerb stehe, wiederholte Rückert ein Argument aus der Podiumsdiskussion, die die BR im April zu dem Thema organisiert hatte. Wenn es in Thurnau, Münchberg oder Bayreuth marktgerechtere Preise gebe, werde sich kaum jemand finden, der sich ansiedeln wolle. Daher sei die Lösung der Erschließungsfrage entscheidend.

In der Gemeinderatssitzung am Dienstag entschied sich der Gemeinderat jedenfalls nach längerer Beratung gegen die Stimmen von Peter Aßmann, Rudi Gumtow und Ottmar Schmiedel (alle SPD) dafür, weitere Schritte einzuleiten. Nachdem die Verträge des Investors mit den Grundstückseigentümern auslaufen, soll die Verwaltung Absichtserklärungen einholen, ob die Eigentümer weiter einem Verkauf ihrer Flächen zustimmen.

Gespräch mit Behörden

Der Bürgermeister berichtete, man habe zwischenzeitlich erneut mit Vertretern des Staatlichen Bauamts und der Autobahndirektion gesprochen. So gebe es bereits Überlegungen, wie der Kreuzungsbereich an der B 303 optimiert werden kann. Einig waren sich die Gemeinderäte, dass die Verkehrserschließung entscheidend für eine mögliche Realisierung des Gewerbegebiets ist. Alfons Lauterbach (FW) brachte zudem die Beseitigung des Oberflächenwassers in die Diskussion. Sein Fraktionskollege Manuel Gumtow schlug noch eine Bedarfsabfrage bei möglichen Interessenten vor, auch könnte das Gebiet abschnittsweise erschlossen werden. Schließlich waren sich die Fraktionen von CSU-FWG und FW einig, zunächst weitere Gespräche mit den Behörden zu führen und ein Verkehrskonzept auf den Weg zu bringen. Hinsichtlich einer Rückhaltung des Oberflächenwassers soll das Wasserwirtschaftsamt Hof eingeschaltet werden.

Bürgermeister Gerhard Schneider hatte zunächst daran erinnert, dass der Punkt in der Juli-Sitzung auf Wunsch der SPD abgesetzt worden sei. "Ich hatte die Fraktionen gebeten, eigene Überlegungen anzustellen und die Vorschläge im Rathaus abzugeben." Nun sei er enttäuscht, dass lediglich Hans Matussek (CSU-FWG) der Bitte gefolgt sei und sich Gedanken über das weitere Vorgehen gemacht habe.

Für Wilhelmine Denk, Sprecherin der Bürgerinitiative gegen das Gewerbegebiet, kommt der Rückzug des Investors nicht überraschend. "Er war Ende Juli mal da. Da wurde wohl alles noch mal besprochen", sagte sie gestern der BR. In der Gemeinderatssitzung habe sie den Eindruck gewonnen, als ob die Gemeinde das Gewerbegebiet dennoch auf jeden Fall durchsetzen wolle. Man habe einen Auftrag vom Wähler, so habe Bürgermeister Gerhard Schneider unter anderem argumentiert.

Gespräch im August

Die Bürgerinitiative sei Anfang August beim Bürgermeister vorstellig geworden, um ihre Argumente gegen ein solches Gewerbegebiet noch einmal vorzutragen. "Aber die will man offensichtlich nicht hören." Die Bürgerinitiative halte an ihrer Ablehnung des Gewerbegebietes an der B 303 fest, betonte Wilhelmine Denk. Die Wirtschaft befinde sich allgemein auf Talfahrt, die Leute realisierten allmählich, dass mit Blick auf den Klimaschutz kein endloses Wachstum mehr möglich sei. "Nur in Himmelkron begreift man das nicht."

Zu bedenken gibt Wilhelmine Denk, dass das Interesse an einem neuen Gewerbegebiet womöglich schnell nachlassen könne. Die Grundstückspreise seien mittlerweile gestiegen. Einschließlich Erschließung sei mit etwa 100 Euro pro Quadratmeter zu rechnen. "Es ist die Frage, ob sich dann überhaupt jemand ansiedeln will."

Auch die Bürgerinitiative habe einen Wählerauftrag, so die Sprecherin mit Blick auf das seinerzeit denkbar knappe Abstimmungsergebnis im Mai. "Im Vorfeld der Kommunalwahl werden wir entsprechend reagieren."

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