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Bad Staffelstein

Intensive "Brautwerbung" hatte Erfolg

Alexander Wolz zeigte Hintergründe des Beitritts Coburgs zu Bayern vor 100 Jahren.
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Treffen bayerischer und Coburger Vertreter im Dezember 1919 zur Vorbereitung des Beitritts Repro: M. Deller
Treffen bayerischer und Coburger Vertreter im Dezember 1919 zur Vorbereitung des Beitritts Repro: M. Deller

Hochschulstandort, Landestheater, Sambafestival - Coburg gehört zu den das Frankenland und somit Bayern prägenden Städten. Auf eine spannende Reise in eine Zeit, die für die Vestestadt eine neue Ära einleitete, nahm Alexander Wolz die Zuhörer im CHW-Vortrag mit im Stadtmuseum beim Vortrag "Liebesheirat oder Zweckecke - der Beitritt Coburgs an Bayern vor 100 Jahren". Mehr als 50 Zuhörer wollten darüber mehr erfahren. Dem Referenten ist als Leiter des dortigen Staatsarchivs die geschichtliche Entwicklung Coburgs bestens vertraut.

Schon das Jahr 1918 mit der Ausrufung des Freistaats Bayern hatte einschneidende Wirkung auf Coburg und die Region. Der letzte regierende Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, Carl Eduard, musste zurücktreten, das Herzogtum erlosch und es entstanden zwei Freistaaten Sachsen-Gotha und Coburg.

Gotha wurde im weiteren Verlauf thüringisch, und das wäre auch bei Coburg keine Überraschung gewesen im Verbund mit benachbarten Kleinstaaten. Jedenfalls bedingte das Ende der Monarchie, dass der Freistaat Coburg wieder eine stabile Staatsgewalt benötigte und allein auf sich gestellt wohl nicht überlebensfähig sein würde.

Die Coburger hatten auch gute Beziehungen zu Preußen, etliche Coburger sympathisierten mit einem Beitritt: Doch Preußen erstickte diese Option durch eine Absage im Keim.

Historisch betrachtet waren es gleich eine Reihe von Gedankengängen, Bestrebungen und Faktoren, die schließlich in den Beitritt Coburgs zu Bayern mündeten. Zum einen äußerte sich Bayerns Ministerpräsident Kurt Eisner schon frühzeitig sehr wohlwollend in dieser Richtung. Zudem war Preußen nicht bereit, seine auf thüringischem Terrain liegenden Gebiete zur Verfügung zu stellen.

Der Freistaat Coburg vertrat die Auffassung, dass Thüringen ohne die preußischen Teile nicht überlebensfähig sei. Auch einflussreiche Personen im Coburger Land sprachen sich für die immer stärker in den Fokus rückende bayerische Beitrittsoption aus, so etwa der Fabrikant Max Oskar Arnold.

Einen bedeutenden Schritt stellten die Gespräche im Sommer 1919 in Bamberg über die neu zu bildende Verfassung des Freistaats Bayern, der auch eine Coburger Delegation beiwohnte. Nach wenigen zur Beitrittsfrage gehaltenen Verhandlungsrunden akzeptierte die bayerische Regierung die vom Freistaat Coburg als Maßgabe für einen Beitritt zu Bayern geforderten Gegenleistungen und Besitzstandgarantien, in der Historie als "Bamberger Stipulationen" bezeichnet.

Unter anderem waren das der Erhalt des bisherigen Hoftheaters sowie aller in der Obhut der Landesstiftung befindlichen Kulturgüter, die Beibehaltung der staatlichen Bildungsanstalten und der Garnison sowie eine Reihe Punkte wie "das Hinwirken des bayerischen Staates auf den Bau einer Eisenbahnstrecke zwischen Rodach und Königshofen. Dieses sehr positive Signal aus Bayern verlieh den Bestrebungen Coburgs, Teil des Freistaats Bayern zu werden, ersten Rückenwind. "Es war quasi Liebe auf dem ersten Blick", beschrieb der Referent die Situation passend zu damaligen Malereien, die den Freistaat Coburg und den Freistaat Bayern als Brautpaar zeigen. Um im Bild zu bleiben: Auch von Bayern wurde Coburg als gute Partie angesehen mit seiner Bedeutung und den Kunstschätzen.

Als "geschickten Schachzug" des Freistaats Coburgs titulierte Wolz die Volksabstimmung am 30. November 1919. Es handelte sich um die erste freie Volksabstimmung in Deutschland, der eine sehr gute Wahlbeteiligung von 75 Prozent beschieden war. Und der Plan ging auf: 88,11 Prozent der Wähler votierten gegen Thüringen - und somit im Folgeschluss für einen Beitritt zu Bayern. Damit war die Sache aber noch nicht "gegessen", denn die Volksabstimmung war nicht bindend. Es brauchte einen Staatsvertrag.

Schwerer Start

Die Verhandlungen Anfang 1920 gestalteten sich anfangs schwierig, aber am 14. Februar 1920 wurde der Staatsvertrag unterzeichnet. Auch als im März als logische Konsequenz die Ratifizierung durch den bayerischen Landtag beziehungsweise die coburgische Landesversammlung erfolgt war, war das Ganze nicht in trockenen Tüchern: Voraussetzung war ein Gesetz auf nationaler Ebene. Der Entwurf fand schließlich am 23. April 1920 die Zustimmung der Nationalversammlung. Reichspräsident Friedrich Ebert legte den 1. Juli 1920 als Zeitpunkt des Inkrafttretens fest.

Bei seiner intensiven "Brautwerbung" in Richtung Bayern strebte Coburg übrigens bewusst eine "monogame Beziehung" an. Das verdient Erwähnung, da auch der aus dem ehemaligen Herzogtum entstandene Freistaat Sachsen-Meiningen - der sich schließlich für Thüringen entschied - s einen Beitritt zu Bayern erwogen hatte. Durch die dadurch vermutlich bessere Ausgangsposition hatte der Freistaat Coburg bei seinem Flirt mit Bayern Meiningen außen vor gelassen.

Coburg war also nun Teil Bayerns. Nach zugegebenermaßen dann doch anfangs etwas holprigem Start sei Coburg nach dem Zweiten Weltkrieg gut in Bayern "hineingewachsen", so der Referent im Schlussteil seiner mit verdientem Applaus bedachten Rede. Seitdem wird in Coburg regelmäßig bei Jubiläen an den Beitritt 1920 erinnert.

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