Kronach

Inspekteure mit Argusaugen

Als einer der wenigen Lebensmittelbehörden in Bayern hat der Landkreis Kronach die Quote an Kontrollen im vergangenen Jahr erfüllt - trotz ständig neuer Vorschriften.
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Als Betreiber des Kronacher "Appel's Max" muss Jörg Sonnenschein die Verwendung seiner Lebensmittel dokumentieren. Dazu zählt auch, wenn Aushilfe Milina Will Nudeln gegessen hat.  Foto: Sandra Hackenberg
Als Betreiber des Kronacher "Appel's Max" muss Jörg Sonnenschein die Verwendung seiner Lebensmittel dokumentieren. Dazu zählt auch, wenn Aushilfe Milina Will Nudeln gegessen hat. Foto: Sandra Hackenberg
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Wegen seiner Liebe zum Kochen ist Jörg Sonnenschein Gastronom geworden. Doch immer häufiger sitzt der Besitzer der Kronacher Traditionsgaststätte "Appel's Max" am Schreibtisch und führt Buch, anstatt in der Küche Schnitzel zu klopfen und deftige Bratensoßen anzurühren. Denn auch wenn Sonnenschein nie weiß, wann ein Lebensmittelkontrolleur zur Tür hereinschneit, ist er einer Sache sicher: "Die nächste Kontrolle kommt bestimmt - im Schnitt einmal pro Jahr."

Der Landkreis Kronach ist einer von lediglich 21 Lebensmittelbehörden in Bayern, die im vergangenen Jahr die vorgeschriebene Quote an Lebensmittelkontrollen erfüllen konnte. Das geht aus der aktuellen Foodwatch-Studie hervor. Von insgesamt 96 Landkreisen und kreisfreien Städten im Freistaat konnten laut dem Bericht 57 die geforderte Quote nicht erfüllen, bei weiteren 18 Behörden bleibt unklar, ob genügend Kontrollen stattgefunden haben.

"Ich habe bei uns in der Region keine Bedenken, dass nicht ausreichend kontrolliert wird", berichtet die stellvertretende Vorsitzende der Dehoga-Kreisstelle Kronach, Kerstin Bär. Ihr Hotel-Gasthof Wasserschloss in Mitwitz werde in regelmäßigen Abständen überprüft, das letzte Mal vor zwei Jahren. "Da hatten wir eine neue Spüle bekommen und in der Wand war noch ein kleines Loch von der alten", erinnert sich die Geschäftsführerin. "Wir wurden darauf hingewiesen, das zu schließen, was wir auch gemacht haben. Die schauen schon genau hin." Selbst auf dem Mitwitzer Weihnachtsmarkt hätten die Kontrolleure überprüft, ob die Imbissbuden die Lebensmittel- und Hygienestandards erfüllen.

Da die Kontrolleure "ihre" Betriebe gut kennen, können sie laut Bär gut einschätzen, wo ein Besuch alle paar Jahre reicht und wo sie doch etwas genauer hinschauen müssen: "Wenn sie Mängel finden, setzen sie eine Frist und schauen ein paar Wochen später nach, ob diese beseitigt wurden." Das findet Bär auch gut: "Es ist schön, zu wissen, das für alle Mitbewerber die gleichen Vorschriften gelten." Das kann auch Sonnenschein bestätigen. Die steigende Bürokratie sei zwar manchmal lästig, gibt er zu. "Doch es ist gut, dass es diese Auflagen gibt und überprüft wird, ob sie auch eingehalten werden."

Ständig neue Vorschriften

Kontrolleure und Gastronomen sehen sich gleichermaßen ständig mit neuen Vorschriften konfrontiert: Für das Wischen der Fußböden und Arbeitsflächen, das Putzen der Toiletten, die Reinigung der Lüftungen oder wann eine Aushilfe Nudeln mit Tomatensoße gegessen hat - für gefühlt alles gibt es eine Tabelle, die gepflegt werden will.

"Wir bräuchten eigentlich jemanden, der nichts anderes macht, als das alles zu dokumentieren", fasst Sonnenscheins Ehefrau Jenny scherzhaft zusammen. Hinzu kommen all die Hygienevorschriften vom richtigen Desinfizieren bis hin zur exakten Temperatur beim Lagern der Lebensmittel oder das Einhalten der Kühlkette. "30 Jahre haben wir unsere Wein- und Schnapsflaschen im Keller gelagert und es hat niemanden gestört", erinnert sich Bär. "Vor ein paar Jahren wurde uns dann mitgeteilt, dass wir die Wände ordentlich verputzen müssen." Sie habe dem Kontrolleur erwidert, dass eine solche Baumaßnahme erst während des Betriebsurlaubs möglich ist. "So haben wir das auch gemacht - und dann war die Sache auch abgehakt."

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