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Bischwind bei Heilgersdorf

"Inneren Schweinehund" besiegt

Christian Birke aus Bischwind ist stolz aus Nizza zurückgekehrt. Er hat einen unvergesslichen Wettkampf in den Knochen und freut sich jetzt auf seinen nächsten sportlichen Höhepunkt: Der 35-Jährige startet beim Ironman auf Hawaii
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Pech hatte Triathlet Christian Birke bei der Mitteldistanz-WM in Nizza: Zwei Raddefekte warfen den Bischwinder weit zurück. Dass er sich überhaupt die Finisher-Medaille umhängen konnte und das von vielen Stürzen überschattete Rennen verletzungsfrei überstand, wertete der 35-Jährige als Erfolg. Jetzt richtet sich sein Fokus voll auf Hawaii. Foto: privat
Pech hatte Triathlet Christian Birke bei der Mitteldistanz-WM in Nizza: Zwei Raddefekte warfen den Bischwinder weit zurück. Dass er sich überhaupt die Finisher-Medaille umhängen konnte und das von vielen Stürzen überschattete Rennen verletzungsfrei überstand, wertete der 35-Jährige als Erfolg. Jetzt richtet sich sein Fokus voll auf Hawaii. Foto: privat

"Was für ein Rennen!" Triathlet Christian Birke, gerade frisch aus Nizza zurückgekehrt, steht noch immer unter dem Eindruck der Ironman 70.3 WM. Von dem harten Fight werde er noch in Jahren erzählen, davon ist der Bischwinder überzeugt. "Ich bin überglücklich, überhaupt die Finishline erreicht zu haben", sagt Birke.

Mitten in seiner Vorbereitung für den Ironman auf Hawaii konnte sich der 35-Jährige an der Côte d'Azur auf der halben Distanz mit den besten Triathleten seiner Altersklasse messen.

Optimaler Härtetest

Die 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und der abschließende Halbmarathon (21,1 km) sollten als Härtetest mehr als taugen. Dabei fing es an dem Sonntag gut an: "Die Schwimmdisziplin lief hervorragend, bis auf zwei kleine Verschwimmer", berichtet der Altersklassen-Athlet, "die Pace war konstant und ich konnte gut aktivieren".

Nach 30:30 Minuten kam Birke aus dem Wasser und stieg aufs Rad um. "Anfangs fand ich einen guten Rhythmus", so der 35-Jährige, trotz des brutal steilen Anstiegs zu Beginn.

"Butterweiches" Hinterrad

Doch bei Kilometer 20 "beginnt das Dilemma", wie er es ausdrückt: "Bei einem kurzen Anstieg ging ich aus dem Sattel und wollte schnell über die Bergkuppe, als es plötzlich am Hinterrad butterweich wurde. Fortan hörte ich nur ein Klicken und mein Hintermann rief "Your Wheel" Birke stieg ab und sah, dass eine Speiche gebrochen war.

"Nicht so schlimm, dachte ich mir, denn mit einem Zahn weniger im Mund kann man auch noch gut essen", schildert der Triathlet mit einem Schmunzeln seine Gedanken. Er spannte das Hinterrad wieder ein und fuhr langsam an. Bei einer leichten Bergab-Passage hörte er plötzlich einen lauter Knall. Ein Reifenschaden! "Aber auch davon ließ ich mich nicht abhalten", fährt Birke fort. Mit Fahrrad und in seinen Radschuhen lief er den Col de Vence hinauf. "Bei jeder Kreuzung rief ich ,I need a mechanic!'"

Wie ein angestochenes Huhn...

Birke hatte Glück. Der gewünschte Mechaniker fand sich und das Hinterrad konnte gewechselt werden. Wie ein angestochenes Huhn habe er darauf in die Pedale getreten und sei die Serpentinen des Col hinauf gefahren. "Die anschließende technisch anspruchsvolle Abfahrt verlangte mir alles ab. In fast jeder Kurve sah ich einen gestürzten Athleten liegen", sagt Birke. Sein einziges Ziel: "Heil ins Ziel kommen!"

Schwerer Sturz von Dreitz

Dies gelang ihm, allerdings beendete er die zweite Disziplin wegen der Pannen erst nach fast drei Stunden (2:55). Zu den Gestürzten zählte im Profirennen auch Andreas Dreitz, der in einer Steilpassage die Kontrolle über sein Rad verlor. Im Krankenhaus mussten die Hautverletzungen des Michelauers versorgt und genäht werden. Knochenbrüche erlitt Dreitz glücklicherweise nicht.

In dem Wissen "heute nichts mehr reißen zu können", lief Birke nach kurzer Absprache mit seinem Coach Swen Sundberg den folgenden Halbmarathon "in der besten Trainingspace für Kona". Indem er die Laufstrecke nur noch als Training für Hawaii ansah, verfehlte der Aktive der DJK Teutonia Gaustadt sein ursprüngliches Ziel, seine Bestzeit von 1:25 Stunden für den Halbmarathon in Nizza zu unterbieten. Egal, letztendlich richtet sich sein Fokus längst auf den Saisonhöhepunkt am 12. Oktober auf Big Island, für den sich der 35-Jährige erstmals qualifiziert hat.

Und sein Training scheint zu passen, denn mit 1:29 Stunden übertraf er nur knapp seine Bestmarke. Birkes Gesamtzeit lag geringfügig über der Fünf-Stunden-Marke (5:01). Zum Vergleich: Der Überraschungssieger Gustav Iden (Norwegen) bei den Profis erreichte das Ziel nach 3:52:35 Stunden, als bester Deutscher landete Sebastian Kienle mit 4:00:18 auf Platz 5. Enttäuscht von seiner Leistung zeigte sich Mitfavorit Patrick Lange, der erst nach 4:11:18 als 22. finishte.

"Ich habe nichts auf die Kette bringen können, es war Kraut und Rüben", äußerte sich der amtierende Ironman-Weltmeister nachher.

Was bleibt Birke von Nizza am meisten in Erinnerung? "Die Finisher-WM-Medaille war meine bisher am härtesten erkämpfte Medaille", antwortet er. Der Dank des Triathleten gilt allen Anfeuernden, Unterstützern und Daumendrückern. Zu dem stattlichen Trupp, der ihn nach Nizza begleitete, gehörten auch Freundin Julia Götz und Vater Klaus. Sollte es dem Bischwinder gelingen, auch auf Hawaii ins Ziel zu kommen, dürften 226 Leidens-Kilometer, die er dort absolvieren muss, die Mühen von Nizza noch übertreffen.

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