Gädheim
Himmlische Aussichten

Innere Stärke zeigt sich im Vertrauen zu Gott

Der Stärkere gewinnt! Nach dieser Parole läuft vieles in unserer Welt. Schaut man nur in die Politik, findet man ständig Leute, die zeigen wollen, dass sie die Stärksten, Klügsten und Erfolgreichsten ...
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Günter Schmitt
Günter Schmitt

Der Stärkere gewinnt! Nach dieser Parole läuft vieles in unserer Welt. Schaut man nur in die Politik, findet man ständig Leute, die zeigen wollen, dass sie die Stärksten, Klügsten und Erfolgreichsten sind. Und dabei ist oft nicht sehr viel hinter der scheinbar so starken Fassade.

Auch in unserer Gesellschaft ist "Schwäche" nicht attraktiv. Da sind Arbeitslose ganz schnell "Schmarotzer", Kinder sind ein "Karrierehindernis", Alte und Kranke sind eine "Sozialbelastung". Der Schwache kommt in unserer Welt - ruckzuck - unter die Räder. Wer will schon schwach sein? Schwachsein ist unmodern, weil es bedeutet, dass ich die Hilfe anderer brauche. Und das zählt heutzutage nicht oder nur wenig. Ein beredtes Beispiel ist das Verhalten mancher Zeitgenossen bei Unfällen. Wenn der Unfall das eigene Fortkommen stört, wird mal schnell die Rettungsgasse zugefahren, oder die Hilfsdienste werden unflätig behandelt, weil sie "Schwachen" helfen.

Dabei braucht jeder von uns den anderen. Deshalb ist es auch kein Zeichen von Schwäche, seine eigene Schwäche zu erkennen und zu ihr zu stehen, sondern eher ein Zeichen von innerer Stärke. Um diese zu gewinnen, braucht es eine gute Selbsterkenntnis und vor allem auch Anerkennung, Zuspruch, Herausforderung, Zutrauen. Es braucht den anderen, der mir Vertrauen schenkt, der mir durch Worte, Zeichen oder Gesten zeigt, dass ich liebenswert bin. Nur durch den anderen werde ich zu einer starken, die eigenen Schwächen akzeptierenden Person. Christen nehmen hierbei auch Gott mit hinein und sagen, dass er uns beisteht, damit wir wirklich Mensch werden können. Echte, richtig starke Menschen brauchen kein Twitter, kein Facebook, kein Album mit "Mein Auto, mein Schwimmbad, meine Ferienwohnung...". Richtig starke Menschen vertrauen darauf, dass sie von Gott und von anderen getragen und begleitet sind und ohne das nicht auskommen. Und in diesem Vertrauen nehmen sie ihr Leben in die Hand und bewältigen es, mit allen Höhen und allen finsteren Tälern.

In dieser Haltung entwickeln Menschen auch eine klarere Sicht auf die Dinge ihres Lebens und der Welt. Sie nehmen sich selbst nicht ganz so wichtig, sie merken, dass sie eingebunden sind in die Zeit und dass sie nicht nur für sich da sind, sondern Verantwortung haben für die Welt und ihre Zukunft.

Wer nur seine eigene "Stärke" feiert, merkt oft nicht, wie arm (-selig) er sich verhält. Wer immer nur das "Recht des Stärkeren" für sich reklamiert, wird irgendwann an seiner eigenen Überforderung scheitern. Wer seine Schwachheit erkennt, wach damit umgeht und sich rückbindet an andere und an Gott, wird es zu ungeahnter Stärke bringen.

(Günter Schmitt ist katholischer Dekanatsreferent.)

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