Herzogenaurach —  - Sieben junge Inderinnen von STOP Familyhome Asshray aus Delhi tragen bunte Kleidung und tanzen in der Evangelischen Kirche, sie präsentierten tänzerisch die Vielfalt der Kulturen Indiens. Anlass für den Besuch der jungen Inderinnen ist die "Kinderkulturkarawane", die auf ihrer Tournee in Herzogenaurach Station machte. "Die jungen Tänzerinnen zeigen die Vielfalt der indischen Kulturen wie einen Strauß bunter Blumen und versprechen mit Flowers of India einen Abend für die Sinne", kündete Ruth Niewerth vom Freundeskreis die Künstlerinnen an.


Viele Facetten

In den Tanzpausen und beim Kostümwechsel wurden die Tänze aus den verschiedenen Landesteilen erklärt, wobei die Moderatorin die Besucher bat, besonders auf die Bewegungen, Hände und Füße der Tänzerinnen zu achten, denn die Gestik und Bewegungen erzählen eine Geschichte. So verfügt der klassische indische Tanz über viele Facetten. Jede Region, jede Volksgruppe hat ihre eigenen Tänze, von Volks- und Ritualtänzen bis hin zu komplex choreographierten Gruppentänzen.


Übergreifende Tanzkultur

Trotz dieser Vielfalt gibt es eine übergreifende Tanzkultur. Sie zeigt sich in vielen Gemeinsamkeiten des Bewegungsrepertoires und der mythologischen Stoffe. Der klassische indische Tanz handelt von Göttern und Dämonen, Helden und Schurken, Prinzen und Prinzessinnen. Dominierendes übergreifendes Element in allen klassischen Tänzen ist die Sprache des Körpers: Mit Gesten, Blicken, Sprüngen und Pirouetten zeigt sie Liebe, Vergnügen, Mut, Sorge, Furcht, Zorn, Entschlossenheit, Verwunderung, Abscheu, erzeugt sie Stimmungen und Emotionen. Diese Körpersprache beruht auf einer alten, ausgefeilten Tanztheorie, die in der Welt ihresgleichen sucht.


Leidenschaft und Lebensfreude

Die begeisterten Besucher bekamen klassische Tänze in farbenfrohen Kostümen aus unterschiedlichen Regionen ebenso zu sehen wie Bollywood-Choreographien. Wobei letztere eigentlich als eine Bezeichnung für die Filmindustrie in Mumbai ehemals Bombay darstellen. Die Verbindung von Theater, Gesang und Tanz ist in Indien seit Jahrtausenden üblich und wurde auch in den Film übernommen. Ob Liebes- oder Actionfilm - Tanz gehört immer dazu. Mal traditionell, mal modern, oft wagemutig gemixt. Die jungen Künstlerinnen brachten ihre Darbietungen mit großer Leidenschaft und Lebensfreude auf die Bühne der Kirche. Tanz und Gesang spielen seit Gründung des STOP-Familyhome eine wichtige Rolle. Die Tanzgruppe ist ein Teil von STOP, einer gemeinnützigen Organisation aus Indien. STOP befreit Kinder beispielsweise aus Menschenhandel und Zwangsprostitution und unterstützt sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Auch die jungen Inderinnen, die in Herzogenaurach tanzten, haben Gewalterfahrungen überlebt.


Kampf gegen Kinderhandel

Die indische Organisation STOP kämpft seit 1998 gegen Kinderhandel und Zwangsprostitution. Mehr als 2 000 Mädchen konnten bereits befreit werden und der "Freundeskreis STOP e.V." unterstützt finanziell und ideell. Wie die Moderatorin erklärte beginnt mit der Befreiung die eigentliche Arbeit: Reintegration, Rückführung in die Familien oder die Entwicklung von Perspektiven für die Mädchen.Dies geschieht seit 2002 im "Family Home Aashray", in dem bis zu 60 junge Frauen in Kurz- oder Langzeitbetreuung Platz finden. Dort erhalten sie psychische und medizinische Behandlung. Schulische Defizite werden aufgeholt. Außerdem gibt es Angebote in Handarbeit, Kochen, Tanzen, Gesang, Dramaturgie und Kampfsport. Präventiv arbeitet STOP in einem Slum in Neu Delhi und einigen ländlichen Projekten in Bengalen.