Zeil am Main

In Zeil endet die Köpenick-Ära

Nach dem Tod des Gründers und Sammlers Gerhard Binder wurde das Fotomuseum geschlossen. Ein Teil der Exponate wird künftig im Kameramuseum in Plech ausgestellt. Was passiert mit einem legendären Polizei-Apparat aus Berlin?
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Bei einer Fotobörse 2011 präsentierte Gerhard Binder die "Hauptmann von Köpenick"-Kamera am Museum. Die historische Kamera wird jetzt in Zeil nicht mehr zu sehen sein.  Foto: ks
Bei einer Fotobörse 2011 präsentierte Gerhard Binder die "Hauptmann von Köpenick"-Kamera am Museum. Die historische Kamera wird jetzt in Zeil nicht mehr zu sehen sein. Foto: ks
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Klaus Schmitt Schade. Viele Jahre gab es eine besondere Verbindung zwischen Zeil und dem Berliner Stadtteil Köpenick. Im Fotomuseum, das im Caritashaus seine Schätze aus der Welt der Fotografie zeigte, stand die Kamera, mit der der legendäre - echte - "Hauptmann von Köpenick" einst von der Polizei in der heutigen Bundeshauptstadt Berlin erkennungsdienstlich fotografiert worden war. Das ist nun Geschichte, denn das Fotomuseum wird aufgelöst. Mit dem Tod des Sammlers und Initiators Gerhard Binder endet auch die Ära des Fotomuseums. Die "Hauptmann von Köpenick"-Kamera ist nicht mehr in Zeil zu sehen.

Etwa 25 Jahre gab es das Zeiler Foto- und Filmmuseum im Caritashaus. Es bestand im Wesentlichen aus den Exponaten, die der Zeiler Arzt Gerhard Binder im Laufe seines Lebens zusammengetragen hatte. Vor einigen Monaten starb Gerhard Binder im Alter von 62 Jahren; im Herbst entschied der Zeiler Stadtrat, das Museum offiziell zu schließen und aufzulösen.

Ein Teil der Exponate ging bereits an das Deutsche Kameramuseum nach Plech, wie Kurt Tauber vom Museum in Plech bestätigte. Ein Teil der Exponate wurde an Sammler verkauft, und am Sonntag, 17. März 2019, werden die letzten Bestände - es sind noch Tausende Gegenstände aus der Welt der Fotografie - auf der letzten Börse angeboten.

Zuletzt hatte sich Binder krankheitsbedingt nicht mehr im gewohnten Umfang seinem Museum widmen können, und die Schar der Helfer wurde immer kleiner. Es war nur noch ein Diensttuender da, erzählt Bürgermeister Thomas Stadelmann. Und: "Es war kaum mehr Interesse da."

Der Arzt übertrug das verbliebene Inventar 2016 an die Stadt. Nach dem Tod des Museumsgründers sah sich der Stadtrat aber außer Stande, den Fortbestand des Museums aus personellen und fachlichen Gründen zu sichern. Stadelmann bedauert die Schließung, aber eine andere Lösung gebe es nicht. Für den Bürgermeister ist wichtig, dass im Sinne Gerhard Binders wertvolle Exponate weiterhin gezeigt werden, eben im Deutschen Kameramuseum in Plech.

Bürgermeister Thomas Stadelmann und die Fachleute vom Deutschen Kameramuseum sowie Ulrich Möller aus Litzendorf, ein guter Freund Binders und früherer Fotohändler, wurden mit der "Abwicklung" des Museums betraut. Binder war es auch, der den Plecher Museumsleiter Kurt Tauber vor Jahren ausdrücklich zur Gründung in Plech ermuntert hatte: Tauber wollte nach eigenen Angaben angesichts des mit Pretiosen vollen Zeiler Museums seine ehrgeizigen Pläne vom "eigenen" Museum aufgeben, doch Binder ermunterte ihn: "Fang einfach mal an! Du wirst sehen, dass dir dann die schönsten Exponate nur so zufliegen." Und so war es dann auch, bestätigt Kurt Tauber in einem Schreiben an unserer Redaktion.

Das Deutsche Kameramuseum möchte helfen, das Andenken an das Zeiler Fotomuseum aufrechtzuerhalten: zum einen durch eigene Seiten auf der Homepage (www.kameramuseum.de/zeil) und zum anderen durch die prominente Platzierung der Neuzugänge aus dem aufgelösten Museum. Das Plecher Museum startet die neue Saison am Sonntag, 4. Februar, um 11 Uhr mit einer Sonderausstellung mit Exponaten aus dem aufgelösten Zeiler Museum. Der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann will dann die Exponate offiziell an die Plecher Einrichtung übergeben.

Wird bei diesen Exponaten auch die "Hauptmann von Köpenick"-Kamera dabei sein? Diese Frage ließ sich bisher nicht beantworten. Fest steht nur, dass das besondere Exemplar in Zeil nicht mehr zu sehen sein wird.

Gerhard Binder hatte die Polizeikamera, mit der einst die erkennungsdienstlichen Fotos von Wilhelm Voigt, dem "Hauptmann von Köpenick", gemacht wurden, für das Fotomuseum gekauft. Vor weit über hundert Jahren hatte die Kamera den gebürtigen Ostpreußen vor der Linse, der bekannt ist für seinen unglaublichen Coup. Der Schuster Wilhelm Voigt wurde mit seinem Schelmenstreich als "Hauptmann von Köpenick" unsterblich. Seine besondere Geschichte bleibt als Buch und Film der Nachwelt erhalten.

Wie kam Gerhard Binder an die Kamera? Als Gerhard Schröder Kanzler wurde, brauchte der Bund Geld, schilderte Binder vor einigen Jahren unserer Redaktion. "Da haben die Polizeiinspektionen im Land ihre Keller ausgemistet." So landete das Teil in Köln auf dem Tisch eines Auktionshauses, wurde aber von den Bietern verschmäht. Beim Nachverkauf schlug Binder zu. Da werden dann die Artikel, auf die nicht geboten wurde, ein weiteres Mal zum Verkauf angeboten. Zu Binders Ausbeute gehörten sogar die Originalaufnahmen von Wilhelm Voigt nach seiner Verhaftung. "Wenn man so was hat, ist man natürlich stolz drauf und erzählt es den Sammlerfreunden", sagte er.

Für die Vereinsarbeit

Bleibt noch eine Frage: Was passiert mit den frei werdenden Räumen im Caritashaus? Laut Bürgermeister Stadelmann werden sie wohl für die Vereinsarbeit genutzt. Damit befasst sich der Stadtrat im nächsten Jahr.



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