Bamberg

In der Haut eines anderen

Cosplayer gaben sich in Bamberg ein Stelldichein. Am Regnitzufer herrschte kunterbuntes Treiben.
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Achim Melber als Halbdämon "Dante" aus der Computerspielserie "Devil May Cry"
Achim Melber als Halbdämon "Dante" aus der Computerspielserie "Devil May Cry"
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Peter reifschneider Welcher Charakter kommt gut an und passt zu meiner Persönlichkeit? Stelle ich mein Kostüm aufwendig selbst her oder bestelle ich es bequem aus China? Diese entscheidenden Fragen haben sich viele junge Leute gestellt, die am Samstag in die Bamberger Konzerthalle gekommen sind, um an der bereits zum siebten Mal stattfindenden "Franco", einer Co splay-Convention, teilzunehmen. Cosplay sind aus Japan kommende Rollenspiele, bei denen die Fans einmal selbst in die Rolle ihrer heißgeliebten Anime-, Comic- oder Fantasyfigur schlüpfen. Das lockt jedes Jahr über tausend Besucher an und sorgte bis Sonntag für kunterbuntes Treiben am Regnitzufer.

Während im Hegel-Saal gerade ein Cosplay-Wettbewerb unter den kritischen Augen von Jury und Publikum läuft, hängen in der Eingangshalle zwischen den zahlreichen Verkaufsständen mit Fanutensilien allerlei skurrile Gestalten ab.

Da wäre der Halbdämon "Dante" mit knallrotem Lederumhang und schneeweißem Haar, der für gewöhnlich als Protagonist in der Computerspielserie "Devil May Cry" mit seinem überdimensionalem Schwert "Rebellion" auf Teufelsjagd geht. Den Teufelstöter hat Cosplayer Achim Melber aus Donauwörth eigens am Computer entworfen und an einem 3D-Drucker ausgedruckt. Da steht er nun mit stahlhartem Sixpack lässig an einen Stehtisch gelehnt und entspricht so gar nicht dem Zockerklischee vom ungeformten Nerd mit Hornbrille. "Ich fand den Typ so cool und imposant, so wollte ich später auch mal aussehen", verrät er und stellt augenzwinkernd fest: "Zocker können auch motiviert werden, Sport zu machen!" Danach taucht er wieder in das bunte Getümmel der Convention ein.

Dort trifft er vielleicht auf den launigen Marvel-Anti-Helden "Deadpool", der es sich natürlich auch nicht nehmen ließ, auf der "Franco" aufzuschlagen. "Ich bin der Fan-Liebling von allen", sagt Fabian Ramm aus Leipzig selbstbewusst in seinem schwarz-roten Superhelden-Anzug durch eine Stoffmaske. Für 115 Euro war das Outfit im Internet zu bekommen, das im Vergleich zu anderen Kostümen noch günstig ist.

Stefanie Kochstein aus Ludwigslust ist mit ihrem Freund Leon Gary aus Erfurt da: Sie verkörpern Figuren aus dem beliebten Mobile-Game "Fate/Grand Order". Um die 500 Euro mussten sie für den coolen Look hinlegen, da sie noch etwas üben müssen, um ihr Kostüm allein nähen zu können.

Viele Teilnehmer investieren Monate in die Gestaltung ihrer Cosplays, bis auch das letzte Detail mit dem Original übereinstimmt. Wie zum Beispiel die Schwestern Annemarie und Michella Marek aus München und Buchloe im Ostallgäu. Seit September haben sie gebastelt, geklebt, genäht und gestrickt. Gemeinsam stellen sie die geschlechtslosen Edelsteinwesen "Bort" und "Diamond" aus der japanischen Manga-Serie "Das Land der Juwelen" dar: "Wir lieben die Serie und die Dynamik zwischen den beiden."

"Und Glitzer!", ergänzt Michella. Annemarie ist bereits seit elf Jahren in der Szene aktiv und hat ihre Schwester "infiziert". "Ich mochte schon lange Mangas und Animes, da war das Verkleiden fast zwangsläufig", plaudert diese aus dem Nähkästchen.

Gerade die Haarpracht ist oft besonders aufwendig und erfordert eine Menge Kreativität. Das weiß auch Elias Mende aus Dresden. "Für die habe ich viel länger gebraucht als geplant." Abgesehen von den Schuhen ist sein Cosplay identisch mit Umi Sonoda aus dem japanischen Anime "Love Life". Da er bereits ein anderes männliches Co splay hat, wollte er mal einen weiblichen Charakter darstellen. Alles scheint möglich an diesem Samstag und das macht für viele sicher auch den Reiz der "Franco" aus.

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